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EISHOCKEY: Streng gehütetes Hockey-Geheimnis

Nico Hischier (18) kann in der Nacht auf Samstag als erster Schweizer die Nummer 1 im NHL-Draft werden. Die New Jersey Devils dürfen als Erste auswählen – doch die Klubs lassen sich nicht in die Karten blicken.
Klaus Zaugg, Chicago
Begehrte Talente: der Kanadier Nolan Patrick (links) und Nico Hischier. (Bild: Bill Wippert/Getty (New York, 2. Juni 2017))

Begehrte Talente: der Kanadier Nolan Patrick (links) und Nico Hischier. (Bild: Bill Wippert/Getty (New York, 2. Juni 2017))

Klaus Zaugg, Chicago

sport@luzernerzeitung.ch

Ein Schweizer? Nein, für die Kanadier unvorstellbar. Es kann doch nicht sein, dass einer aus der Schweiz mit knapp 15 000 Junioren die Nummer 1 im NHL-Draft wird. Und nicht einer aus Kanada mit über 400 000 registrierten Nachwuchsspielern. Dass Nico Hischier vor Nolan Patrick «gezogen» wird. Die Nummer 1 ist und bleibt eine grosse Sache für die Nordamerikaner. Und wichtig für das seelische Wohlbefinden der Kanadier, die Eishockey als Nationalsport in ihrer Verfassung festgeschrieben haben.

Den Stanley Cup können kanadische Klubs inzwischen nicht mehr gewinnen. Das ist schmerzlich genug. 1993 holten die Montréal Canadiens den Pokal zum letzten Mal. Mit Paul DiPietro im Team, der längst seinen Hockey-Lebensabend als Scout und Talenttrainer in Zug geniesst. Aber wenigstens beim Draft sind die Kanadier nach wie vor dabei. Nur 13-mal war seit 1963 nicht ein Kanadier die Nummer 1. Zuletzt vor einem Jahr Auston Matthews. Okay, ein Amerikaner. Dass auch schon Schweden, Russen oder Tschechen hin und wieder die Nummer 1 sind, das geht. Aber ein Schweizer?

Medien-Marathon im Vorfeld

Erst am Mittwoch ist Nico Hischier von Zürich nach Chicago geflogen. Es ist ein unspektakulärer Aufbruch zum vielleicht grössten Abenteuer unserer Hockey-Geschichte, zu einer Karriere, die ihn weitertragen kann als jeden anderen Schweizer Spieler. Begleitet von seinen Eltern und seiner Schwester und von seinem Agenten Gaëtan Voisard steht er beim Boarding unauffällig in der Schlange. Noch ist er im eigenen Land ein «Nobody».

Zeit zum Ausschlafen hat er in Chicago nicht. Der Draft hat für ihn gestern begonnen. Zusammen mit Nolan Patrick wird er schon um 7.45 Uhr von einem lokalen TV-Sender in Beschlag genommen. Anschliessend wartete um 9.45 Uhr das Schweizer Fernsehen vor dem Hotel für einen Beitrag. Ein paar Aufnahmen an der Magnificent Mile, Downtown Chicago. Mehr als eine gute Viertelstunde Zeit bleibt nicht. Denn bereits kurz nach Mittag sind die aussichtsreichsten Draft-Kandidaten – Nolan Patrick, Nico Hischier, Casey Mittelstadt und Gabriel Vilardi – zu einem Hockey-Spiel mit Ball draussen beim United Center, dem Stadion der Black Hawks aufgeboten. Und um 15.45 Uhr zu einer Bootsfahrt auf dem Michigan See mit Medienvertretern. Jede Minute ist verplant. Es ist der erste offizielle Tag in der grossen Medien- und Marketing-Maschine NHL.

Und wer wird heute als Nummer 1 gezogen? Die Klubgeneräle, die Agenten, die Scouts reden viel, aber das Geheimnis wahren sie. Göran Stubb, der seit mehr als 30 Jahren das Scouting-Büro der NHL in Europa leitet, sagt: «Wer wen drafted, ist das bestbewahrte Geheimnis in der Hockey-Welt. Ich bin schon mit einem Verantwortlichen im Taxi vom Hotel zum Draft gefahren, und er hat mir versichert, an einem betreffenden Spieler sicher nicht interessiert zu sein. Er hat genau diesen Spieler gedraftet ...»

Die New Jersey Devils dürfen als Erste auswählen. Ein Klub aus den USA. Da und dort ist der Transfer von Mirco Müller als gutes Zeichen gewertet worden. New Jersey hat den Verteidiger von den San José Sharks geholt. Damit Nico Hischier in seinem ersten NHL-Team ein bekanntes Gesicht findet? «Das ist vollkommener Unsinn», sagt Müllers Agent Andy Rufener. «Mirco Müllers Trade hat rein gar nichts mit einem möglichen Draft von Nico Hischier zu tun.»

Und doch: Nico Hischier kann die Nummer 1 werden. New Jersey mag in vielerlei Hinsicht eine konservative Organisation sein, aber wenn es um Hockey geht, waren die Amerikaner schon immer weltoffen.

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