Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EISHOCKEY: Träumen und Eishockey, das passt nicht

Die 33-jährige Daniela Diaz steht vor der grössten Herausforderung ihrer Sportlerkarriere. Die Zugerin ist Schweizer Nationaltrainerin und hat den Auftrag, das Frauen-Eishockeyteam weiter auf Erfolgkurs zu halten.
Raphael Biermayr
Zeit zum Ausruhen bleibt Daniela Diaz, der neuen Schweizer Eishockey-Nationaltrainerin der Frauen, in den kommenden Monaten nur wenig. (Bild Werner Schelbert)

Zeit zum Ausruhen bleibt Daniela Diaz, der neuen Schweizer Eishockey-Nationaltrainerin der Frauen, in den kommenden Monaten nur wenig. (Bild Werner Schelbert)

Raphael Biermayr

Daniela Diaz schaute etwas irritiert, als ihr die Frage gestellt wurde, ob sie als Nationaltrainerin davon träume, dereinst in dieser Funktion ihr Auskommen verdienen zu können. Ihre Irritation gilt nicht der Frage an und für sich, sondern dessen Formulierung. «Träumen», sagt die 33-Jährige, «existiert im Zusammenhang mit Eishockey nicht.»

Diese Haltung tut im Fraueneishockey not. Zwar hat der Sport seit dem Gewinn der Bronzemedaillen an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi (Rus) eine grössere Plattform als je zuvor. Doch dieses Feuer der Aufmerksamkeit muss am Lodern gehalten werden, andernfalls erlischt es schnell. Wer erinnert sich beispielsweise noch, dass im Jahr 2011 die Weltmeisterschaft in der Schweiz ausgetragen wurde? Daniela Diaz nimmt Platz in einem der typischen Funktionsgebäude im Hünenberger Industriegebiet Bösch. Der ebenso typische Sitzungsraum lässt an geschäftlicher Nüchternheit nichts vermissen. Diaz arbeitet hier als Treuhänderin mit eidgenössischem Fachausweis. Sie offeriert Kaffee und trinkt auch einen mit: schwarz und ohne Zucker. Ebenso authentisch also, wie sie ihren neuen Job als Eishockeytrainerin lebt.

Viele Erfolge als Spielerin gefeiert

Die gebürtige Zugerin gilt als hart, aber fair. Attribute, mit denen sie als Trainerin punktet, sagen unisono Spielerinnen und Verantwortliche. Hinzu kommt der Erfolg: Seit 2010 gewann sie mit dem Frauenteam der ZSC-Lions drei Meistertitel, viermal den Cup sowie die Silbermedaille am Europacup 2012. Nie zuvor hat eine Schweizer Equipe international so gut abgeschnitten.

Als Spielerin gehörte Diaz auch jenem Team an, das erstmals für die Schweiz eine Europa-Cup-Medaille gewann: Mit dem EV Zug holte sie 2004 Bronze. Dieser Erfolg habe sich besonders in ihr Gedächtnis eingebrannt. Sie muss selektionieren, denn sie hatte auch als Spielerin viele Titel zu feiern. Die Quellen unterscheiden sich, was die Anzahl der Meistertitel anbelangt. Wie oft wurde sie nun Schweizer Meister? Sie zuckt etwas hilflos Schultern, kann diese Frage nicht schlüssig beantworten. Allein mit dem mit dem EV Zug sollen es lauft Wikipedia vier Titel gewesen sein.

Das steht für ihre Bescheidenheit – und es steht für ihre Philosophie. Der Ehrgeiz von Diaz wird nicht von Titeln und Medaillen getrieben. Perfektion heisst das Zauberwort von Daniel Diaz. Sie will das perfekte Team, dem das perfekte Spiel gelingt. Ihr Denkansatz ist keineswegs arrogant. Für die Zürcherinnen geht es in der höchsten Schweizer Liga nur selten um den reinen Sieg. Einzig Neuenburg und Lugano vermögen die Löwinnen herauszufordern. «Es gibt Spiele, die wir mit grosser Sicherheit gewinnen. Deshalb lege ich die Latte höher, es zählt nicht nur der Sieg», sagt Daniela Diaz.

Kurze Eingewöhnungszeit

Seit rund zwei Wochen liegt die Messlatte noch höher. Am 14. Dezember stieg die 33-Jährige zur Nationaltrainerin auf. Sie löste Gian-Marco Crameri ab, der nach der 10-jährigen Ära von René Kammerer von Beginn weg einen schweren Stand hatte und seine Position in der 20-monatigen Amtszeit nicht festigen konnte. Diaz hatte wenig Zeit, sich auf den neuen Job einzustimmen: vom 16. bis am 20. Dezember stand ein Turnier im französischen Amiens auf dem Programm. Für Diaz stand dabei nicht primär die sportliche Leistung im Vordergrund. Sie stellte Angewöhnung an den Staff und die Abläufe in den Vordergrund. Und trotzdem gewannen die Schweizerinnen das Turnier.

Die in Baar wohnhafte Zugerin ist die logische Nationaltrainerin – auch wenn sie das selber nie so ausdrücken würde. Sie spricht von «einer Aufgabe, die ich mir absolut zutraue». Sie soll das Schweizer Fraueneishockey wieder auf Kurs bringen. Denn nach dem Gewinn der Bronzemedaille erfuhr das Nationalteam einen Aderlass. Viele Teamstützen traten zurück. Eine Entwicklung, die durch den Führungsstil von Crameris noch forciert wurde. Die Schweiz gilt als das Team mit dem grössten Potenzial – nach der Übermacht aus Übersee notabene. Doch Potenzial alleine genügt nicht, um an der Weltmeisterschaft 2016 die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele 2018 (siehe Box) zu schaffen, um sich damit auch an der Weltspitze zu etablieren. Und dazu braucht es ein Team, das funktioniert.

Ein persönliches Opfer

Daniela Diaz, sie hat über 100 Länderspiele absolviert und die Olympischen Spielen 2006 bestritten, hat mit der Vorgabe den Trainerjob angetreten, dieses Ziel zu erfüllen. Dabei soll ihr auch die eine oder andere erfahrene Spielerin helfen, damit das Team wieder mehr Stabilität erhält. «Was vorher war», sagt die 33-Jährige, «zählt für mich nicht. Es gilt, nach vorne zu schauen und das Bestmögliche herauszuholen.»

Für ihre neue Aufgabe bringt sie ein persönliches Opfer: Die zweieinhalbwöchige Reise nach New York, um ihren Bruder Raphael zu besuchen, hat sie abgesagt – «nach Rücksprache mit ihm und der ganzen Familie», fügt sie an. Die Meinung der Familie hat für Daniela Diaz einen hohem Stellenwert. Ihre spärliche Freizeit verbringt der Genuss- und Gemütsmensch so oft als möglich im Familienkreis. Eine Umgebung, in der sie sich hin und auch wieder zum Träumen hinreissen lässt ...

Die Schweiz steht an WM unter Druck

Die ersten fünf der Weltrangliste nach der Weltmeisterschaft 2016 sind für die Olympischen Spiele 2018 gesetzt. Die Schweiz ist gegenwärtig Vierte, aber der Vorsprung auf die nachfolgenden Nationen Schweden und Russland ist marginal. Die Schweizerinnen dürfen das Turnier in Kanada, das von Ende März bis Anfang April ausgetragen wird, nicht hinter den erwähnten zwei Teams abschliessen, wollen das Olympiaticket auf sicher haben. In der ausgeglichenen WM-Gruppe der schwächeren Teams treffen sie auf Schweden, Japan und Tschechien. Die ersten beiden der Gruppe stehen im Viertelfinal, die beiden anderen Teams spielen gegeneinander um den Verbleib in der höchsten Poule.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.