EISHOCKEY: Videos erzeugen nachhaltige Wirkung

Ein Unfall beim Playoff-Spiel zwischen Olten und Langenthal beschäftigt auch EVZ-Junioren. Sie wollen aber von ihrem Hobby nicht lassen.

Marco Morosoli
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Auf dem Eis ist faires und rücksichtvolles Verhalten gefragt: Unser Bild zeigt Michael Hügli, Zuger Elite-A-Junior. (Bild: Maria Schmid)

Auf dem Eis ist faires und rücksichtvolles Verhalten gefragt: Unser Bild zeigt Michael Hügli, Zuger Elite-A-Junior. (Bild: Maria Schmid)

Der Verteidiger Ronny Keller prallte im NLB-Playoff-Halbfinal zwischen dem EHC Olten und Langenthal ungebremst in die Bande. Dies geschah am 5. März nach einem Duell mit dem Langenthaler Stefan Schnyder. Die Bilder gingen um die Welt. Die Folgen waren fatal: Der Oltner zog sich bei seinem Sturz eine Verletzung am vierten Brustwirbel zu. Keller wird wohl zeitlebens auf einen Rollstuhl angewiesen sein. Nach diesem tragischen Vorfall hielt die Schweizer Hockeyszene inne. In vielen Garderoben wurde über das Ereignis diskutiert. Auch bei den Elite-A-Junioren des EV Zug war der Unfall ein grosses Thema.

Meyer: «Ich weiss um das Risiko»

«Ich habe mich schon zwei- oder dreimal in einer ähnlichen Situation befunden», sagt Alain Meyer. Der 18-Jährige ist Verteidiger bei den Elite-A-­Junioren des EV Zug. Es seien jeweils heikle Begegnungen gewesen und habe auch geschmerzt. Letztlich sei es bei ihm aber zum Glück immer gut ausgegangen. Deswegen fährt bei Meyer die Angst aber auch auf dem Eis nicht laufend mit: «Der Vorfall beschäftigt mich hingegen schon. Keine Frage. Als Eishockeyspieler weiss ich auch um das Risiko meines Tuns. Beim Spielen versuche ich es jedoch zu verdrängen.» Auch sein Teamkollege Michael Hügli (17) hat wegen einer Hirnerschütterung schon Partien verpasst: «Wenn du daran denkst, spielst du nicht mehr so locker.» Deshalb habe er auch nie in Betracht gezogen, nach einer solchen Verletzung seine Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. Meyer zieht eine Parallele zum normalen Leben: «Ich sitze ja auch nicht in ein Auto und sage mir: Jetzt passiert ein Unfall.» Es sei immer das Bestreben da, solche gefährlichen Situationen zu vermeiden.

Kampagne für faire Checks

«Jeder Spieler muss immer für sich selber einschätzen können, wie er auf dem Eis nach einem Check reagieren soll», sagt der Trainer der Elite-A-Mannschaft, Leo Schumacher. Dieses Verhalten könne nicht antrainiert werden. Zum Trainingsalltag gehöre es jedoch, zu lernen, wie ein fairer Check ausgeführt wird. «Ich schaue mir mit der Mannschaft ab und an ein Video an, in welchem solche Checks gezeigt werden.» Dieser Anschauungsunterricht habe bei seinen Spielern die nachhaltigste Wirkung. Sie gehört zu einer Kampagne des Schweizerischen Eishockeyverbandes mit dem Titel «Respect on and off the Ice» (Respekt auf und neben dem Eis). Die Initianten der Kampagne engagieren sich gemeinsam für ein hartes, aber dennoch faires und respektvolles Eishockey. Sie setzen sich wider die Gewalt und Gesundheitsschädigungen auf und neben dem Eis ein. Diese Bemühungen sind mit der folgenden Botschaft verbunden: «Eishockey ist eine attraktive, schnelle und kampfbetonte Sportart mit viel Körperkontakt auf einem Feld mit begrenzten Sturzräumen.» Die Beteiligten sind sich dabei bewusst, dass ­Vorkommnisse wie diejenigen in Olten selbst mit diesen Massnahmen nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.

Eltern machen sich Gedanken

Auch Eltern von Eishockeyspielern machen sich Gedanken über das Tun ihrer Schützlinge in der Arena. Leiden oft auf der Tribüne mit ihnen. Michel Schneider hat einen Sohn, der beim Elite-A-Team des EVZ spielt. Er sagt: «Ich lebe nicht mit der Angst, dass Andreas etwas passieren könnte.» Schneider weiss, dass die Junioren gut trainiert sind: «Sie lernen, wie man beim Check richtig steht.» Er selber spielt viel Fussball: «Da versuche ich nach Kräften, einer Verletzung aus dem Weg zu gehen.» Doch Michel Schneider sagt: «Im Eishockey geht alles sehr schnell. Da ist eine Risikoabschätzung in Sekundenbruchteilen gefragt.» Bis anhin habe sein Sohn Glück gehabt. Er kann sich nur an eine Handverletzung erinnern. Was Schneider eher nicht verstehen kann, dass es nicht Pflicht ist, ab 18 Jahren einen Helm mitsamt Gitter tragen zu müssen.

Auch Susanne Schmuckli plagen keine Ängste, wenn ihr Sohn Florian spielt. Er ist Verteidiger. «Ist er in einen Check mit einem Gegner verwickelt, bin ich natürlich schon erleichtert, wenn beide ohne Blessuren wieder aufstehen», sagt sie. Susanne Schmuckli glaubt ferner, dass ihr Sohn bei zehn Übungseinheiten pro Woche, dazu kommen noch die Spiele, gut trainiert sei: «Sie lernen auf dem Eis den Gegner stets im Blickfeld zu haben.» Zudem fügt sie an: «Florian hat sich vermutlich beim Skifahren häufiger verletzt als beim Eishockey spielen.» Der 19-Jährige hat den Sprung in die erste Mannschaft geschafft und gehört in der kommenden Saison zum Kader. Schmuckli sagt: «Er hat Spass am Eishockeyspiel und ist mit Begeisterung dabei.» Für die Mutter ist der Teamsport aber noch mehr: «Er ist eine Lebensschule.» Sie würden beim Eishockeyspielen Verantwortung für ihr Tun lernen. Auch der Umgang mit Sieg und Niederlage gehöre dazu. Doch bei alledem ist sich Susanne Schmuckli bewusst: «Leistungssport ist mit Risiko verbunden.»