EISHOCKEY: Viel Lob, aber keine WM für Martschini

Lino Martschini war der beste Schweizer Skorer der NLA. Dennoch findet die Weltmeisterschaft in Prag ohne den EVZ-Angreifer statt.

Nicola Berger
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Lino Martschini (rechts, im Zweikampf mit dem Finnen und neuen Zug-Söldner Jarkko Immonen) konnte sich den Weg ins Schweizer WM-Aufgebot nicht freikämpfen. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Lino Martschini (rechts, im Zweikampf mit dem Finnen und neuen Zug-Söldner Jarkko Immonen) konnte sich den Weg ins Schweizer WM-Aufgebot nicht freikämpfen. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Beim samstäglichen 1:0-Sieg der Schweiz in Dänemark bereitete der 22-jährige Lino Martschini in der Verlängerung den Siegtreffer seines Linien- und Teamkollegen Reto Suri vor. Es war ein typisches Martschini-Assist, ein Pass mit hoher Präzision und viel Übersicht. Die Qualitäten des begnadeten Individualisten sind unbestritten, er hat sie in allen erdenklichen Situationen bewiesen, seit er 2012 aus Kanada nach Zug zurückgekehrt ist. In der abgelaufenen Meisterschaft kam er in 56 Partien auf 24 Tore und 28 Assists – er war die Nummer 4 der nationalen Skorerliste und der produktivste Akteur mit Schweizer Pass.

EVZ-Sportchef ist irritiert

Martschini spielte eine Saison nahe der Perfektion, zumal im Alter von 22 Jahren. Man hätte erwartet, dass das honoriert wird, in der Nationalmannschaft; dass Martschini unter dem neuen Trainer Glen Hanlon seine erste Weltmeisterschaft spielt. Es kam anders – der Test in Dänemark war für Martschini gleichbedeutend mit seiner Saison-Derniere, nach Spielschluss wurde er aus dem Kader gestrichen.

Das sorgte für Irritationen in der Branche, Reto Kläy, der EVZ-Sportchef, sagt beispielsweise: «Ich denke, Lino hat gezeigt, dass er auch international Akzente setzen kann.»

Hanlon kann die Aufregung verstehen, wenige Minuten nachdem die Nationalmannschaft gestern in Zürich-Kloten landete, sagte er: «Martschini hat nichts falsch gemacht. Er ist ein aussergewöhnlicher Spieler, der vor einer grossen Karriere im Nationalteam steht.»

Hanlon setzt auf Damien Brunner

Das sind schöne Komplimente, nur: Warum hat sich Hanlon dann gegen Martschini entschieden? Liegt es an seiner Körpergrösse von 1,68 Metern? Die Diskussion darum ist ja sehr alt, es gab Beobachter, die ihm deswegen die NLA-Tauglichkeit absprachen und eines Besseren belehrt wurden. Zu gerne hätte Martschini in Prag nun den Nachweis seiner Eignung auf internationaler Ebene erbracht.

Hanlon verwehrt ihm diese Chance, und wenn man ihn nach den Gründen fragt, holt er weit aus. Weniger als zwei Wochen vor dem WM-Auftakt gegen Österreich möchte der Kanadier Polemik vermeiden, er sagt: «Mein Aufgebot richtet sich nicht nach der Skorerliste. Es geht um eine gesunde Balance. Manche Spieler sind wegen ihrer physischen Qualitäten dabei. Andere, weil sie wichtig für die Defensive sind. Martschini wäre als Rechtsschütze im Powerplay eingeplant gewesen. Aber dafür haben wir schon Damien Brunner.»

Die Argumentation ist nachvollziehbar, aber Hanlon muss hoffen, dass sein Plan aufgeht; dass die Offensive genügend Tore produziert, weil die Rufe nach der Kreativkraft Martschini nur dann verstummen werden. Andernfalls könnte es für den Trainer einen stürmischen Prager Frühling absetzen.

Das Aufgebot für die vierte Vorbereitungswoche mit den Länderspielen gegen Frankreich am 24. April in Grenoble und am 26. April in Lyon.

Torhüter (3): Berra (Colorado), Genoni (Davos), Manzato (Lugano).

Verteidiger (8): Blum (Bern), Du Bois (Davos), Gee­ring (ZSC Lions), Grossmann (Zug), Helbling (Fribourg), Kukan (Lulea), Loeffel (Genève-Servette), Streit (Philadelphia).

Stürmer: Almond (Genève-Servette), Ambühl (Davos), Bieber (Kloten Flyers), Bodenmann (Kloten), Brunner (Lugano), Haas (Biel), Hollenstein (Kloten), Romy (Genève-Servette), Rüfenacht (Bern), Schäppi (ZSC Lions), Scherwey (Bern), Suri (Zug), Trachsler (ZSC Lions), Walker (Lugano), Dino Wieser (Davos).