EISHOCKEY: Zwei Namen sind im Gespräch

Die Nationalmannschaft startet mit dem Deutschland-Cup zum WM- Blindflug Richtung Moskau. Nächste Woche soll klar sein, wer dann an der Bande steht.

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Im Chaos-Herbst ist Licht in Sicht: Felix Hollenstein (links) und Patrick Fischer könnten die Nationalmannschaft als Doppelspitze an die WM in Moskau führen. (Bild: Keystone/Patrick B. Krämer/Gian Ehrenzeller)

Im Chaos-Herbst ist Licht in Sicht: Felix Hollenstein (links) und Patrick Fischer könnten die Nationalmannschaft als Doppelspitze an die WM in Moskau führen. (Bild: Keystone/Patrick B. Krämer/Gian Ehrenzeller)

Klaus Zaugg

Wer führt die Schweizer Nationalmannschaft bei der WM 2016 in Moskau? Niemand weiss es. Zum ersten Mal in der neueren Geschichte weiss man im Herbst nicht, wer die Spieler für die WM aufbietet, wer sie dort coacht und mit welchem Konzept die Nationalmannschaft spielen wird. Nach der Entlassung von Glen Hanlon ohne durchdachten «Plan B» ist das Chaos ausgebrochen. Rund um die Besetzung des Nationaltrainerpostens wird ein Theater sondergleichen aufgeführt. Atemlose Planlosigkeit.

Die Spieler stehen dem Nationalcoach nicht mehr während der ganzen Saison zur Verfügung. Es ist wegen der grossen Belastung der Spieler in den Klubs nicht mehr möglich, jedes Länderspiel in Bestbesetzung zu bestreiten. Deshalb ist ein klares Konzept wichtiger denn je. Hinter jedem Aufgebot muss eine Idee, ein Konzept, eine Strategie stehen. Jedes Aufgebot muss Sinn machen. So war es bei Simon Schenk, bei Ralph Krueger und bei Sean Simpson. Eigentlich seit der Rückkehr zum Prinzip des vollamtlichen Nationaltrainers im Jahre 1983.

Von einem planvollen Vorgehen, von einem Masterplan für die WM-Expedition ist man weiter entfernt als unsere Luftwaffe von einer Landung auf dem Mars. Im Aufgebot zum Deutschland-Cup mit vier Neulingen ist kein Konzept mehr zu erkennen – es sei denn, wir nennen das Prinzip «Krethi & Plethi» ein Konzept. Erste Ansätze zu dieser Planlosigkeit waren schon letzte Saison unter Glen Hanlon mit mehr als 60 aufgebotenen Spielern zu erkennen. Das silberne Erbe von 2013 verbleicht mehr und mehr im Chaos.

Trainer sind am falschen Ort

John Fust führt die Schweizer Nationalmannschaft nur beim Deutschland-Cup. Alles andere ist offen. Auch ob Felix Hollenstein weitermacht. John Fust ist definitiv der falsche Mann für den Deutschland-Cup. Er ist nämlich vollamtlicher U-20-Nationaltrainer. Er müsste jetzt die U-20-Nationalmannschaft für die WM Ende Dezember vorbereiten. Auch sein Assistent beim Deutschland-Cup ist der falsche Mann. Thierry Paterlini müsste in diesen Tagen an einem anderen Ort sein und das U-18-Nationalteam führen. Bei den Zusammenzügen der beiden wichtigsten Junioren-Nationalteams fehlen ausgerechnet beide Cheftrainer. Da mag der umtriebige Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer noch so sehr betonen, das sei kein Problem – es ist ein Problem. Ein grosses Problem. Sogar verbandsintern wird unter Wahrung der Anonymität von «unhaltbaren Zuständen» gesprochen.

Wer soll im Frühjahr unsere Nationalmannschaft bei der WM führen? Nachdem Glen Hanlon im Amt alleine überfordert war – der Kanadier hatte zuletzt noch auf eigene Faust versucht, Felix Hollenstein als Assistenten zu gewinnen – wird von verschiedenen Kreisen eine Doppelspitze mit Felix Hollenstein/Patrick Fischer favorisiert. Auch die mächtige Nationalmannschaftskommission hat nichts dagegen. SCB-Sportchef Sven Leuenberger, der dort zusammen mit ZSC-Manager Peter Zahner die Meinung macht, sagt: «Eine solche Lösung ist denkbar. Ausgeschlossen ist, wie schon immer, ein Nationaltrainer im Nebenamt.» Der Nationaltrainer wird vom Verbandsverwaltungsrat angestellt – mit dem Segen der Nationalmannschaftskommission.

Gespräche nächste Woche

Nächste Woche finden die entscheidenden Gespräche mit Felix Hollenstein statt. Den ehemaligen Leitwolf der Kloten Flyers davon zu überzeugen, den Job zusammen mit dem kürzlich in Lugano freigestellten Patrick Fischer zu übernehmen und ihm dafür die entsprechenden Kompetenzen einzuräumen – das ist für Raeto Raffainer inzwischen so ziemlich die letzte Chance, nach dem Chaos-Herbst die Dinge zu ordnen, das Gesicht nach der Ankündigung einer Schweizer Lösung zu wahren und mit guter Sicht statt im Blindflug die WM 2016 in Moskau anzusteuern.

Augsburg. Deutschland-Cup. Spielplan. Heute, 16.00: USA - Slowakei. – 19.30: Deutschland - Schweiz. – Samstag, 14.00: USA - Schweiz. – 17.30: Deutschland - Slowakei. – Sonntag, 13.00: Slowakei - Schweiz. – 16.00: Deutschland - USA.

Das Schweizer Aufgebot. Tor (2): Conz (Fribourg-Gottéron). Zurkirchen (Ambri-Piotta). – Verteidigung (8): Baltisberger (ZSC Lions). Chiesa (Lugano). Lukas Frick (Kloten Flyers). Grossmann (Zug). Helbling (Bern). Leeger (Lausanne). Loeffel (Geneve-Servette). Stoop (Kloten Flyers). – Sturm (14): Cunti (ZSC Lions). Froidevaux (Lausanne). Fuchs (Ambri-Piotta). Hofmann (Lugano). Künzle (ZSC Lions). Lammer (Zug). Martschini (Zug). Moser (Bern). Mottet (Fribourg-Gottéron). Pestoni (Ambri-Piotta). Praplan (Kloten). Suri (Zug). Walker (Lugano). – Coach: Fust; Assistent Paterlini.