NLA

Bühne frei für die neuen NLA-Stars

Immer mehr Spieler wechseln aus der NHL in die NLA, wo sie einen neuen Anlauf in Richtung der besten Liga der Welt nehmen wollen. Heuer versuchen 24 Söldner in der Schweiz Fuss zu fassen – unter ihnen sind einige Hochkaräter.

Marcel Kuchta
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So gut, dass er sich bald mit den NHL-Stars messen wird: Fribourgs Roman Cervenka.

So gut, dass er sich bald mit den NHL-Stars messen wird: Fribourgs Roman Cervenka.

Keystone

Bis am vergangenen Dienstag umfasste die Liste der neuen NLA-Ausländer 25 Namen. Dann wurde bekannt, dass ausgerechnet der prominenteste aller Neo-Importe die Schweiz unverrichteter Dinge wieder verlassen muss. Der Kanadier Kris Versteeg, hoch dekorierter NHL-Veteran im besten Alter (30 Jahre/zweifacher Stanley-Cup-Champion mit Chicago, 639 NHL-Spiele/357 Punkte), bestand den Medizin-Check beim SC Bern nicht, weshalb der erst im Juli unterzeichnete Einjahresvertrag wieder aufgelöst wurde. SCB-Sportchef Alex Chatelain ist deshalb ab sofort wieder auf der Suche nach neuen Söldnern, zumal sich mit Andrew Ebbett am Dienstag auch noch einer der bisherigen Berner Importe verletzte und für längere Zeit ausfallen wird.

Conacher und das Personal-Domino

Ausgelöst wurde das ganze SCB-Personal-Domino eigentlich durch den Abgang von Cory Conacher, der im Juli im letzten Moment von seiner NHL-Ausstiegsklausel Gebrauch machte und sich aus Bern Richtung Tampa Bay verabschiedete. Der Meister reagierte und holte sich als Ersatz Versteeg, was sich jetzt als Irrtum herausstellte. Doch die Personalien Conacher und Versteeg zeigen, wie die Tendenz punkto Ausländern aussieht: Immer mehr Spieler wechseln aus der NHL in die NLA, wo sie einen neuen Anlauf in Richtung der besten Liga der Welt nehmen wollen. Cory Conacher schaffte die Rückkehr, Trevor Smith (vom SCB zu Nashville) und Tom Pyatt (von Servette zu Ottawa) unterzeichneten ebenso NHL-Verträge. Die NLA ist deshalb für Profis, die ihre in Übersee ins Stocken geratene Karriere neu lancieren wollen, zu einer Wunschdestination geworden.

Mike Santorelli, der bei Servette untergekommen ist, gehört genau zu dieser Sorte Spieler. «Er hat alles, um eine der grossen Attraktionen in der NLA zu werden», schwärmt der Genfer Trainer Chris McSorley über seinen Neuzuzug von den Anaheim Ducks. Nick Spaling holte McSorley ebenfalls direkt aus der NHL. Der Defensivstürmer bestritt mit den San Jose Sharks im Juni noch den Stanley-Cup-Final (und verlor gegen die Pittsburgh Penguins). Beim SC Bern setzte man neben dem gescheiterten Experiment mit Versteeg ebenfalls auf die nordamerikanische Karte. Mark Arcobello setzte sich in der NHL zwar nie ganz durch, hat aber aufgrund seines Talents alle Voraussetzungen, in der NLA zu einem Star zu werden.

Konkurrenz ist für den Amerikaner jedoch nicht zu knapp vorhanden. Unter den zahlreichen Neuverpflichtungen gibt es zwei Spieler, die herausragen. Dem HC Fribourg-Gottéron gelang mit dem Transfer von Roman Cervenka ein Coup. Der Tscheche entschied sich im Juli für den Wechsel in die Schweiz, nachdem sich seine Hoffnungen auf einen NHL-Vertrag zerschlagen hatten. Wie stark der 30-Jährige einzuschätzen ist, zeigt die Tatsache, dass er für den ab kommender Woche stattfindenden World Cup of Hockey (eine Art inoffizielle Weltmeisterschaft mit allen NHL-Spielern) in die tschechische Auswahl berufen wurde – als einziger Spieler, der nicht in der NHL engagiert ist.

«Spielmacher, Kampfsau, Torschütze»

Mit Patrick Thoresen bewirbt sich ein alter Bekannter für den Titel des besten neuen NLA-Ausländers. Der Norweger erfreute die Fans in den hiesigen Stadien bereits vor acht Jahren während einer Saison, als er im Dress des HC Lugano für Furore sorgte. Im Sommer sicherten sich die ZSC Lions die Dienste des kampfstarken und torgefährlichen Allrounders, der in der russischen KHL zu einem Star avancierte. Lions-Sportchef Salis bezeichnet den bald 33-Jährigen als «Mischung von Spielmacher, Kampfsau und Torschütze – ein absoluter Leader». Wenn das mal kein Versprechen ist?