Eishockey
Posterboy Roman Josi und das launische Genie Kevin Fiala: So stehen die Chancen der Schweizer vor dem NHL-Start

In der Nacht auf Mittwoch starten die 32 NHL-Teams in die neue Saison. Noch nie waren die Aussichten für die Schweizer so gut.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Verteidiger und Captain Roman Josi (rechts) ist Dreh- und Angelpunkt bei den Nashville Predators.

Verteidiger und Captain Roman Josi (rechts) ist Dreh- und Angelpunkt bei den Nashville Predators.

Bild: AP (Raleigh, 5. Oktober 2021)

Als Stars nach nordamerikanischem Verständnis gelten zwar nur Roman Josi und Nico Hischier. Aber auch Nino Niederreiter, Kevin Fiala, Timo Meier und Pius Suter haben in ihren Teams wichtige Rollen. Eine Einschätzung.

Roman Josi – der Posterboy

Smart, ohne Skandale, ohne Schwächen auf dem Eis einer der weltbesten Verteidiger und mit rund 9 Millionen Franken jährlich für die kommenden 9 Jahre der bestbezahlte Spieler unserer Geschichte und mit 31 im besten Verteidiger-Alter. Der Nashville-Captain ist der Posterboy unseres Hockeys, mit einem Image wie Roger Federer. Er steht vor einer weiteren grossen Saison.

Nico Hischier – der Unvollendete

Mit 22 ist Nico Hischier in New Jersey zum Captain befördert und mit einem Vertrag bis 2027 im Gesamtwert von 47,75 Mio. ausgestattet worden. Ein hart arbeitender Zweiweg-Center. Aber ein unvollendeter NHL-Star: Die Skorerwerte entsprechen noch nicht den hohen Erwartungen. Ist er zu wenig egoistisch? Wir dürfen seine bisher produktivste Saison erwarten.

Timo Meier – der Bulldozer

Der Abwärtstrend der letzten zwei Jahre dürfte in San José auch der schwachen Besetzung des Teams geschuldet sein. Der kräftige, furchtlose Powerstürmer ist ein Vollstrecker und auf gute Nebenspieler angewiesen. Der Vertrag (diese Saison 6 Mio.) läuft 2023 aus. Genug Zeit für den 25-jährigen Appenzeller, sich in eine gute Verhandlungsposition zu skoren.

Kevin Fiala – das launische Genie

Die NHL-Manager sind nicht sicher, ob er ein launisches Genie oder ein Star ist. An einem guten Abend reisst der 25-jährige Stürmer die Fans von den Sitzen. Nach einem weniger guten Abend wird er von den Coaches wegen defensiver Faulheit diszipliniert. Spielt er bei den Wilds konstanter, dann winkt ihm ein neuer Mehrjahresvertrag mit mehr Geld als bisher (5,1 Mio.).

Nino Niederreiter – der Musterschüler

Er spielt diese Saison um seine Zukunft. Der Vertrag des 29-jährigen Churers mit 5,4 Mio. Salär läuft bei Carolina aus. Mit guten Leistungen winkt ein neuer, Mehrjahresvertrag bei einem attraktiven Team. Der bodenständige Typ ist im Team sehr beliebt. Ein Powerstürmer mit Spielmacher-Qualitäten, schnellen Händen, cool im Abschluss und solider Defensivarbeit.

Pius Suter – der Vielseitige

Ein smarter Spielmacher mit Vollstrecker-Qualitäten und guter Defensivarbeit. Der NL-Topskorer von 2019/20 setzte sich letzte Saison bei Chicago durch – auch, weil einige Stars verletzt waren. Und so hat Chicago zu lange gezögert und nun stürmt der 25-jährige Zürcher mit Zweijahresvertrag im Gesamtwert von 6,5 Mio für Detroit, einem Team im Wiederaufbauprozess.

Der frühere ZSC-Topskorer Pius Suter spielt neu für die Detroit Red Wings.

Der frühere ZSC-Topskorer Pius Suter spielt neu für die Detroit Red Wings.

Bild: Paul Sancya / AP (Detroit, 7. Oktober 2021)

Philipp Kurashev – der Schillerfalter

Ist er in Chicago gut genug für eine offensive Rolle in den beiden ersten Linien? Das ist die grosse, bange Frage. Entweder sichert sich der Schillerfalter mit mehr Konstanz als letzte Saison gegen starke Konkurrenz einen offensiven Sonnenplatz oder er verkommt zum Hinterbänkler und muss um einen neuen Vertrag (aktuelles NHL-Salär 800'000) und die NHL-Karriere bangen.

Dean Kukan – der brave Handwerker

Ein solider «Defensivsoldat» raue ohne Abräumer-Qualitäten. So hatte er letzte Saison in Columbus unter dem konser­vativen Coach John Tortorella wenig Kredit. Neuer Coach (Brad Larsen), neues Glück. Der 28-Jährige mag keine spektakulären Stärken haben, aber er hat auch keine grosse Schwächen. Gute Chancen auf einen neuen Vertrag mit mehr als 2 Mio. wie bisher.

Grégory Hofmann – wie Pius Suter?

Er hat auch in der NHL das Tempo und die Schusskraft für 20 bis 25 Tore, sofern er in Columbus einen Platz in den ersten zwei Linie bekommt. Vorwärts hat der 28-Jährige NHL-Format, aber noch nicht «rückwärts» und im Spiel ohne Scheibe. Er kann wie Pius Suter auf Anhieb einen Stammplatz und ein zweites Vertragsjahr erkämpfen. Aktuelles Salär: 900'000.

Jonas Siegenthaler – der flinke Titan

In Washington hat sich der 24-jährige Zürcher nicht in der NHL etabliert und ist letzte Saison nach New Jersey verschoben worden. Dort hat er immerhin einen neuen Vertrag (2 Jahre, Gesamtwert 2,25 Mio.) erkämpft. Er hat eine gute NHL-Postur und ist zugleich schnell und beweglich. Wird er noch eine Spur «böser» und smarter im Passspiel, kann er eine feste NHL-Grösse werden.

Sven Bärtschi – der Desperado

Seit 2011 spielt und lebt der 29-jährige Langenthaler in Nordamerika. Ab 2015 in Vancouver in der NHL etabliert, hat ihn Verletzungspech zurückgeworfen und dem Dollarmillionär ist auf diese Saison als «Desperado» nur noch ein Einjahresvertrag (750'000) mit der Organisation von Las Vegas geblieben. Ob er sich aus dem Farmteam in die NHL zurückkämpfen kann, ist offen.

Aktuelle Nachrichten