Elia Vivianis Revanche an Sagan im Sprint von Arlesheim – Topfavorit Thomas stürzt und gibt auf

In der vierten Etappe der Tour de Suisse zeigt der Italiener Elia Viviani im Spurt Leader Peter Sagan den Meister. Topfavorit Geraint Thomas stürzte und gab auf - ist gar die Tour de France in Gefahr? 

Daniel Good
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Der 30-jährige Elia Viviani setzt sich in Arlesheim am Ende eines anspruchsvollen Teilstücks vor dem Australier Michael Matthews und Sagan durch, der die Führung im Gesamtklassement mit Erfolg verteidigte. Sagans Helfer ging am Schluss die Luft aus, dafür wurden Vivianis Teamkollegen immer schneller und beförderten ihren Sprinter an die Spitze. «Wir sind schliesslich die beste Mannschaft der Welt. Wir sind hier, um zu gewinnen. Nach meinem zweiten Platz am Tag zuvor waren wie auf Revanche aus», sagte Viviani. Für seinen belgischen Rennstall Deceuninck-Quick Step holte er schon den 38. Saisonerfolg.

Elia Viviani bejubelt seinen Etappensieg an der Tour de Suiss in Arlesheim. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Elia Viviani bejubelt seinen Etappensieg an der Tour de Suiss in Arlesheim. (Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Viviani zählt zu den weltweit besten Sprintern. Er ergatterte seinen sechsten Erfolg in diesem Jahr, den ersten im Rahmen der Tour de Suisse. «Im Hinblick auf die Tour de France komme ich immer besser in Form. Ich war in einem 16-tägigen Höhentrainingslager in Livigno.»

Aus für den Gewinner der Tour de France

Gut 30 Kilometer vor dem Etappen-Ziel stürzte Geraint Thomas schwer, verletzte sich am rechten Schlüsselbein und musste die 83. Tour de Suisse aufgeben. Der 33-jährige Waliser ist der Gewinner der Tour de France des vergangenen Jahres. Ihm droht das Aus für die diesjährige Tour de France, die am 6. Juli in Brüssel beginnt. Schon Chris Froome, ein Teamkollege von Thomas und vierfacher Sieger der Tour de France, kann wegen schweren Sturzverletzungen am weltweit wichtigsten Rennen nicht teilnehmen. Der Brite erlitt in der Dauphiné-Rundfahrt unter anderem einen Nackenbruch – auf einer Besichtigungsfahrt. Thomas kam zwischen Münchenstein und Arlesheim zu Fall. Er touchierte wahrscheinlich die Strassenbegrenzung. Mit Thomas stürzte auch der Kasache Andrej Zeits. Falls auch Thomas für die Tour de France ausfällt, führt vermutlich der erst 22-jährige Kolumbianer Egan Bernal das Team Ineos an der Tour de France an. Bernal beteiligt sich auch an der diesjährigen Tour de Suisse. Ineos, bis Ende April unter dem Namen Sky aktiv, stellte seit 2012 mit einer Ausnahme immer den Sieger der Tour de France. (dg)

Sagan war auf den letzten Kilometern isoliert und zog den Spurt etwas zu früh an. Im Gesamtklassement hat der Slowake zehn Sekunden Vorsprung auf Matthews. Wäre das Rennen zehn Meter länger gewesen, hätte Matthews den Spurt gewonnen. Der Schweizer U23-Weltmeister Marc Hirschi leistete im Finale einmal mehr Schwerstarbeit für seinen Captain Matthews. Auf den letzten Kilometern versuchten auch noch Stefan Küng (mehrmals) und Mathias Frank, dem Hauptfeld zu entweichen.

Schweizer Lebenszeichen

Zehnter und bester Schweizer in der vierten Etappe wurde Fabian Lienhard. Der 25-jährige Zürcher Unterländer gab erneut eine Talentprobe ab, nachdem er am Montag im Bergsprint von Murten den achten Platz belegt hatte. Lienhards Teamkollege Gian Friesecke war dafür verantwortlich, dass erneut ein Fahrer des Schweizer Nationalteams in der Spitzengruppe präsent war. Der 24-jährige Zürcher Oberländer wartete ebenfalls mit einer hervorragenden Leistung auf. Er gehörte lange einer vierköpfigen Spitzengruppe an und wurde erst gut zehn Kilometer vor dem Ziel gestellt. Claudio Imhof aus dem Nationalteam bleibt Leader in der Bergpreiswertung.

Die letzte Chance

Die 144 gestarteten Rennfahrer hatten bei hohen Temperaturen eine Flachetappe typisch schweizerischer Prägung zu bewältigen, eine mit fast 2000 Metern Höhendifferenz. Die gut 160 Kilometer lange Strecke führte von Murten der Jurakette entlang ins Solothurnische und über den Passwangpass in den Kanton Baselland. Der Passwang wurde schon zum 18. Mal befahren.

Die fünfte Etappe über 177 Kilometer beginnt in Münchenstein. Nach der Fahrt durchs Mittelland erreichen die Fahrer via das Zugerland das Ziel in Einsiedeln. Es ist die letzte Chance auf einen Etappensieg für die Profis, die keine Bergspezialisten sind.