Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ellbögeln – das gibt es bei uns nicht»

Albert Zumstein, hier unterwegs beim Waffenlauf in Muri im Jahr 2011. (Bild: PD)

Albert Zumstein, hier unterwegs beim Waffenlauf in Muri im Jahr 2011. (Bild: PD)

Den Krienser Waffenlauf (letzte Austragung 2003) gibt es nicht mehr, dafür aber den Krienser Waffenläufer Albert Zumstein. Die aktuelle Saison schloss der gebürtige Obwaldner in der Kategorie M50 auf dem siebten Platz ab, in der Gesamtwertung wurde er 17. Im Interview erklärt der 58-Jährige, weshalb ihn der Laufsport mit dem Gewehr im Rucksack seit rund einem Vierteljahrhundert fasziniert.

Albert Zumstein, wie sind Sie zum Waffenlauf gekommen?

Schon als Kind haben mich diese Rennen fasziniert. Ich bin in der Zeit gross geworden, als Albrecht Moser dominierte und oft im Fernsehen zu sehen war. Ich konnte die Waffenlaufbeiträge jeweils kaum erwarten. Als ich von Lungern nach Kriens zog, führte der Krienser Waffenlauf fast an meiner Haustür vorbei. Ich sagte mir: «Irgendwann mache ich mit.» Nun bin ich seit 25 Jahren dabei und habe 159 Waffenläufe absolviert.

Haben Sie spezielle Erinnerungen?

Ja, und zwar an den ersten oder zweiten Krienser. In der Nacht vor dem Lauf hat es geregnet. Am Morgen schien die Sonne durch die Bäume im Gütschwald. Wunderschön glitzerten die Wassertropfen auf den farbigen Blättern. Die Natur zeigt sich oft in den schönsten Farben.

Weshalb ausgerechnet Waffenlauf?

Ich habe schon früher viel Laufsport betrieben und bin vom Wettkampfsport als solchem fasziniert. Ich nahm zwölfmal am Jungfrau-Marathon teil, bestreite die Zentralschweizerische Berglaufmeisterschaft, bin seit 10 Jahren als Pacemaker am Swiss City Marathon im Einsatz und war auch schon in Berlin und an anderen Marathons am Start. Aus meiner Zeit als Mitrailleur im Militär habe ich in Erinnerung, dass wir als Gruppe funktionierten. Die Waffenlaufszene ist eine grosse ­Familie, wenn mir etwas fehlt, wird mir, wenn möglich, geholfen. An zivilen Laufveranstaltungen ist das nicht so, es gibt viele Egoisten, da wird mit Ellbogen gekämpft, und der Langsamste stellt sich oft zuvorderst an den Start – das gibt es im Waffenlauf nicht.

Männer tragen eine 6,2 Kilogramm schwere Packung am Rücken, Frauen 5 Kilo. Eine grosse Belastung.

Es gibt schon Momente, wo ich mich frage: «Warum tue ich mir das an?» Es ist die Begeisterung für den Sport, und zum Zweiten hole ich mir meine Kraft aus der Natur. Beim Laufen habe ich beides. Mit den Jahren hilft die Erfahrung, um die Packung zu optimieren. Ich umhülle den Gewehrlauf mit Schaumstoff und knöpfe die Jacke an die Hosen, um ein Hochrutschen zu vermeiden.

Und was sich in der Packung befindet, spielt keine Rolle?

Nein, einzig der Gewehrlauf und ein Ordonnanzrucksack sind vorgegeben. Ich lege noch einen Stein und eine Metallplatte rein, um das vorgeschriebene Gewicht zu erreichen.

Wird das Gewicht kontrolliert?

Manchmal und dann auch meistens nach den Wettkämpfen, um sicherzugehen, dass nicht gemogelt und unterwegs Ballast abgeworfen wurde. Mir ist ein Fall bekannt, als ein Läufer eine Wasserflasche im Gepäck hatte. Sie lief während des Rennens aus, und so war seine Packung am Ende zu leicht. Er wurde disqualifiziert.

Unerfahrene Läufer berichten vom Rucksack, der bei jedem Schritt auf den Rücken hämmert.

Vielleicht dann, wenn man den Laufstil eines Kängurus hat. Ich renne mehr aus den Beinen heraus, mein Oberkörper ist ruhig, weshalb das kein Problem ist.

Probleme hat hingegen die Waffenlaufszene, die weit von der Popularität der 70er- und 80er-Jahren entfernt ist.

Uns mangelt es am Nachwuchs.

Weshalb?

Die Jungen haben enorm viele Möglichkeiten, um Sport zu treiben. Und die Akzeptanz des Militärs ist nicht mehr so hoch wie zur Zeit, als ich die Rekrutenschule absolvierte. Die vielen Armee­reformen trugen ihren Teil dazu bei. Die Soldaten sind es sich auch nicht mehr im gleichen Mass gewohnt, mit schwerem Gepäck zu marschieren und zu beissen. Wenn ich daran denke, was wir in der Rekrutenschule rumgeschleppt haben – da konnten schon mal 45 Kilogramm am Rücken sein.

Viele Waffenläufe sind verschwunden, darunter der Krienser, der 2003 letztmals ausgetragen worden ist.

Ich erinnere mich an das letzte Rennen, ich nahm teil, obwohl ich verletzt war. Ich kannte viele Leute am Wegrand, ihre Unterstützung hat mich ins Ziel getragen. Die Strecke mit dem Anstieg auf den Sonnenberg gleich zu Beginn, über das Renggloch, durch den Schachenwald oder der Schlussanstieg vom Schlund ins Ziel waren anspruchsvoll.

Welches sind Ihre grössten Erfolge?

Die beiden Schweizer-Meister-Titel in der Kategorie M50 in den Jahren 2010 und 2011. Ein Sieg am Frauenfelder ist mein Ziel. Solange es meine Gesundheit erlaubt, laufe ich weiter. (ss)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.