Endlich ist's klar: FCL-Sportchef Meyer gibt Trainer Häberli eine Galgenfrist

FCL-Sportchef Remo Meyer erklärt sein aufsehenerregendes Interview zum Weckruf. Thomas Häberli coacht das Team im nächsten Spiel.

Daniel Wyrsch
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«Eine Trennung zum jetzigen Zeitpunkt stand gar nie zur Diskussion», sagt Remo Meyer. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 18. Februar 2019)

«Eine Trennung zum jetzigen Zeitpunkt stand gar nie zur Diskussion», sagt Remo Meyer. (Bild: Nadia Schärli, Luzern, 18. Februar 2019)

Endlich hat Luzern-Sportchef Remo Meyer sein Schweigen gebrochen. Fünf Tage nachdem er die sportliche Leistung unter Trainer Thomas Häberli in einem Interview scharf kritisiert hatte, hat der 39-jährige Ex-Profi gegenüber unserer Zeitung gesagt: «Wir wollen uns gemeinsam auf die nächsten Spiele fokussieren, es sind die letzten vor der Winterpause.» Das heisst mit anderen Worten, dass der 45-jährige Thomas Häberli zumindest am nächsten Samstag (19.00) im Auswärtsspiel beim FC Zürich für den FCL an der Seitenlinie stehen wird.

Häberli erhält also eine Galgenfrist. Für die derzeit auf Platz 7 stehenden Innerschweizer kommt es nach der Begegnung mit den viertrangierten Zürchern zum Aufeinandertreffen mit der Top 3 der Super League: Zuerst empfängt man die jungen St. Galler Himmelstürmer (3.), dann gehts zum Leader Young Boys nach Bern ins Stade de Suisse und zum Jahresabschluss spielt der FC Basel (2.) in der Swisspor-Arena.

Vorgabe: Mit Leistungen und Punkten überzeugen

Remo Meyer verlangt von seiner Luzerner Mannschaft, die zuletzt drei Meisterschaftsspiele hintereinander verloren hat, «dass sie im Endspurt der Vorrunde mit Leistungen und Punkten überzeugt». Diese Zielsetzung wird angesichts der Konkurrenten jedoch nicht leicht zu erfüllen sein.

Im erwähnten Interview mit dem Onlineportal Zentralplus hatte der Sportchef am Sonntag nach der 1:2-Heimpleite gegen Servette festgestellt: «In der Entwicklung der Mannschaft haben wir uns mehr erhofft. Mit den Leistungen sind wir nicht zufrieden. Wir haben noch in keinem einzigen Match während 90 Minuten überzeugt, und das zieht sich durch die ganze Saison.» Die Unruhen im Verwaltungsrat habe das Team nicht negativ beeinflusst, «denn auch schon vor Bekanntwerden des Zwistes im Aktionariat waren die Leistungen nicht befriedigend.» Meyer störte sich vor allem an den Leistungen: «Das Potenzial der Mannschaft wurde bisher nicht ausgeschöpft.»

Weckruf für das ganze Team

Am deutlichsten wurde die Unzufriedenheit von Meyer mit dem Übungsleiter, indem er dem Trainer keine Jobgarantie über die Länderspielpause hinaus gab. Die vergangenen Tage bis zum gestrigen Gespräch mit unserer Zeitung war unklar, ob Häberli gegen Zürich überhaupt noch eine Chance bekommt. Remo Meyer sieht die Situation allerdings anders, er sagt: «Eine Trennung zum jetzigen Zeitpunkt stand gar nie zur Diskussion.» Für die einen war die ­harsche Kritik an Häberli ein Rundumschlag oder gar eine Demontage, für Meyer war es «ein Weckruf für die gesamte Mannschaft».

Auf die Frage, ob er in den vergangenen Tagen von Fans Reaktionen auf das Interview bekommen habe, antwortet Meyer ohne Umschweife: 

«Für mich ist das meine Meinung und Wahrheit – und dazu stehe ich.»

Wie hat Häberli auf die öffentliche Standpauke seines Chefs reagiert? Meyer möchte darauf nicht näher eingehen. «Wir besprechen das intern.»

Keinen Kontakt mit anderen Trainern

Zur aktuellen Verbindung mit dem Trainer sagt Meyer: «Natürlich waren wir auch diese Woche – wie immer – im Austausch miteinander.» Dass der Ton untereinander rauer geworden ist, kann der Sportchef nicht verneinen. «Logisch, sehen wir beide nicht alles gleich.»

Ob Häberli sicher bis zum Ende der Vorrunde im Amt bleibe, lautet die nächste Frage. Meyer antwortet: «Häbi hat einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020.» Erfüllt der Ballwiler diesen? «Davon gehe ich immer aus. Sonst würde eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn mehr machen.»

Sportchef Remo Meyer betont, dass er, seit Thomas Häberli FCL-Coach ist, nie mit einem anderen Trainer Kontakt hatte.