ENGADIN SKIMARATHON: Kunstturnerin schlägt Marathonläufer

Sie hat erst in diesem Winter mit Langlauf begonnen. Das hindert Ariella Kaeslin aber nicht daran, einen prominenten Ausdauersportler zu schlagen.

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Macht auch im Langlauf-Dress eine gute Figur: Ariella Kaeslin läuft auf Platz 124. (Bild: Alphafoto.com)

Macht auch im Langlauf-Dress eine gute Figur: Ariella Kaeslin läuft auf Platz 124. (Bild: Alphafoto.com)

Kari Kälin, S-chanf

Man kann am Engadin Skimarathon schon die eine oder andere Pirouette drehen. Oder einen Purzelbaum schlagen. Ariella Kaeslin (27) wäre gerade dazu prädestiniert, eine spektakuläre Einlage einzustreuen. Die Europameisterin und Vize-Weltmeisterin am Sprungpferd meisterte gestern die 42 Kilometer von Maloja nach S-chanf aber ohne kunstturnerische Elemente. Und das ist ein gutes Zeichen. Denn freiwillig fabriziert an diesem Breitensportanlass niemand Saltos und dergleichen. Sie sind des Ergebnis des Dichtestresses, der auf der Loipe herrscht.

Ihre Kollegen hatten Ariella Kaeslin vor solchen Zwischenfällen gewarnt. Da werde rabiat drauflosgestöckelt, eingehängt, eingefädelt, der Weg versperrt und so weiter. Das Rennen verlief für die ehemalige Kunstturnerin indes reibungslos. Zwei kleinere Stürze und ein bisschen Warten beim Aufstieg zur Schanze in St. Moritz konnte die frühere Kunstturnerin locker verkraften. «Die Läufer haben sich sehr rücksichtsvoll verhalten», sagt Kaeslin.

Vorbereitung für Triathlon

Nach 2 Stunden und 12 Minuten lief Kaeslin als 124. (von 2062 klassierten Frauen im Marathon) im Ziel ein und wusste nicht so recht: War ich schnell? Bin ich gut rangiert? Die Antwort lautet: ja. Kaeslin behielt zudem in einem Prestigeduell der zurückgetretenen Profisportler die Oberhand: Sie distanzierte Viktor Röthlin um fast achteinhalb Minuten. Filigrane Kunstturnerin schlägt drahtigen Marathonläufer.

Kaeslins Leistung bei schönstem Langlaufwetter und einer bestens präparierten Loipe ist umso erstaunlicher, als sie bis zu diesem Winter noch nie in ihrem Leben Langlaufski angeschnallt hatte. Die polysportive Luzernerin, die im Sommer die Erwachsenenmatura abschliessen möchte, beschloss, als Vorbereitung auf den Iron-Man-Triathlon in Rapperswil vom 7. Juni wöchentlich mehrmals über den Schnee zu gleiten. Sie fand so viel Gefallen an diesem Sport, dass sie bereits vom Wettkampffieber erfasst wurde.

Bei Aufstieg auf Zähne gebissen

Am Engadiner lief Kaeslin gestern nicht nur schnell, sondern auch taktisch klug. Sie hielt Ausschau nach starken, stilistisch gut laufenden Männern und heftete sich an deren Fersen. Damit erwischte Kaeslin quasi den Schnellzug nach S-chanf. Nur auf den letzten fünf Kilometern, auf denen noch einige Anstiege zu meistern sind, musste Kaeslin auf die Zähne beissen.

Für die 27-Jährige ist klar: Sie will auch im nächsten Jahr am Engadiner teilnehmen. Von den Strapazen hat sie sich übrigens schnell erholt. Eine halbe Stunde nach dem Zieleinlauf sagte sie: «Jetzt könnte ich noch joggen gehen.»

Der Autor dieses Artikels beendete den Engadiner in 1:53:10 Stunden auf dem 416. Rang.

Bewährtes Konzept: Bereits zum zweiten Mal starten die Marathon-Teilnehmer aus Start-Boxen und sorgen so für einen Start ohne Gedränge. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)
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Mit 13'331 Teilnehmern wurde das drittbeste Melde-Ergebnis der Geschichte erreicht. Einzig 1998 und vor einem Jahr nahmen noch mehr Läufer die Marathonstrecke unter die Ski. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Macht auch im Langlauf-Dress eine gute Figur: Die Luzernerin Ariella Kaeslin läuft auf Platz 124. (Bild: Alphafoto.com)
Anstehen beim steilen Aufstieg zur Olympia-Sprungschanze in St. Moritz. (Bild: Keystone / Anthony Anex)
Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Nach dem Passage über den See geht es ein erstes Mal den Berg hoch. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Tückische Abfahrt: Manch ein Teilnehmer kann die heikle Abfahrt aus dem Statzerwald nicht ohne Sturz meistern. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Drei Sturzpiloten bei der Abfahrt im Statzerwald. (Bild: Keystone / Anthony Anex)
Auch sie küsst den Schnee. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Auf dem Hintern gleiten geht ringer. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Dieses Kostüm hilft gegen die Kälte. (Bild: Keystone / Anthony Anex)
Auch in der Abfahrt ist die richtige Technik gefragt. (Bild: Keystone / Anthony Anex)
Ganz ganz langsam nehmen die Sportler die Abfahrt im Statzerwald in Angriff. (Bild: Keystone / Anthony Anex)
Endlich kommt die Abfahrt. (Bild: Keystone / Anthony Anex)
Einer nach dem Anderen: Bei einer heiklen Passage wagen sich die Läufer nur einzeln auf die 'glasige' Abfahrt bei Pontresina. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Absolute Spitzenzeiten lagen bei der 47. Ausgabe des Engadin Skimarathons wegen des starken Gegenwinds trotz ansonsten perfekten Bedingungen nicht drin. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)
Die Athleten jagen bei Maloja über die weisse Fläche des gefrorenen Silsersees. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Flugaufnahme des langgezogenen Läuferfeldes auf der Marathon-Strecke zwischen Maloja und St. Moritz. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)
Der Kreativitaet sind keine Grenzen gesetzt. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Wer hat die pefekte Technik? (Bild: Keystone / Anthony Anex)
Flugaufnahme von der 'Marathon-Schlange' auf dem gefrorenen Silsersee nahe dem Dorf Sils im Oberengadin. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)
Auch diese Maus darf auf die Marathonstrecke. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
42 Kilometer in den Beinen, aber glücklich im Ziel in S-Chanf. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)
Ein 'Original' im Ziel. Jeder Teilnehmer erhält eine Erinnerungsmedaille. (Bild: Swiss-Image / Andy Mettler)
Die Schnellsten bei den Herren: 1. Ilia Chernousov (Russland, mitte) , 2. Robin Duvillard (Frankreich, links) und 3. Roman Furger aus dem Kanton Uri. Die Siegerzeit: 1:34:50,1. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)
Die Schnellsten bei den Frauen: 1. Anouk Faivre Picon (Frankreich, mitte), 2. Riitta-Liisa Roponen (Finnland, links) und 3. Caitlin Gregg (USA). Die Siegerzeit: 1:39,35,3. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)

Bewährtes Konzept: Bereits zum zweiten Mal starten die Marathon-Teilnehmer aus Start-Boxen und sorgen so für einen Start ohne Gedränge. (Bild: Swiss-Image / Michael Buholzer)