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Entfesselte Schweizer Handballer sind auf EM-Kurs

Die Schweizer begeistern in der ausverkauften Halle in Schaffhausen und fertigen Belgien mit 36:22 ab. Damit kommen sie am 12. Juni in der EM-Qualifikation zum ersten Matchball – in der Zuger Bossard Arena gegen Kroatien.
Stephan Santschi, Schaffhausen
Nicolas Raemy im Abschluss gegen Belgiens Torhüter Jef Lettens. (Bild Christian Merz/Keystone (Schaffhausen, 14. April 2019))

Nicolas Raemy im Abschluss gegen Belgiens Torhüter Jef Lettens. (Bild Christian Merz/Keystone (Schaffhausen, 14. April 2019))

Etwas Chaos in den Schweizer Auftritt kam erst nach der Partie, als kleine Autogrammjäger über den Platz wuselten und die Spieler wie Fussball-Stars umschwärmten. Sie sind wieder populär, die Schweizer Handballer, das war gestern in der erstmals bei einem Länderspiel ausverkauften BBC Arena in Schaffhausen spürbar. «Die Stimmung war fantastisch», schwärmte Nationaltrainer Michael Suter. «Wir haben uns vom Publikum inspirieren lassen», erklärte Flügelspieler Marvin Lier. Kurz gesagt: Es kam zur perfekten Symbiose zwischen den Emotionen der 3500 Zuschauer und der Leistung der Spieler – die Schweiz siegte am Ende gegen Belgien diskussionslos mit 36:22.

Damit haben sie die Belgier innert vier Tagen zum zweiten Mal bezwungen und die Pflicht im Kampf um eine Teilnahme an der EM 2020 erfüllt. Im Gegensatz zum 28:25-Sieg in Leuven kam es in der gestrigen Reprise zu keinem vorübergehenden Bruch im Schweizer Spiel. Lediglich die Startphase war umstritten gewesen, 7:7 stand es nach 16 Minuten, ehe Suter ein Time-out nahm und die erfolgbringenden Anpassungen vornahm.

Nicolas Raemy begeistert mit Zauberpass

Die Abwehr wechselte kurzzeitig in ein 5:1-System und im Angriff wurde nun konsequent der Goalie durch einen siebten Feldspieler ersetzt. Die Schweiz, die bis zu diesem Zeitpunkt praktisch nur von den Offensivaktionen seines Ausnahmekönners Andy Schmid gelebt hatte, trat nun homogener auf, verteilte die Verantwortung auf mehrere Schultern und vermochte die Fans von Minute zu Minute mehr zu begeistern. Extraklasse war beispielsweise der Zauberpass von Nicolas Raemy hinter seinem Rücken an den Flügel, sehenswert waren auch die Kreisanspiele zu Alen Milosevic. In der 25. Minute führten die Gastgeber bereits mit 13:8, zur Pause mit 16:11. «Jetzt sind wir im Spiel», sagte Lier im Halbzeitinterview, kurz davor war erstmals die La-Ola-Welle durchs weite Rund geschwappt.

Marvin Lier bester Torschütze

Zufriedene Schweizer nach dem überzeugenden Sieg über Belgien. (Bild: Christian Merz/Keystone (Schaffhausen, 14. April 2019))

Zufriedene Schweizer nach dem überzeugenden Sieg über Belgien. (Bild: Christian Merz/Keystone (Schaffhausen, 14. April 2019))

Nach dem Seitenwechsel setzte die SHV-Auswahl ihrem Auftritt dann das «Sahnehäubchen» auf, wie Suter später anmerken sollte. Schmid wurde vorübergehend zwar in Manndeckung genommen, doch kein Problem: Für den Stadtluzerner sprang nun halt der Buchrainer Raemy in die Bresche. Furchtlos übernahm er die Spielmacherrolle und setzte seine Teamkollegen derart effektiv in Szene, dass die Belgier nach 40 Minuten und beim Stand von 26:16 die persönliche Bewachung von Schmid bereits wieder auflösten. Zu ganz grosser Form liefen auch der Aargauer Marvin Lier am linken Flügel (neun Tore) und der Berner Nikola Portner (12 Paraden) im Tor auf. «Wir wollen grösser werden und hoffen, es den Schweizern schwer zu machen», hatte Belgiens Trainer Arnaud Calbry vor der Begegnung noch gesagt. Seine Auswahl war an diesem Nachmittag gegen entfesselte Schweizer aber absolut chancenlos. Nicolas Raemy hielt fest:

«Wir finden eine gute Mischung aus Spass und Arbeit. Es macht Freude, miteinander Handball zu spielen.»

Die Schweizer Protagonisten ordneten die Situation trotz der Euphorie aber auch nüchtern ein. «Qualifiziert», so wusste Raemy, «sind wir noch nicht.» Den dritten Rang in der Gruppe zwei haben sie jetzt zwar auf sicher, doch nur die Hälfte der Gruppendritten wird an der Endrunde in Österreich, Norwegen und Schweden dabei sein. Für die sichere Teilnahme ist mindestens Platz zwei nötig und den kann sich
die Schweiz in den beiden abschliessenden Spielen im Juni
sichern.

Schmid vor Kroatien-Spiel: «Nichts ist unmöglich»

Den ersten Matchball für die erstmalige EM-Qualifikation seit 2006 hat die Schweiz am 12. Juni in der Zuger Bossard Arena gegen Favorit Kroatien. Auch vor diesem Weltklasseteam werden sich die Schweizer nicht verstecken. Oder wie sagte gestern Andy Schmid noch vor seinem Abstecher ins SRF-«Sportpanorama»: «Nichts ist unmöglich.»

Schweiz – Belgien 36:22 (16:11)

BBC-Arena, Schaffhausen. – 3500 Zuschauer (ausverkauft). – SR Opava/Valek (CZE). – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 5-mal 2 Minuten gegen Belgien.

Schweiz: Portner (12 Paraden)/Bringolf (für 1 Penalty und ab 52./1 Parade); Schmid (8/1), Meister (3), Rubin, Tynowski (3), Svajlen, Lier (9/2), Sidorowicz (2), Raemy (2), Röthlisberger, Küttel, Maros (2), Gerbl (3), Zehnder (2), Milosevic (2).

Belgien: Lettens (9 Paraden)/Plessers; Ooms, Thomas Bolaers, Meulders (1), Robyns, Marchal (1), Danse (1), Cadel (1), Damian Kedziora (3/1), Bartosz Kedziora (8), Vancosen (1), Nathan Bolaers (2), D’Hanis, Qerimi (1), De Beule (3).

Bemerkungen: Schweiz ohne Delhees, Tominec, Markovic, Vernier (verletzt), Von Deschwanden, Winkler, Schelker und Novak (überzählig). D. Kedziora schiesst Penalty an den Pfosten (41./26:16). Lettens hält Penalty von Schmid (53./33:19).

Kroatien - Serbien 27:23 (17:11).

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