Entlassungen
Trainer-Beben bei Chelsea und Leipzig: Tuchel und Tedesco entlassen

2021 gewann Thomas Tuchel mit Chelsea die Champions League. Nun muss er den Verein überraschend verlassen. Letzte Saison gelang Domenico Tedesco mit Leipzig in der Europa League der Einzug in den Halbfinal, nun muss auch er weichen.

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Entlassung 1: Thomas Tuchel muss Chelsea verlassen.

Entlassung 1: Thomas Tuchel muss Chelsea verlassen.

Andrew Yates / EPA

Der FC Chelsea hat völlig überraschend seinen deutschen Teammanager Thomas Tuchel entlassen. Das teilte der Premier-League-Klub einen Tag nach dem 0:1 zum Champions-League-Start bei Dinamo Zagreb mit. Tuchel, 49, hatte die Champions League mit Chelsea 2021 gewonnen und wurde danach von der Fifa als Welttrainer des Jahres ausgezeichnet.

«Thomas wird zu Recht einen Platz in der Chelsea-Historie einnehmen, er hat die Champions League, den europäischen Supercup und die Klub-WM gewonnen», schrieb der Verein in einer kurzen Pressemitteilung. «Die neuen Besitzer nähern sich 100 Tagen im Amt und glauben, dass es nun an der Zeit für einen Wechsel ist.»

Eine Investorengruppe um den US-Milliardär Todd Boehly hatte Chelsea Ende Mai übernommen. Der langjährige Besitzer Roman Abramowitsch hatte den Klub im Zuge von Sanktionen gegen russische Oligarchen verkaufen müssen. Ein Nachfolger Tuchels, der seit Januar 2021 im Amt war, soll in Kürze präsentiert werden.

In der Meisterschaft ist Chelsea mit drei Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen nicht grossartig gestartet - aber auch nicht so schlecht, dass man eine Entlassung Tuchels hätte sehen kommen.

Leipzig opfert Tedesco nach Horror-Start

Entlassung 2: Domenico Tedesco muss Leipzig verlassen.

Entlassung 2: Domenico Tedesco muss Leipzig verlassen.

Filip Singer / EPA

Anders ist das in Leipzig. Dort ist die Entlassung von Domenico Tedesco das Ergebnis von wochenlangen Diskussionen und Debatten rund um den Trainer. Wobei dieser freilich einfach das schwächste Glied des Vereins ist. Nur 109 Tage ist es her, seit Tedesco mit Leipzig den DFB-Pokal gewonnen hat.

Doch in der neuen Saison funktioniert bis anhin wenig. Fünf Punkte aus fünf Spielen, das ist die triste Bilanz zum Start in der Bundesliga. Und nun folgte in der Champions League gar ein ziemlich peinlicher Auftritt. 1:4 verloren die Leipziger gegen Schachtar Donezk. Danach war Tedescos Aus besiegelt.

Wird Ex-Gladbach und Ex-BVB-Trainer Marco Rose neuer Trainer?

Einen Nachfolger will der Club zeitnah präsentieren, doch die Lösung ist längst ein offenes Geheimnis. Marco Rose ist Leipziger, vertragslos, bereit und ohnehin tief drin im RB-Kosmos. Er hätte als Leipziger wohl auch mehr Kredit als Tedesco, dem der Pokalsieg, das Halbfinale in der Europa League und die beste Bundesliga-Rückrunde letztlich nichts einbrachten. Finanziell ist für Tedesco zudem die ausgeschlagene Vertragsverlängerung im Sommer bitter.

Was es bei Rose ad hoc interessant macht, ist der Vertragsbeginn. Schliesslich trifft das aktuell arg neben sich stehende Team am Samstag auf Dortmund (Roses Ex-Club I), muss dann zu Real Madrid und schliesslich nach Mönchengladbach (Roses Ex-Club II). Entweder man geht all in oder sucht bis zur nach dem Gladbach-Spiel beginnenden Länderspiel-Pause eine Interimslösung. Dann würde Rose mit einem Heimspiel gegen Bochum starten - und hätte vielleicht schon ein paar Probleme gelöst.

Denn der für Leipziger Verhältnisse ungewöhnlich hohe Verschleiss von zwei Trainern in nicht mal einem Jahr zeigt, dass die Fehlersuche im Club tiefer gehen muss. Wenn man so will, ist Tedescos Freistellung der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, die mit dem Abgang von Architekt Ralf Rangnick im Sommer 2019 begann. Für eine gewisse Zeit und dank des hochbegabten Trainers Julian Nagelsmann konnte die Klubführung den entstandenen Schaden kaschieren. Mit dem Pokalsieg wähnte man sich als kommender Titelsammler und Bayern-Jäger.

Kommt auch noch Max Eberl als neuer Leipzig-Sportchef?

Doch schon die zur Lächerlichkeit geratene Suche nach einem neuen Sportdirektor offenbarte einen massiven Substanzverlust auf diversen Ebenen. Mehr als ein Jahr sucht Mintzlaff nun schon einen Nachfolger für Markus Krösche, immer wieder vermasselte er selbst gesetzte Deadlines. Immerhin steht der Clubboss nun kurz vor der Verpflichtung von Max Eberl als Sportchef. Was gewiss angenehm ist, kennt der doch den designierten neuen Coach Rose bereits aus Gladbacher Zeiten.