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Kommentar

Entscheid ist Entscheid: Darum ist es irrelevant, ob Stuckis Sieg im Schlussgang regelkonform war

War Christian Stuckis Sieg am Eidgenössischen regelkonform? Eine Analyse von Redaktor Jonas von Flüe zum Umgang mit Kampfrichterentscheiden im Schwingen.
Jonas von Flüe
Jonas von Flüe

Jonas von Flüe

Pfeifen ist im Schwingsport verpönt. Wer als Zuschauer einen Kampfrichterentscheid lautstark hinterfragt oder kritisiert, wird vom Sitznachbaren sofort zurechtgewiesen. Oder gar vom Speaker persönlich. Ebenso ungern gesehen werden reklamierende oder diskutierende Schwinger. Fällen die drei Kampfrichter einen Entscheid, gilt es diesen zu akzeptieren. Denn Diskussionen sorgen erstens für böses Blut und sind zweitens eh sinnlos.

Entscheide werden nicht revidiert, also gibt es keinen Grund für Diskussionen. Das ist am Buebeschwinget genauso wie an einem Eidgenössischen. Dieser Verhaltenskodex wird bereits Jungschwingern eingeimpft.

Aber auch dieses ungeschriebene Gesetz kann den Schwingsport nicht vor Diskussionen schützen. Erst recht nicht an einem Eidgenössischen, wenn gefühlt das halbe Land in der Arena oder zumindest zu Hause vor dem Fernseher sitzt. Dank der stundenlangen Live-Berichterstattung im Schweizer Fernsehen wurde übers Wochenende jeder Laie zu einem Experten, auch weil namhafte Experten wie die Schwingerkönige Matthias Sempach, Jörg Abderhalden oder Adrian Käser die Spitzenpaarungen professionell und verständlich analysierten.

Die Fernsehbilder liefern zudem Aufnahmen in Zeitlupe, in immer besserer Qualität, welche die Zuschauer in der Arena und erst recht die Kampfrichter nicht einsehen können. «Ein Kampfrichter muss immer im Moment entscheiden. Uns stehen weder Zeitlupe noch verschiedene Kamerawinkel zur Verfügung. Es geht alles sehr schnell», erklärte der Schwyzer Kampfrichter Philipp Suter letzte Woche in unserer Zeitung.

Im wichtigsten Kampf des Tages, ja des Jahres, im Schlussgang zwischen Christian Stucki und Joel Wicki, sahen die Zuschauer am Fernsehen in Nahaufnahme, wie der Berner Hüne einen Angriff lancierte, wie der Luzerner Überflieger mit dem Rücken im Sägemehl aufschlug und der Sieger jubelnd abdrehte.

Aber war da nicht was? Erst in der Zeitlupe wird ersichtlich, dass Wicki womöglich gar nicht mit beiden Schulterblättern oder mit zwei Dritteln des Rückens im Sägemehl lag, wie es das Reglement für ein gültiges Resultat vorschreibt:

Ein Fehlentscheid? Ein Diskussionspunkt? Gar ein Anlass für ein Pfeifkonzert? Mitnichten! Ein eindeutiges Urteil ist auch nach mehrmaliger Betrachtung der Fernsehbilder nicht zu fällen. Und wenn auch: Ob Fehlentscheid oder nicht ist irrelevant. An jedem Schwingfest, in jedem Gang werden Entscheide gefällt, die man hinterfragen könnte, die aber von den Schwingern nicht hinterfragt werden. Entscheid ist Entscheid. Auch bei der Notengebung.

Der Kampfrichter auf dem Platz sollte zwei Drittel des Platzes abdecken, diejenigen am Tisch sind für den Drittel vor ihren Augen verantwortlich. Es leuchtet ein, dass das Trio nicht alles sehen kann. Erst recht nicht, wenn ein rund 140 Kilogramm schwerer und 198 Zentimeter grosser Stucki zum Angriff ansetzt.

Und wie reagieren die Beteiligten? Wie reagiert Joel Wicki, der angeblich Benachteiligte? Wie ein grosser Sportler gratuliert er dem Schwingerkönig zum Sieg, er gönne «Chrigu» den Erfolg und sei stolz auf seine eigene Leistung. Auch die anderen Innerschweizer Schwinger hätten den Entscheid nicht hinterfragt, sagt deren Präsident Peter Achermann. Die Diskussionen werden anderswo geführt, in den Kommentarspalten oder den Wohnstuben, in die das Schwingen dank der TV-Präsenz immer weiter vorgedrungen ist. Der Schwingsport will seine Urtümlichkeit, seine Traditionen bewahren. Das gelingt bisweilen hervorragend. Gegen gewisse Unsitten sind aber selbst die Stärksten machtlos.

Packender Schlussgang zwischen Christian Stucki und Joel Wicki.(Bild: swiss-image.ch/Photo/Andy Mettler)

Packender Schlussgang zwischen Christian Stucki und Joel Wicki.
(Bild: swiss-image.ch/Photo/Andy Mettler)

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