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Episoden für die Ewigkeit

Seit seinem ersten Sieg am Lauberhorn im Jahr 2012 ist im Leben von Beat Feuz (31) vieles passiert. Schönes und Tragisches – ein Rückblick.
Martin Probst, Wengen
Beat Feuz fühlt sich wohl in seinem Körper und in Wengen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (16. Januar 2019))

Beat Feuz fühlt sich wohl in seinem Körper und in Wengen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (16. Januar 2019))

In Wengen scheint die Zeit stillzustehen. So manches Hotel erinnert noch heute an vergangene Zeiten. So manches ist, wie es immer war. Bei Beat Feuz ist nichts mehr so wie 2012, als er die Abfahrt am Lauberhorn in Wengen zum ersten Mal gewann. Ein Rückblick auf ein bewegtes Skifahrerleben.

14. Januar 2012: Beat Feuz gewinnt die Abfahrt in Wengen

«Das ist wohl etwas vom Schönsten, das man als Skifahrer erleben kann. Vielleicht kann man sagen, dass ich momentan auf Wolke sieben schwebe.»

Es ist nicht so, dass die Skikarriere von Feuz bis zu diesem Zeitpunkt «normal» verlaufen wäre. Schon damals hatte er zwei Saisons mit Knieverletzungen verpasst. Zwischen Dezember 2006, als er sein Début im Weltcup gab, und Oktober 2009 bestritt Beat Feuz gerade einmal zwei Rennen.

Erstmals in die Top 10 stiess Feuz im Januar 2011 vor, den ersten Podestplatz und sogleich einen Sieg realisierte er im März 2011 in Kvitfjell. Bis zu seinem Abfahrtstriumph am Lauberhorn stand Beat Feuz insgesamt siebenmal auf dem Podest.

18. März 2012: Feuz verpasst den Sieg im Gesamtweltcup knapp.

«Ich bin beinahe von jeder Weltcupstation, wo ein Speedrennen stattgefunden hat, mit einem Podestplatz nach Hause gereist. Wenn das nicht reichte, dann war der andere ganz einfach besser.»

Mickrige 25 Punkte ist Marcel Hirscher am Ende der Saison besser als Feuz, der in der Saison 2011/12 13-mal auf das Podest fährt, davon viermal als Sieger. Den Weltcupfinal in Schladming bestreitet er trotz starker Schmerzen im Knie.

14. Oktober 2012: Feuz plant nach einer Knie-OP das Comeback.

«Rein körperlich betrachtet war es bestimmt nicht gesund. Aber wenn man die Chance hat, den Gesamtweltcup zu gewinnen, muss man die Schmerzen in Kauf nehmen. Es war ja nicht so, dass es lebensgefährlich war. Ich würde es darum wieder so tun.»

Das Comeback nach zwei Eingriffen am Knie scheitert, weil sich das Gelenk entzündet. Feuz verpasst die ganze Saison und muss um die Fortsetzung seiner Karriere fürchten. Die Ärzte ziehen sogar eine Amputation in Betracht. Doch der Berner beweist einmal mehr seinen grossen Willen, zurückzukehren. Trotz Schmerzen.

6. Dezember 2013: Feuz fährt in Beaver Creek auf Rang sechs.

«Vor einem Jahr durchlebte ich die schlimmste Zeit in meinem Leben. Viele haben mir die Rückkehr nicht zugetraut, und manchmal nicht einmal ich mir selbst. Das hier fühlt sich schöner an als ein Sieg. Wow, was für ein Gefühl!»

Bereits im dritten Rennen nach seinem Comeback stösst Beat Feuz wieder in die Top 10 vor. Er wertet diesen Erfolg höher als fast alles in seiner bisherigen Karriere. Einzig den Sieg in der Abfahrt am Lauberhorn gewichtet Feuz noch höher.

5. Dezember 2014: Feuz fährt in Beaver Creek auf Rang zwei.

«Unglaublich, ich weiss nicht, was ich sagen soll. Zweieinhalb Jahre lang ist mir nichts leichtgefallen, gar nichts. Dieses Resultat ist für mich die Bestätigung, dass ich nicht umsonst gekämpft habe.»

Im gleichen Winter belegt Beat Feuz in Wengen in der Abfahrt Rang zwei. Im Februar 2015 an der WM in Beaver Creek gehören die grossen Schlagzeilen Patrick Küng, der Weltmeister in der Abfahrt wird. Doch auch Feuz überzeugt und gewinnt Bronze. Seine Freundin Katrin Triendl, die als gelernte Physiotherapeutin auch sein Knie behandelt, sagt im Ziel: «Jetzt kann man endgültig sagen, dass sich die ganze Quälerei gelohnt hat.»

23. Januar 2016: Feuz fährt in Kitzbühel auf Rang zwei.

«Ich kann das alles gar nicht realisieren. Rang zwei! Ich hätte für viel weniger unterschrieben: für die Top 15 vielleicht.»

Nachdem sich Beat Feuz im Sommer einen Teilabriss der Achillessehne zugezogen hat, kehrt er bereits in Wengen in den Weltcup zurück – ohne zuvor auch nur einmal auf Abfahrtski gestanden zu sein. Rang elf wertet er dann auch als Sensation. Eine Woche später in Kitzbühel steht er bereits wieder auf dem Podest.

2. Dezember 2016: Feuz startet erst in Val d’Isère in die Saison.

«Ich bin nicht ganz normal, das weiss man ja mittlerweile. Ich habe Verletzungen und Krankheiten, die sonst niemand hat. Ich gehe schon gar nicht mehr davon aus, dass alles optimal läuft.»

Nach dem Flug in die USA spürt Beat Feuz seine rechte Gesichtshälfte nicht mehr. Die Lähmung, wohl zurückzuführen auf einen eingeklemmten Gesichtsnerv, behindert ihn fast zwei Wochen lang, wodurch er in Nordamerika keine Rennen bestreiten kann. Erst als er nach Europa zurückkehrt, startet er in die Saison. In Kitzbühel stürzt er in der Abfahrt mit deutlicher Bestzeit in der Zieltraverse, er bleibt aber glücklicherweise unverletzt.

12. Februar 2017: Feuz wird in St. Moritz Abfahrtsweltmeister.

«Ich war schon immer stark im Kopf. Vieles auf dem Weg zurück an die Spitze war Kopfsache. Mein Kopf ist einer der stärksten Körperteile von mir.»

Der Druck ist riesig. Beat Feuz startet als Topfavorit zur WM-Abfahrt und gewinnt. Es ist die Krönung seines Weges. Fünf Jahre zuvor schon fast zum Sportinvaliden geworden, steht er nun ganz oben. In der folgenden Saison wird er endgültig zum besten Abfahrer der Gegenwart.

13. Januar 2018: Feuz gewinnt zum zweiten Mal in Wengen.

«Es ist schon wahnsinnig schön, das noch einmal zu erleben. Es ist gerade ganz ähnlich wie 2012, ich fühle mich fit, ich bin fit.»

Natürlich, sein Knie wird nie mehr so sein wie vor dem folgenschweren Infekt 2012. Doch Beat Feuz hat sich arrangiert, er hat einen Weg gefunden, der ihm sogar wieder erlaubt, eine ganze Saison lang in der Abfahrt zu überzeugen, obwohl er jahrelang betonte: «Mein Knie lässt nicht mehr in jedem Rennen Topleistungen zu. Aber immer, wenn es wichtig ist.»

14. März 2018: Feuz gewinnt die Kristallkugel in der Abfahrt.

«Ich habe eine Kugel und zwei Olympiamedaillen gewonnen. Dazu kommt der Sieg in Wengen. Viel mehr kann ich mir definitiv nicht erträumen. Mein Gold aber bekomme ich im Juni.»

Beat Feuz blickt auf den erfolgreichsten Winter seit 2012 zurück. Insgesamt achtmal steht er auf dem Weltcuppodest, davon dreimal als Sieger. Er gewinnt in Südkorea die Bronzemedaille in der Abfahrt und Silber im Super-G. Ende Saison triumphiert er in der Disziplinenwertung der Abfahrt. Doch am meisten freut er sich auf die Geburt seiner Tochter Ende Juni.

Nun ist Beat Feuz erneut zurück in Wengen. Am Samstag (12.30 Uhr) steigt der 31-jährige Schangnauer als Topfavorit in die legendäre Lauberhorn-Abfahrt. Er ist bereit für eine nächste Episode für die Ewigkeit.

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