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Erste Zwischenbilanz nach Einführung des Videobeweis in der Super League: 15 Korrekturen und ein grober Bock

Die Einführung des Videobeweises in der Super League hat sich mehr als bewährt, wie eine Zwischenbilanz nach zehn Runden aufzeigt.
Markus Brütsch
Alles im Griff: Die Crew der Videoassistenten leistet von Volketswil aus gute Arbeit (Bild: Keystone/Ennio Leanza).

Alles im Griff: Die Crew der Videoassistenten leistet von Volketswil aus gute Arbeit (Bild: Keystone/Ennio Leanza).

Eine Katastrophe! Ihr werdet sehen, das gibt eine Katastrophe! So sprachen die einen. Wie soll das funktionieren mit nur sechs Kameras, wenn in der Bundesliga mit 25 alles schief läuft? So fragten die anderen.
Ja, an Skepsis, um nicht zu sagen an Defaitismus, hatte es Mitte Juli beim Start in die neue Super-League-Saison nicht gefehlt. Als die Schweiz Ländern wie Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal folgte und den Video Assistent Referee (VAR) einführte. Auch die Engländer legten in der Premier League damit los.

Nur mit sechs Kameras und ohne kalibrierte Linien

Natürlich war in der Schweiz niemandem entgangen, was zuvor in der Bundesliga los gewesen war und wie Kritiker den Tod des Fussballspiels prognostiziert hatten. So war es durchaus verständlich, dass die Schweizer Protagonisten um Gesamtprojektleiter Reto Häuselmann und der für die Schiedsrichter zuständige Hellmut Krug vor dem Saisonstart etwas nervös waren. Zumal es in der Super League neben der geringeren Anzahl an Kameras auch keine kalibrierten Linien und Torlinienkameras gibt.

Doch die Premiere sollte optimal verlaufen. Gleich im ersten Spiel zwischen dem FC Sion und dem FC Basel konnte der Wert des VAR eindrücklich demonstriert werden. Nachdem der Basler Goalie Omlin einen Ball weggefaustet und erst danach den Sittener Ndoye getroffen hatte, zeigte Schiedsrichter Schärer auf den Penaltypunkt. VAR Klossner aber intervenierte, der Spielleiter zeichnete das mittlerweile berühmte Rechteck in die Luft, schaute sich die Szene am Spielfeldrand noch einmal an – und revidierte zu Recht seinen Entscheid: kein Penalty.

47 Prozent der Checks betrafen eine Torentscheidung

Drei Monate nach dieser gelungenen Premiere zog die Swiss Football League an ihrem neuen Sitz im Bahnhofsviertel von Bern nun eine erste Zwischenbilanz. Und es war den Gesichtern der Herren Häuselmann und Krug durchaus anzusehen, dass sie wussten, dass es keine Kritik hageln würde. Sie durften denn auch mitteilen, dass die eingesetzte Technik stabil sei und sich Konzeption und Infrastruktur bewährt hätten. Und sie konnten ganz entspannt die Fakten und Zahlen nach den ersten zehn Runden in der Super League kommentieren.

In den bisher 50 Spielen dieser Saison wurden total 314 Checks vorgenommen; rund sechs pro Partie. Aber aufgepasst: In die Reviewphase, in der eine dem Schiedsrichter entgangene oder von ihm eindeutig falsch beurteilte Szene in kürzester Zeit aufgearbeitet wird, schafften es lediglich 18 dieser Checks. 47 Prozent betrafen eine Torentscheidung, in 30 Prozent der Fälle ging es um einen Penalty und in 23 Prozent um eine rote Karte.

Der frühere deutsche Spitzenschiedsrichter Krug betonte, dass die VAR ganz bewusst zur Zurückhaltung angehalten worden seien. «Wir wollen das Spiel ja nicht stören, sondern nur klare und offensichtliche Fehlentscheidungen korrigieren.» Das sei in 15 der 18 VAR-Interventionen gelungen. Von den übrigen drei Eingriffen seien zwei ohne negative Konsequenzen geblieben, sodass unter dem Strich lediglich das grobe Foul des Baslers Bua am FCZ-ler Sohm als klarer Fauxpas eines VAR übrig blieb. «Dieser beurteilte Buas Aktion, der eine klare rote Karte hätte folgen müssen, zunächst falsch, und erst, als die Partie schon wieder lief, wurde er sich seiner Fehlleistung bewusst und erschrak», berichtet Krug.

Keine Frage, noch selten, vielleicht sogar noch nie, standen die Schiedsrichter in der Super League so wenig in der Kritik wie in diesen Wochen und Monaten. Daniel Wermelinger, Chef des Ressorts Spitzenschiedsrichter, spricht davon, dass die Referees inzwischen begeistert vom VAR seien. Man müsse aber demütig bleiben und sich kontinuierlich verbessern. Häuselmann sieht zum Beispiel noch Potenzial bei der Kommunikation in die Stadien, um die Zuschauer klarer darüber zu informieren, was der VAR tut und weshalb er so entscheidet.

Österreich zieht nach, und in Deutschland gibt es Abbitte

Interessant ist auch ein Blick über die Grenze in die Nachbarländer. In Österreich, wo der VAR noch nicht eingeführt worden ist, verging kaum ein Wochenende, an dem nicht Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Experten händeringend nach diesem schrien. Gestern nun gab Verbandspräsident Leo Windtner bekannt, dass der VAR in der Bundesliga ab März 2021, also im Verlaufe der nächsten Saison, mit Beginn der Playoffs zum Einsatz komme. Die Schiedsrichter seien es gewesen, die auf ihn zugekommen seien und ihn darum gebeten hätten, den VAR so schnell wie möglich einzuführen.

Überaus spannend ist auch, was sich in Deutschland tut. Eingeführt schon 2017, hatte es während langer Zeit grosse Probleme und ein Riesenchaos gegeben. «Es lief alles schief, was schieflaufen konnte», erinnert sich Krug, damals noch ins Projekt der Bundesliga involviert. «Die Technik funktionierte nicht und der VAR griff zu oft oder zu selten ein.» Viele Stimmen forderten seine sofortige Abschaffung. Das Fachblatt «Kicker» war von Anfang an skeptisch gewesen und schrieb bald einmal: «Übung abbrechen!»
Am Anfang dieser Woche veröffentlichte das Blatt dann eine Tabelle mit der Benotung der Schiedsrichter. Und siehe da: In der 1. Liga wie in der 2. Liga haben die Schiedsrichter bei den Kicker-Noten neue Bestleistungen aufgestellt. In allen drei Spielzeiten in der 1. Liga mit VAR lag und liegt der Notenschnitt unter der 3 (Bestnote ist in Deutschland die 1). Unter der 3 – das hatte es in der Bundesliga zuvor ohne VAR noch gar nie gegeben.

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