Interview

Erstes Fazit nach der Niederlage: «Djokovic ist der König der Momente – aber Federer darf mit dem Turnier gleichwohl zufrieden sein»

Roger Federer verliert den Halbfinal am Australian Open gegen Novak Djokovic in drei Sätzen 6:7, 4:6 und 3:6. Wie ist es dazu gekommen? Und was bleibt nach dem Turnier? Tennis-Experte Simon Häring beantwortet live aus Australien die wichtigsten Fragen dazu.

Etienne Wuillemin
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Guter Start und dann trotzdem diskussionslos verloren. Roger Federer unterliegt Novak Djokovic in drei Sätzen.

Guter Start und dann trotzdem diskussionslos verloren. Roger Federer unterliegt Novak Djokovic in drei Sätzen.

Roman Pilipey / EPA

Roger Federer verliert gegen Novak Djokovic in drei Sätzen. Das tönt brutal, war es auch so?

Simon Häring: Ja, das war es. Der erste Satz war ein Spiegelbild ihrer Rivalität: Federer liess drei Chancen ungenutzt, auf 5:1 davonzuziehen. Und verlor dann beim Stand von 6:6 das Tiebreak deutlich mit 1:7. Er kam danach zu keiner einzigen Breakchance mehr.

6:7, 4:6 und 3:6: Roger Federer verliert den Halbfinal in Melbourne.
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Roger Federer im Halbfinal des Australian Open in Melbourne gegen  Novak Djokovic an.
Roger Federer tut sich schwer.
Novak Djokovic ist viel beweglicher als sein Gegner.
Der Maestro hat Probleme, Federers Körpersprache ist ziemlich negativ.
Roger Federer Fans halten auch in schlechten Zeiten zu ihm.
Hat der Schweizer, der in seiner langen Karriere noch nie ein Match aufgegeben hat, etwa doch ernstere Probleme?
Djokovic jagt Federer immer wieder hin und her von einer Ecke in die andere.
Schweizer Fans sind auch im Publikum gut erkennbar.
Federer muss für seine Punkte viel härter arbeiten.
Federer verschwindet in der Kabine und wird sich wohl am angeschlagenen Oberschenkel behandeln lassen.

6:7, 4:6 und 3:6: Roger Federer verliert den Halbfinal in Melbourne. 

Keystone

Es ist die altbekannte Geschichte: Federer hat Chancen gegen Djokovic – aber er nutzt sie nicht. Verfolgen ihn die Dämonen des verlorenen Wimbledon-Finals noch immer?

Ja, definitiv. Die Dämonen holten Federer im ersten Satz ein. Tennis ist ein Spiel der Momente. Und Federer war einmal der König dieser Momente. Nun ist es Djokovic. Danach war der Zug für Federer abgefahren.

Steigert sich erheblich während des Satzes: Novak Djokovic

Steigert sich erheblich während des Satzes: Novak Djokovic

Francis Malasig / EPA

Zwei «Wunder »hat Federer realisiert, als er die Partien gegen Millman und Sandgren in Extremis noch wendete. Was hat gegen Djokovic nun für das Dritte gefehlt?

Die Niederlage ist diskussionslos. Im Prinzip war Djokovic in jeglicher Hinsicht besser. Nicht nur in den wichtigen Momenten wie in Wimbledon, sondern eben auch sonst im Spiel. Federer hätte wohl nur dann eine Chance gehabt, wenn er den ersten Satz gewonnen hätte. Und die Chancen dazu hatte er bekanntlich.

Welches Fazit kann Federer nach den Australian Open nun ziehen?

Ein Positives. Weil er zwei Monate lang kein Spiel bestritten hatte, wusste er nicht, wo er steht. Ein Halbfinal-Einzug bei einem Grand-Slam-Turnier ist immer eine herausragende Leistung, vor allem, wenn man wie Federer bereits 38 Jahre alt ist. Es dürfte Mut machen für den weiteren Verlauf der Saison, die ja vielleicht seine letzte sein wird.