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Es braucht eine positive Einstellung: «Jetzt erst recht, jetzt zeigen wir es allen!»

Der ehemalige EVZ-Verteidiger Timo Helbling analysiert für uns aus seiner Optik die Finalserie.
Timo Helbling

Alles war bereit für ein Hockeyfest hier in Zug. Wie am Gründonnerstag vor zwei Jahren war das Wetter wunderbar und die Menschen strömten schon früh am Nachmittag, euphorisiert – in Vorfreude auf ein spektakuläres Spiel und auch im Wissen, ein paar Tage frei zu haben – Richtung Bossard-Arena. Betreffend Unterhaltung und Spektakel wurde niemand enttäuscht. Auch die EV-Zug-Spieler wirkten euphorisiert und starteten mit viel Power und Überzeugung. Sie hätten 1:0 in Führung gehen können, fast müssen. Natürlich hatte Zug das ganze Spiel mehr vom Spiel (37:19-Torschüsse), doch waren die Berner gewohnt diszipliniert und kompakt vor ihrem eigenen Tor. Leonardo Genoni war der sichere und ruhige Rückhalt, wie er es seit Jahren ist. Aber grosse Paraden musste er wenige machen, denn die Zuger kamen zu selten richtig gefährlich vors Tor.

Das annullierte Tor gibt noch immer viel zu reden. Als besonnener «Frühpensionierter Eishockeyspieler» fällt meine Meinung dazu allerdings ein bisschen nüchterner aus. Der Schiedsrichter entschied sofort auf Kein-Tor und bei der Betrachtung der TV-Bilder in der Vorderkamerastellung sieht man klar, dass Everberg Genoni mit dem Ellbogen im Gesicht berührt – ob Absicht oder nicht, spielt keine Rolle. Genoni wird dadurch daran gehindert, voll abstossen zu können – ob er den Save noch gemacht hätte, ist natürlich eine rein hypothetische Frage. Die Strafe gegen Thomas Rüfenacht, die zu ­diesem Powerplay führte, war meiner Meinung nach der eigentliche Fehl­entscheid.

Mit Gaëtan Haas, selbstredend einer der besten Stürmer der Schweiz, war ein Spieler aus der nominell vierten Linie der Matchwinner für die Berner. Mehr muss man zur Ausgeglichenheit des SC Bern nicht sagen.

Für den EV Zug wird es nun sehr schwierig und nur die Wenigsten und Risikoaffinsten würden jetzt noch Geld auf dieses Team setzen. Man hat extrem viel Aufwand betrieben im letzten Spiel, man war das bessere Team, man hatte Pech, Bern hat (noch) Genoni im Tor, man wurde um ein Tor «betrogen»: Bis hin zu Verschwörungstheorien gäbe es unzählige Ausreden, die man bereit haben könnte, sollte es heute zur Niederlage kommen. Wenn der EV Zug aber einen Weg findet, diese, wie die Amerikaner sagen, «Adversity» (Widrigkeit) zu überwinden und diese in eine positive Einstellung umwandeln können, im Sinne von «jetzt erst recht, jetzt zeigen wir es allen!», dann ist die Schweizer Eishockeysaison am Samstag noch nicht zu Ende.

Auf der anderen Seite hat der SC Bern die Möglichkeit, nachdem man die letzten zwei Mal den Pokal in fremden Stadien in die Höhe stemmen konnte, wieder einmal eine Meisterschaft zu Hause in der Postfinance-­Arena zu feiern. In Erinnerung an den letzten Heimauftritt des SC Bern vom Dienstag kann ich mir nur schwer vorstellen, dass sich die Berner diese Chance heute Abend entgehen lassen werden.

Timo Helbling (37) bestritt unter anderem für Bern und Zug über 700 Spiele in der National League. Er begleitet die Finalserie für diese Zeitung aus seiner Optik.

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