Schwingerkönigin Diana Fankhauser: «Es fühlt sich nicht real an»

So viele Teilnehmerinnen wie am Samstag in Hergiswil gab es bei einem Frauen- und Meitlischwingfest noch nie. Mitten drin: Die aktuelle Schwingerkönigin Diana Fankhauser (23). Ein Besuch.

Stephan Santschi
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Schwingerkönigin Diana Fankhauser (helles Shirt) im Einsatz.  (Bild: Dominik Wunderli (Hergiswil, 18. Mai 2019))

Schwingerkönigin Diana Fankhauser (helles Shirt) im Einsatz.  (Bild: Dominik Wunderli (Hergiswil, 18. Mai 2019))

Unauffällig steht sie im grünen Trainingsanzug etwas abseits des Geschehens in Hergiswil. Tunnelblick, Kopfhörer mit lauter Rea-Garvey-Musik im Ohr, Aufwärmübungen, dann ist es so weit: Diana Fankhauser wird zu ihrem ersten Einsatz in den Sägemehlring gerufen. Ihr gegenüber steht Marina Zahner aus Kaltbrunn. Fankhauser tritt dominant auf, drückt ihre Kontrahentin nach zähem Kampf am Boden auf die Schultern. Dann verschwindet sie wieder in der Menge, setzt sich auf einen Holzbank und wartet auf ihren nächsten Auftritt am 3. Frauen- und Meitlischwingfest in der Nidwaldner Gemeinde am Vierwaldstättersee.

Nur 1,60 Meter gross ist die 23-jährige Bernerin. Fast unscheinbar wirkt sie angesichts einer Konkurrentin wie Franziska Ruch, die mit 1,92 Metern und kräftiger Statur den Christian Stucki des Frauen-Schwingens verkörpert. Umso eindrücklicher ist deshalb Fankhausers Leistungsausweis. Die gebürtige Emmentalerin, die in Chesalles-sur-Oron im Kanton Waadt aufwuchs und nun bei ihrem Freund auf einem Bergbauernbetrieb in Lauenen nahe Gstaad lebt, überraschte letzte Saison mit ihrem ersten Titel als Schwingerkönigin. «Manchmal kann ich das heute noch nicht richtig glauben», sagt sie mit scheuem Lächeln. «Es fühlt sich irgendwie nicht real an, die Beste einer ganzen Saison zu sein.»

Bereits zwei ihrer Tanten standen an der Spitze

Dabei liegt das Talent doch in ihren Genen, gleich zwei Tanten von Diana waren bereits Schwingerköniginnen. Zunächst Eveline Dolder in den Jahren 2000 und 2001, dann Margrit Vetter 2013 und 2014. Letztere unterstützt in Hergiswil ihre Nichte lautstark. «Ich selber schwinge nicht mehr. An den Wettkämpfen von Diana möchte ich aber dabei sein. Sie schätzt meine ehrliche Meinung», erzählt Vetter. Auch sie weiss um das eher zurückhaltende Wesen von Diana: «Sie traut sich zu wenig zu. Dabei traue ich ihr eigentlich alles zu.»

Ausschlaggebend für den Erfolg von Fankhauser sind die feine Technik und der Trainingsfleiss. Dreimal wöchentlich steht sie im Schwingkeller, davon zweimal mit Männern, hinzu kommen Konditionseinheiten. «Ich muss mich gegen die Männer wehren, ich profitiere von ihrer Technik und der Schnellkraft», sagt Fankhauser und in ihrer bescheidenen Art fügt sie an: «Sie geben nicht Vollgas. Trotzdem habe ich keine Chance, wenn richtig geschwungen wird.»

Schwingerkönigin hat keinen einzigen Sponsor

Richtig schwingen – das tun zweifellos auch die Frauen, allerdings abseits der grossen Bühne. Fankhauser hat als Schwingerkönigin kein Geld verdient, sie ist nicht mit einem sechsstellig-dotierten Werbevertrag ausgestattet, wie ihr männliches Pendant. Sie hat nicht einmal Sponsoren, keinen einzigen wohlbemerkt. «Ich bemühe mich aktuell darum, wenigstens die Kosten mit Gönnern decken zu können», erzählt die medizinische Praxisassistentin. «Mal schauen, ob es klappt.» Restlos akzeptiert ist sie von den Männern noch immer nicht, die weibliche Schwingszene. Und doch ist sie in den letzten Jahren gewachsen, das zeigt sich auch in Hergiswil. OK-Präsident Reto Blättler stellt am Samstag erstaunt fest: «So viele Teilnehmerinnen gab es an einem Schwingfest der Frauen noch nie.» 152 Anmeldungen sind eingegangen, 100 davon im Nachwuchs, der sich auf drei Alterskategorien (5 bis 15-Jährige) verteilt. «Es waren innert kurzer Zeit immer mehr geworden. Da wir jeder Teilnehmerin einen Preis geben, mussten wir schauen, dass wir genügend auftreiben konnten.»

Die Mittagspause wurde aufgrund des vollen Programms gestrichen, die Dauer der Gänge von fünf auf vier Minuten reduziert, um den Zeitrahmen nicht zu sprengen. «Wir profitieren von unserer zentralen Lage. Und die Szene freut sich mit Sonia Kälin über ein Aushängeschild mit Strahlkraft», erklärt Blättler.

Erster Sieg geht an Andrea Deck aus Erstfeld

Kälin, 34-jährig und aus Einsiedeln stammend, gewann den Titel als Schwingerkönigin vier Mal, zuletzt 2017. Dann trat sie wegen Knieproblemen zurück, wirkt aber weiter als Trainerin. Ihre Stelle an der Spitze hat nun Diana Fankhauser eingenommen. Wird sie wie ihre beiden Tanten den Titel verteidigen können? «Das kann ich nicht sagen, es gibt keine überragende Schwingerin, alle sind nahe beieinander», gibt sich Fankhauser vorsichtig. Nicht allein das Eidgenössische krönt dabei die Königin, sondern das Gesamtklassement nach allen sechs Schwingfesten der Saison. Der Auftakt in Hergiswil ging dabei an Andrea Deck aus Erstfeld. Diana Fankhauser lief es nicht ganz nach Wunsch, am Ende holte sie sich mit Platz vier aber den 18. Kranz.

Hergiswil NW. Frauen- und Meitlischwingfest. Aktive (ab Jahrgang 2003): 1. Andrea Deck (Erstfeld) 57,50. 2. Isabel Egli (Steinhuserberg) 57,00. – Ferner: 4. Diana Fankhauser (Lauenen/Schwingerkönigin 2018) 56,50. - Meitli 1 (2004 bis 2006): 1. Daniela Föhn (Rickenbach SZ) 59,00. 2. Lea Bühler (Steinhuserberg) 58,00. - Meitli 2 (2007 bis 2009): 1. Angela Frei (Oberarth) 58,75. 2. Carmen Laimbacher (Siebnen) 58,00. - Zwergli (2010 bis 2013): 1. Elena Schelbert (Muotathal) 58,75.

Frauen- und Meitlischwingfeste. 22. Juni: Kandersteg BE. – 3. August: Ricken SG. – 10. August: Boveresse NE. – 17. August: Uezwil AG. – 29. September: Menznau LU (Eidgenössisches).