Challenge League

Hausmannskost statt Kaviar: Der SC Kriens ist auf dem Boden der Realität gelandet

Kriens beendet die Vorrunde auf dem 7. Rang. Dass die Formkurve nach unten zeigt, hat verschiedene Gründe. Eine Analyse.

Turi Bucher
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Die Challenge-League-Fussballer des SC Kriens pausieren über Weihnachten nach 15 von 36 Spielen auf dem 7. von 10 Rängen. Neben dem optimalen Start mit zwei Siegen im Schweizer Cup und in der Meisterschaft gegen Super-League-Absteiger Neuchâtel Xamax sowie dem aufsehenerregenden 5:2-Sieg gegen den designierten Aufsteiger Grasshoppers bleiben von diesem Halbjahr vor allem in Erinnerung: der schmerzhafte, konsternierende 2:3-Flop im letzten Spiel in Chiasso und die ebenso aktuelle Serie von zehn sieglosen Spielen hintereinander. Das kriselnde Kriens begeht den Jahreswechsel mit angeschlagenem Selbstvertrauen.

Da lief es für den SC Kriens noch gut: Topskorer Asumah Abubakar (am Ball) im Spiel gegen Xamax.

Da lief es für den SC Kriens noch gut: Topskorer Asumah Abubakar (am Ball) im Spiel gegen Xamax.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 19. September 2020)

Dass die sportliche Kurve der vergangenen Wochen derart krass nach unten zeigt, hat verschiedene Gründe:

  1. Das Niveau in der Challenge League ist immens gestiegen, der Wettkampf um die Punkte härter und umstrittener geworden. Kriens muss sich gegen Klubs stemmen, die vor nicht langer Zeit noch Super- League-Tauglichkeit ausweisen konnten (Grasshoppers, Thun, Xamax). Kriens muss gegen Teams kämpfen, die sich die Super League oder zumindest die Spitzenränge in der Challenge League als Ziel gesetzt haben (Winterthur, Aarau, Schaffhausen). Kriens kam seit dem Aufstieg und Vormarsch von Lausanne-Ouchy mit dem unangenehmen Widersacher aus der Westschweiz nie zurecht. Bleiben in der Tabelle vier – wenn man Xamax aktuell dazu rechnet – Plätze in der hinteren Tabellenregion übrig. Und genau da wird der SC Kriens im ersten Halbjahr 2021 den Überlebenskampf führen: gegen Chiasso, Xamax und Wil.
  2. Die Transfers im Sommer haben nicht das gebracht, was erhofft und gewünscht war: Schwung, Elan, neue Ideen, neue Kreativität, Tore, Stabilität. Die Abgänge von Siegrist, Elvedi, Dzonlagic, Osigwe oder Wiget sind schmerzhaft spürbar. Von den neuen Spielern kam mehr Falsches als Faszinierendes, mehr Banales als Besonderes. Mulaj und Rustemoski liessen immerhin Ansätze aufblitzen.
  3. Pech mit Penaltys, späten Gegentreffern und verletzten Teamstützen (Abubakar, Kukeli). Nun... das haben andere Mannschaften zuweilen auch.

Der SC Kriens ist erst 2018 mit einem Sieg in La Chaux-de-Fonds wieder in die zweithöchste Landesliga aufgestiegen – im Wissen darum, dass er jedes Jahr jener Verein mit dem niedrigsten Jahresbudget sein wird und jedes Jahr gegen den sportlichen Abstieg kämpfen muss. Hiess es vor rund zwei Jahren noch, dass es im Kleinfeld keinen Fussballer gibt, der mehr als 6000 Franken monatlich verdient, sind die Löhne unterdessen noch weiter nach unten angepasst worden. Keiner der Profis oder Halbprofis in Kriens verdient heute mehr als 4500 Franken (einer sogar weniger als 2000 Franken). Mit diesen bescheidenen Mitteln liess der SCK im letzten Frühling die Fussballschweiz aufhorchen, als er zeitweise mit den Aufstiegsplätzen liebäugelte.

Jetzt ist Kriens wieder auf dem Boden der Realität gelandet. Es ist keine harte Landung, denn die Krienser selber sind in ihrer Gesinnung nie verträumt abgehoben. Es muss, frei nach Simmel, nicht immer Kaviar sein, Kriens kann nicht immer fussballerische Delikatessen bieten. Jetzt, beziehungsweise 2021, wird im Krienser Kleinfeld wieder fussballerische Hausmannskost serviert. Auch wenn das Nervenkostüm zurzeit dünn und die Rechnung riskant ist: Sie geht für Kriens dann auf, wenn es am Schluss besser dasteht als nur ein einziger der übrigen Vereine. Alles, was dann noch dazukommt, gehört auf die Dessertkarte.