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Lea Sprunger: «Es war ein Riesenschock»

Lea Sprunger holte EM-Gold, dann sprang ihr Trainer Laurent Meuwly ab. Jetzt erzählt die 29-jährige Westschweizerin, wie sie mit der Veränderung umgeht.
Sébastian Lavoyer
Lea Sprunger kann sich ein Athletenleben ohne Laurent Meuwly nicht vorstellen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (La Chaux-de-Fonds, 1. Juli )

Lea Sprunger kann sich ein Athletenleben ohne Laurent Meuwly nicht vorstellen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (La Chaux-de-Fonds, 1. Juli )

Ihr grösster Erfolg, EM-Gold über 400 Meter Hürden, lag knapp drei Monate zurück, als die Welt von Lea Sprunger in ihren Grundfesten erschüttert wurde. Laurent Meuwly, ihr Trainer, der Mann, zu dem sie ein fast schon brüderliches Verhältnis pflegt, hatte genug. Nach zehn gemeinsamen Jahren, zehn Jahren des Leidens, der Höhen und Tiefen wollte er nicht mehr. «Er brauchte etwas Neues», sagt Sprunger jetzt.

Mehr als fünf Monate sind vergangen, seit bekannt wurde, dass der 45-jährige Freiburger sein Amt als Sprint- und Hürden-Cheftrainer bei Swiss Athletics niederlegt und in gleicher Funktion beim holländischen Verband einsteigt. Kurz zuvor, im Trainingslager in Potchefstroom, Südafrika, hat er seinen Entscheid Lea Sprunger unterbreitet. «Für mich war es ein Riesenschock», gesteht die 400-Meter-Hürden-Europameisterin, «denn ich habe schlicht nicht geahnt, dass er so etwas vorhaben könnte.» Sprunger war keine 20 Jahre alt, als die Zusammenarbeit mit Meuwly begann. Ein unbeschriebenes Blatt, sehr wohl mit Talent gesegnet, aber mehr war sie nicht. Und: «Laurent war seither immer dabei, sicher in 95 Prozent meiner Trainings. Einmal sind wir sogar zu zweit in ein Trainingslager nach Südafrika gereist», erzählt sie. Man ahnt, wie nah und intensiv ihre Bindung war.

Trainings in Holland

Meuwly gilt als schwieriger Charakter. Manchmal haben er und Sprunger sich angeschrien. Aber ein Athletenleben ohne ihn könnte sie sich nicht vorstellen. Auch jetzt nicht. «Ich brauche Stabilität», gibt sie zu, «logisch, gab es jetzt eine Veränderung, aber sie macht mir keine Angst. Denn Laurent wird alles machen, dass unsere Zusammenarbeit weiter funktioniert.» Denn ja, Meuwly ist gegangen. Aber Sprunger folgt ihm. Sie startet zwar nicht für Holland, aber sie wird mit ihm im Sportzentrum Papendal am Rande Arnheims trainieren können. Rund vier «Trainingslager», wie sie die zwei- bis dreiwöchigen Abstecher in den Norden nennt, wird sie dort absolvieren.

Die erste Reise nach Holland steht Mitte Mai an, im Anschluss an die World Relays in Japan, wo Sprunger mit der 40×400-Meter-Staffel startet. «Ich bin gespannt, was mich erwartet. Dank Instagram weiss ich zwar, wie es aussieht, aber ich war noch nie dort», sagt Sprunger. Zu den Bildern kommen die Erzählungen ihrer Schwester Ellen. Während rund eines Jahres hat sie in Papendal trainiert.

In der Schweiz aber wird Lea Sprunger auf sich allein gestellt sein. Das heisst: «Ich versuche, so oft wie möglich mit Ajla Del Ponte zu trainieren.» Seit einigen Jahren ist sie mit der 22-jährigen Romande in der Trainingsgruppe. Trotzdem wird Sprunger vermehrt allein zurechtkommen müssen. Sie wird selbst analysieren müssen, da nicht immer ein Coach da ist, der sie zurechtweist. Sie muss ein Gefühl entwickeln dafür, was sie korrigieren muss, wenn etwas nicht stimmt. Und sie muss vertrauen. Darauf, dass Meuwly Wort hält.

Sprunger will sich nicht mit Ängsten aufhalten

Auch Sprintass Mujinga Kambundji teilte sich ihren Trainer Rana Reid mit den Holländern. Bis kurz vor der Europameisterschaft in Berlin durfte Kambun­dji auch in Papendal trainieren. Als man aber merkte, dass sie eine Konkurrentin für Dafne Schippers ist, wurde ihr das untersagt. Prompt schnappte die Holländerin Kambundji in Berlin Bronze vor der Nase weg. Seit November wird Kambundji von Steve Fudge trainiert. «Anfangs war das schon streng. Wieder eine neue Stadt, die Reiserei. Aber unterdessen sind wir eingespielt», sagt Kambundji.

Lea Sprunger will sich nicht mit Ängsten aufhalten, sie fürchte sich nicht vor einem solchen Szenario. «Ich vertraue Laurent. Er hat mir gesagt, dass ich Priorität habe und dass er alles unternehme, dass ich in Holland trainieren kann», so die 29-jährige Westschweizerin. Man wünscht ihr, dass es so kommt. Ein weiteres Erdbeben wenige Monate vor der WM im Oktober in Doha würde ihr mit Sicherheit nicht gut bekommen.

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