Interview
Sébastien Buemi vor dem Formel-E-Rennen in Bern: «Es wird von Jahr zu Jahr grösser»

Sébastien Buemi ist seit den Anfängen der Formel E dabei. Der 30-jährige Waadtländer äussert sich vor dem heutigen Rennen in Bern über die Zukunft der Rennserie und seinen Kurzzeitteamkollegen Fernando Alonso.

Interview: Peter Gerber Plech
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Langstreckenweltmeister und Gewinner des 24-Stunden-Klassikers von Le Mans: Sébastien Buemi. (Bild: Cyril Zingaro/Keystone (Bern, 21. Juni 2019))

Langstreckenweltmeister und Gewinner des 24-Stunden-Klassikers von Le Mans: Sébastien Buemi. (Bild: Cyril Zingaro/Keystone (Bern, 21. Juni 2019))

Fehlen Ihnen als Vollblut- Rennfahrer bei den Rennen der Formel E nicht der Motorenlärm und der Treibstoffgeruch?

Sébastien Buemi: Nein, gar nicht. Der fehlende Lärm ist absolut kein Problem. Der E-Motor produziert ein anderes, ein ganz eigenes Geräusch. Dank diesem hört man ziemlich gut, wie der Motor arbeitet und wie ich als Fahrer mit dem Motor umgehen muss.

Wie nehmen die Formel-1-Stars wie Hamilton, Vettel oder LeClerc die Formel E war? Wird die Rennserie ernst genommen oder eher belächelt?

In den letzten vier, fünf Jahren hat die Formel E den Respekt der Rennfahrerszene gewonnen und sich verdient. Die Formel E wird ständig besser, es gibt immer mehr Hersteller, und immer mehr Rennfahrer mit grossen Namen kommen in die Formel E. Das zeigt, wie gut sich diese Serie entwickelt. Belächelt wird die Formel E nicht.

Einzigartige Strecke

Der 2,75 Kilometer lange Rundkurs für das Formel-E-Rennen in Bern hält für die Fahrer Einzigartiges bereit. Auf keiner anderen Strecke gibt es so viele Steigungen und ist das Gefälle so gross wie in der Bundeshauptstadt. Der höchste und der tiefste Punkt des Parcours differieren um mehr als 50 Höhenmeter. Start und Ziel befinden sich in der Laubeggstrasse. Danach geht es um den Rosengarten herum hinunter zum Bärengraben, den Grossen Muristalden hinauf in Richtung Schlosshalde zurück zu Start und Ziel. Gefahren wird im Gegenuhrzeigersinn. (sda)

Sind sie privat auch in einem E-Auto unterwegs?

Ja, ich fahre seit einigen Monaten einen Nissan Leaf. Ich bin mit diesem Auto sehr zufrieden und ich finde, dass dieser Wagen für meine Bedürfnisse in der Schweiz optimal ist.

Sie haben eben noch die 24 Stunden von Le Mans gewonnen und fahren nun in Bern. Wie schwer fällt Ihnen die Umstellung von einer Rennklasse in die andere?

Das ist kein Problem. Ich bin es nun schon seit vier, fünf Jahren gewohnt, dass ich zwischen den Rennklassen hin- und her wechsle. Früher waren die Wechsel für mich ganz und gar nicht einfach, weil die Lenkräder unterschiedlich und auch die Sitzpositionen nicht identisch sind. Dank der Routine habe ich mich gut an diese Umstellungen gewöhnt und kann heute sehr gut switchen.

Sie haben Le Mans im Team mit Fernando Alonso gewonnen und so Ihren Vorjahressieg wiederholen können. Wie nehmen Sie den zweifachen Weltmeister Alonso als Teamkollegen war?

Es ist super, dass ich mit Fernando Rennen fahren kann. Er ist einerseits schnell und andererseits ist er auch ein super Typ. Ich bin ja schon Rennen gegen ihn gefahren und habe ihn als Gegner ein bisschen gekannt. Jetzt, als Teamkollegen, habe ich ihn auf einer persönlicheren Ebene noch besser kennen gelernt und ich werde ihn in den nächsten Tagen und bei den nächsten Rennen sicher etwas vermissen.

Nimmt sich Zeit für seine Fans: Sébastien Buemi am Freitag in Bern. (Bild: Cyril Zingaro/Keystone (Bern, 21. Juni 2019))

Nimmt sich Zeit für seine Fans: Sébastien Buemi am Freitag in Bern. (Bild: Cyril Zingaro/Keystone (Bern, 21. Juni 2019))

Die Formel E ist in diesem Jahr sehr ausgeglichen. Mit Jean-Eric Vergne und Lucas di Grassi haben nur zwei Fahrer bisher mehr als einen Sieg feiern können. Woran liegt das?

Die Autos sind sehr ähnlich und dadurch ist es für jeden einzelnen Fahrer schwierig, konstant vorne mitzufahren. In der laufenden Meisterschaft hatten wir öfter Rennen bei Regen, das wirkt sich dann natürlich auf den Rennverlauf aus und macht es schwierig, dass immer die gleichen zwei, drei Fahrer vorne sein können. In der aktuellen Saison sind die bisher gefahrenen zehn Rennen von acht unterschiedlichen Fahrern gewonnen worden. Das zeigt auch, dass in der Formel E ein starkes Fahrerfeld am Werk ist.

Weshalb hat die Formel E eine solche Anziehungskraft bei den grossen Automobilherstellern?

Es ist für alle Hersteller offensichtlich geworden, dass neben der Öffentlichkeit auch die Politik hinter der E-Mobilität steht und diese fördert. Das heisst, dass die Hersteller ganz einfach E-Autos für den breiten Markt entwickeln und bauen müssen. Der Motorsport ist eine ideale Plattform, damit die E-Fahrzeuge noch populärer und attraktiver werden. Die Unterstützung durch die Politik ist auch eine Chance, damit sich diese Rennserie noch weiterentwickeln kann.

Wie sehen Sie generell die Entwicklungsmöglichkeiten der Formel E. Wird sie sich in Richtung Formel 1, also zu einem High-Tech-Zirkus mit grossen Stars , entwickeln, oder bleibt sie eher nahbar?

Auch die Formel E wird von Jahr zu Jahr grösser und grösser werden, da bin ich sicher. Nächste Saison werden mit Porsche und Mercedes zwei weitere grosse Hersteller dazukommen. Darauf freue ich mich, auch wenn das Gewinnen dann noch schwieriger sein wird. Alles hat sich in den vergangenen fünf Jahren entwickelt: die Autos, die Batterien, die Fahrer. Die Frage, ob die Formel E auch zu einem Zirkus wie die Fomel 1 wird, kann nur die Zukunft beantworten. Ich bin jedenfalls glücklich, dass ich als Fahrer dabei sein darf.

Bern. Samstag, 8.55 bis 9.40: Erstes freies Training. – 11.20 bis 11.50: Zweites freies Training. – 13.30 bis 13.36: Qualifying Gruppe 1. – 13.40 bis 13.46: Qualifying Gruppe 2. – 13.50 bis 13.56: Qualifying Gruppe 3. – 14.00 bis 14.06: Qualifying Gruppe 4. – 14.15 bis 14.35: Qualifying Super Pole. – 15.00 bis 15.55: Autogrammstunde mit allen 22 Fahrern. – 18.04: Start Rennen. – 19.00: Siegerehrung.