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Eidgenössisches in Zug: Das Fest, das alle Dimensionen sprengt

Zug ist das grösste Eidgenössische der Geschichte – und Ueli Maurer sagt, das nächste 2022 in Pratteln dürfe noch grösser werden.
Klaus Zaugg/watson.ch
Die Fans feuern die Schwinger beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug lautstark an. (Urs Flüeler/Keystone, 25. August 2019)

Die Fans feuern die Schwinger beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug lautstark an. (Urs Flüeler/Keystone, 25. August 2019)

Ist es die Titanic, aufgebockt in der Werft vor ihrer Jungfernfahrt? Oder eher eine Arche Noah? Die eidgenössische Arena in Zug ist ein gewaltiges, atemberaubendes Bauwerk. Ein Maracanã, ein Kolosseum der Urchigen.

Das war auch 2013 in Burgdorf und 2016 in Estavayer ähnlich. Und doch anders. In Burgdorf war es eine Arena auf dem Lande. Idyllisch eingezwängt zwischen Waldsaum und Emme. Und 2016 spürten wir, ein wenig verloren auf den Weiten des Militärflughafens von Payerne, den welschen Charme des Unvollkommenen.

In Zug aber wirkt die Arena im Kontrast zur urbanen Kulisse der Wohnblocks im Hintergrund noch imposanter. Wie ein architektonisches Weltwunder. Mit 56 500 Plätzen. Und die Perfektion der Organisation ist beinahe unheimlich. Wer ein Ticket kauft, darf gratis mit der Eisenbahn reisen. Verkehrsstaus bleiben aus. Der Reisende mit Benzinkutsche fährt am Samstag und am Sonntag einfacher zum und vom Festgelände als bei einer Darbietung des EV Zug.

Die Zahl der Besucherinnen und Besucher am Freitagabend, Samstag und Sonntag auf dem Festgelände wird auf insgesamt mehr als 400 000 geschätzt. Zählen war nicht möglich. Jeden Tag mehr als 100 000. In der ganzen Geschichte unserer Eidgenossenschaft sind bisher nur bei zwei Anlässen noch mehr Menschen für ein einziges Ereignis zusammengeströmt: bei der Street Parade in Zürich und beim Begräbnis von General Henri Guisan im April 1960 in Lausanne.

Zug 2019 geht also als grösstes Schwingfest in die Geschichte ein. Zug nimmt nicht nur durch Rekordzahlen und eine perfekte Organisation den ersten Platz ein. In Zug sind sich zudem Brauchtum und Moderne, Stadt und Land, Urchige und Hipster so nahe gekommen wie noch nie. Natürlich fehlen die Abhandlungen über die Schönheit des Brauchtums nicht: Die Präsentationen der Treichler, der Kühe mit Hörnern, der Holztrompeter gehören zu jedem Eidgenössischen. Aber diesmal ist es nicht bloss ein Defilee helvetischen Brauchtums. Es ist eine Durchmischung dieser Folklore mit der Gegenwart des Sportes, die es zuvor so nicht gegeben hat.

Joel Wicki zeigte eine herausragende Leistung in Zug, kommt in den Schlussgang und gewinnt zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere einen Kranz an einem Eidgenössischen Schwingfest. Zum Königstitel reichte es allerdings knapp nicht. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Joel Wicki zeigte eine herausragende Leistung in Zug, kommt in den Schlussgang und gewinnt zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere einen Kranz an einem Eidgenössischen Schwingfest. Zum Königstitel reichte es allerdings knapp nicht. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Am Ende des Eidgenössischen Schwingfestes in Zug wird Joel Wicki «Erstgekrönter», nachdem er den Schlussgang gegen Christian Stucki verloren hat. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)Am Ende des Eidgenössischen Schwingfestes in Zug wird Joel Wicki «Erstgekrönter», nachdem er den Schlussgang gegen Christian Stucki verloren hat. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Gewaltiger Jubel auf der Seite des Gegners: Christian Stucki veredelt sein ohnehin schon beeindruckendes Palmarès mit dem Schwingerkönig-Titel. Joel Wicki verliert im Schlussgang erstmals am Eidgenössischen in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Gewaltiger Jubel auf der Seite des Gegners: Christian Stucki veredelt sein ohnehin schon beeindruckendes Palmarès mit dem Schwingerkönig-Titel. Joel Wicki verliert im Schlussgang erstmals am Eidgenössischen in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Die Entscheidung: Christian Stucki wird mit diesem Zug Schwingerkönig, Wicki kann sich nicht mehr ausdrehen. Seine Mimik spricht Bände. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Die Entscheidung: Christian Stucki wird mit diesem Zug Schwingerkönig, Wicki kann sich nicht mehr ausdrehen. Seine Mimik spricht Bände. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Die Emotionen könnten unterschiedlicher nicht sein: Wicki (links) konsterniert, Stucki ballt die Faust zum Sieg. (Bild: Andy Mettler/swiss-image.ch, Zug, 25. August 2019)Die Emotionen könnten unterschiedlicher nicht sein: Wicki (links) konsterniert, Stucki ballt die Faust zum Sieg. (Bild: Andy Mettler/swiss-image.ch, Zug, 25. August 2019)
Es ist eine herbe Enttäuschung für den Ausnahme-Schwinger aus dem Entlebuch. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, 25. August 2019)Es ist eine herbe Enttäuschung für den Ausnahme-Schwinger aus dem Entlebuch. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, 25. August 2019)
Die beiden Top-Schwinger griffen schon am Morgen des zweiten Tages zusammen. Der 5. Gang endete gestellt. Dasselbe Resultat im Schlussgang hätte Wicki zum Titel gereicht. (Bild: Toto Marti/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Die beiden Top-Schwinger griffen schon am Morgen des zweiten Tages zusammen. Der 5. Gang endete gestellt. Dasselbe Resultat im Schlussgang hätte Wicki zum Titel gereicht. (Bild: Toto Marti/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Bis zum Schlussgang dominierte der Sörenberger fast nach Belieben. So stand er nach sieben Gängen alleine auf weiter Flur an der Spitze des Klassements. Sein Widersacher Stucki hatte 1.25 Punkte weniger auf dem Konto – ein ziemliches Polster im Schwingsport. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Bis zum Schlussgang dominierte der Sörenberger fast nach Belieben. So stand er nach sieben Gängen alleine auf weiter Flur an der Spitze des Klassements. Sein Widersacher Stucki hatte 1.25 Punkte weniger auf dem Konto – ein ziemliches Polster im Schwingsport. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Wicki war von Beginn weg hellwach und spritzig. Vor dem Schlussgang stand er in fünf von sieben Gängen weniger als eine Minute im Sägemehl. Das Aushängeschild des Entlebucher Schwingerverbands zog jeweils energisch und gewann meistens mit der Maximalnote. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Wicki war von Beginn weg hellwach und spritzig. Vor dem Schlussgang stand er in fünf von sieben Gängen weniger als eine Minute im Sägemehl. Das Aushängeschild des Entlebucher Schwingerverbands zog jeweils energisch und gewann meistens mit der Maximalnote. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Bereits am ersten Tag des Eidgenössischen zeigte Wicki, dass mit ihm dieses Jahr zu rechnen ist. Er bezwang Matthias Aeschbacher – immerhin achtfacher Kranzschwinger in dieser Saison und Mitfavorit auf den Königstitel – mit einem explosiven Kurzzug. Der Gang dauerte nur ein paar Sekunden. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Bereits am ersten Tag des Eidgenössischen zeigte Wicki, dass mit ihm dieses Jahr zu rechnen ist. Er bezwang Matthias Aeschbacher – immerhin achtfacher Kranzschwinger in dieser Saison und Mitfavorit auf den Königstitel – mit einem explosiven Kurzzug. Der Gang dauerte nur ein paar Sekunden. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Nächster Gang, nächster Berner, nächster Kurzzug: Auch der Eidgenosse Simon Anderegg hatte gegen den fokussierten Wicki keine Chance. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)Nächster Gang, nächster Berner, nächster Kurzzug: Auch der Eidgenosse Simon Anderegg hatte gegen den fokussierten Wicki keine Chance. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)
Auch im dritten Gang funktionierte der Kurz: Jonas Lengacher, der vorhin immerhin Benji von Ah bezwungen hatte, musste sich Wicki nach nur fünf Sekunden geschlagen geben. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)Auch im dritten Gang funktionierte der Kurz: Jonas Lengacher, der vorhin immerhin Benji von Ah bezwungen hatte, musste sich Wicki nach nur fünf Sekunden geschlagen geben. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)
Vierter Gang, gleiches Bild: Domenic Schneider ging mit drei Siegen ins Duell gegen Joel Wicki. Doch auch er war dem Sennenschwinger nicht gewachsen und lag nach 12 Sekunden auf dem Rücken. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)Vierter Gang, gleiches Bild: Domenic Schneider ging mit drei Siegen ins Duell gegen Joel Wicki. Doch auch er war dem Sennenschwinger nicht gewachsen und lag nach 12 Sekunden auf dem Rücken. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)
Ein fast perfekter erster Tag: Nur einen Viertelpunkt hatte Joel Wicki in den ersten vier Gängen abgegeben, sein Rücken blieb makellos sauber. (Bild: swiss-image.ch/Photo Andy Mettler, Zug, 25. August 2019)Ein fast perfekter erster Tag: Nur einen Viertelpunkt hatte Joel Wicki in den ersten vier Gängen abgegeben, sein Rücken blieb makellos sauber. (Bild: swiss-image.ch/Photo Andy Mettler, Zug, 25. August 2019)
Im fünften Gang des zweiten Tages des Eidgenössischen kam es dann zum ersten Duell der zwei Dominatoren: Christian Stucki, im roten Hemd, schaffte es dabei, Wicki einen Gestellten abzuringen. Es war ein Kampf auf Augenhöhe. (Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Im fünften Gang des zweiten Tages des Eidgenössischen kam es dann zum ersten Duell der zwei Dominatoren: Christian Stucki, im roten Hemd, schaffte es dabei, Wicki einen Gestellten abzuringen. Es war ein Kampf auf Augenhöhe. (Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Wicki musste dabei erstmals seine Defensivqualitäten beweisen. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Wicki musste dabei erstmals seine Defensivqualitäten beweisen. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Gegen Christian Stucki ist dies allerdings wenig überraschend. Auch der Berner gab am ersten Tag nur einen Viertelpunkt ab und bezwang im ersten Gang unter anderem den Chamer Top-Schwinger Pirmin Reichmuth. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Gegen Christian Stucki ist dies allerdings wenig überraschend. Auch der Berner gab am ersten Tag nur einen Viertelpunkt ab und bezwang im ersten Gang unter anderem den Chamer Top-Schwinger Pirmin Reichmuth. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Beide hielten sich mit dem Gestellten im Rennen um den Königstitel. Damals wussten sie allerdings natürlich noch nicht, dass sie im Schlussgang wieder aufeinandertreffen würden. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Beide hielten sich mit dem Gestellten im Rennen um den Königstitel. Damals wussten sie allerdings natürlich noch nicht, dass sie im Schlussgang wieder aufeinandertreffen würden. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Der Sörenberger liess sich vom Unentschieden gegen den Berner Riesen Stucki nicht beirren. Gegen Michael Bless gewann er wieder mit Kurz, wieder nach wenigen Sekunden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)Der Sörenberger liess sich vom Unentschieden gegen den Berner Riesen Stucki nicht beirren. Gegen Michael Bless gewann er wieder mit Kurz, wieder nach wenigen Sekunden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Gegen Curdin Orlik bekundete Wicki dann etwas mehr Mühe. Orliks Bruder Armon stellte vorher mit dem Luzerner Sven Schurtenberger. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Gegen Curdin Orlik bekundete Wicki dann etwas mehr Mühe. Orliks Bruder Armon stellte vorher mit dem Luzerner Sven Schurtenberger. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Curdin Orlik zeigte einen mutigen Auftritt und zwang Wicki teilweise zu Verteidigungsarbeit. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Curdin Orlik zeigte einen mutigen Auftritt und zwang Wicki teilweise zu Verteidigungsarbeit. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Letztlich war der Wicki-Schnellzug jedoch auch für ihn nicht aufzuhalten und Curdin Orlik musste sich geschlagen geben. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Letztlich war der Wicki-Schnellzug jedoch auch für ihn nicht aufzuhalten und Curdin Orlik musste sich geschlagen geben. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Und dennoch reichte es Wicki am Schluss nicht für den Königstitel. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Und dennoch reichte es Wicki am Schluss nicht für den Königstitel. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Ahnte Joel Wicki damals schon, dass er bald einer der besten Schwinger des Landes werden würde? (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)Ahnte Joel Wicki damals schon, dass er bald einer der besten Schwinger des Landes werden würde? (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)
So richtig ging Wickis Stern 2015 auf: Mit damals 18 Jahren gewann der talentierte Sörenberger sein erstes Schwingfest am Schwarzsee. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)So richtig ging Wickis Stern 2015 auf: Mit damals 18 Jahren gewann der talentierte Sörenberger sein erstes Schwingfest am Schwarzsee. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)
Er gewann damals im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen Adrian Steinauer. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)Er gewann damals im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen Adrian Steinauer. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)
Doch Wickis Karriere war nicht nur rosig: Der Sörenberger wurde auch von Verletzungen geplagt. 2016 brach er im Kampf gegen Daniel Bösch auf der Schwägalp sogar das Wadenbein und musste für das anschliessende Eidgenössische Forfait geben. Auch im hier angebildeten Kampf gegen Sven Schurtenberger im Schlussgang auf der Rigi 2017 verletzte sich Wicki. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Rigi, 9. Juli 2017)Doch Wickis Karriere war nicht nur rosig: Der Sörenberger wurde auch von Verletzungen geplagt. 2016 brach er im Kampf gegen Daniel Bösch auf der Schwägalp sogar das Wadenbein und musste für das anschliessende Eidgenössische Forfait geben. Auch im hier angebildeten Kampf gegen Sven Schurtenberger im Schlussgang auf der Rigi 2017 verletzte sich Wicki. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Rigi, 9. Juli 2017)
Der Sörenberger liess sich allerdings nie unterkriegen, arbeite weiter hart an seiner Karriere. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)Der Sörenberger liess sich allerdings nie unterkriegen, arbeite weiter hart an seiner Karriere. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)
Im Kraftraum: Wicki zeigt sich 2015 in seinem Element. (Bild: Dominik Wunderli, Willisau, 8. April 2015)Im Kraftraum: Wicki zeigt sich 2015 in seinem Element. (Bild: Dominik Wunderli, Willisau, 8. April 2015)
Früh übt sich: Joel Wicki jubelt nach gewonnenem Schlussgang in der Kategorie Jahrgang 97 gegen Joel Strebel. (Bild: Dominik Wunderli, 26. August 2012)Früh übt sich: Joel Wicki jubelt nach gewonnenem Schlussgang in der Kategorie Jahrgang 97 gegen Joel Strebel. (Bild: Dominik Wunderli, 26. August 2012)
Der Sörenberger an der Arbeit. (Bild: Kurt Grüter)Der Sörenberger an der Arbeit. (Bild: Kurt Grüter)
Kuhglocken und Schwingerhosen im Hintergrund: Joel Wicki verschrieb sich schon früh dem Schwingsport. (Bild: Kurt Grüter)Kuhglocken und Schwingerhosen im Hintergrund: Joel Wicki verschrieb sich schon früh dem Schwingsport. (Bild: Kurt Grüter)
Fühlt sich in der Natur wohl: Joel Wicki einige Jahre später beim Fischen auf dem Rothorn beim Eissee in Sörenberg. (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)Fühlt sich in der Natur wohl: Joel Wicki einige Jahre später beim Fischen auf dem Rothorn beim Eissee in Sörenberg. (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)
Wicki war nicht das erste Mal nahe dran, ein Schwingfest eidgenössischen Charakters zu gewinnen: Am Unspunnen 2017 griff er im Verlauf des Fests mit König Kilian Wenger zusammen. Dabei siegte Wicki – vermeintlich. Die Kampfrichter gaben das Resultat nicht und der Gang endete gestellt. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)Wicki war nicht das erste Mal nahe dran, ein Schwingfest eidgenössischen Charakters zu gewinnen: Am Unspunnen 2017 griff er im Verlauf des Fests mit König Kilian Wenger zusammen. Dabei siegte Wicki – vermeintlich. Die Kampfrichter gaben das Resultat nicht und der Gang endete gestellt. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)
Bitter für Wicki, denn viele hielten ihn an diesem Tag für den besten Schwinger. Das prestigeträchtige Unspunnen gewonnen hatte damals... Bitter für Wicki, denn viele hielten ihn an diesem Tag für den besten Schwinger. Das prestigeträchtige Unspunnen gewonnen hatte damals...
... Christian Stucki. (Bild: Peter Schneider/EPA, Interlaken, 27. August 2017)... Christian Stucki. (Bild: Peter Schneider/EPA, Interlaken, 27. August 2017)
Am Eidgenössischen in Zug war Wicki noch näher am Sieg dran. Doch wieder gewinnt der Berner im roten Schwingerhemd. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Am Eidgenössischen in Zug war Wicki noch näher am Sieg dran. Doch wieder gewinnt der Berner im roten Schwingerhemd. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Trotzdem blickt Wicki einer vielversprechenden Karriere entgegen. Mit ihm ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Bleibt er verletzungsfrei, wird er nicht das letzt Mal um den Königstitel schwingen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Trotzdem blickt Wicki einer vielversprechenden Karriere entgegen. Mit ihm ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Bleibt er verletzungsfrei, wird er nicht das letzt Mal um den Königstitel schwingen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
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Nach Schlussgang-Niederlage gegen Christian Stucki: Joel Wicki ist Zentralschweizer «König der Herzen»

Die Arena ist umtost vom Kommerz, umlagert von Krämern. Die Reklametafeln auf der Aussenseite sind nicht zu übersehen. Und nie zuvor hat es ein solches Gedränge rund um die Arena gegeben. Draussen hat die Welt also ihre moderne Ordnung, aufgeteilt in oben und unten. Die reichen, wichtigen und mächtigen Besucherinnen und Besucher residieren im grössten VIP-Tempel der eidgenössischen Geschichte: im Zuger Hockeystadion. Dort sind sie unter sich.

Ob VIP oder normaler Zuschauer: Am Sägemehl sind alle gleich

Aber der «Kern» ist ein ganz anderer. Betritt der Besucher die Arena, so ist es, als sei er nach einer Zeitreise auf einem anderen Planeten gelandet. Ruhe kehrt ein. Keine Werbebotschaften. Keine Hektik. Die Begeisterung des Publikums ist zu spüren. Die Stimmung sorgt für Gänsehaut. Sie ist diesem Fest aller Feste würdig. Im Anstand einer Oper näher als einem Fussballspiel. Es gibt zwar eine Ehrentribüne. Aber auch dort sind die Bänke aus dem gleichen harten Holz. Keine abgetrennten VIP-Logen hinter Glas. Am Sägemehl sind alle gleich. Bundespräsident Ueli Maurer hält in dieser vaterländischen Atmosphäre seine wohl gelungenste Ansprache.

Der Auftakt mag ein wenig kitschig sein. Unser Staatsoberhaupt wird in einer von vier edlen Pferden gezogenen Kutsche in die Arena gefahren. Wenn man weiss, wie leicht Pferde scheuen – eigentlich ein schier unverantwortbares Risiko. Was, wenn die Rösser in Panik geraten und samt bundesrätlicher Kutsche durchgebrannt wären? Die TV-Bilder hätten die Runde um den Globus gemacht.

Natürlich geht alles gut und selten hat ein Politiker mit träferen Worten den Nerv seines Publikums getroffen wie Ueli Maurer. Als roten Faden wählt er die Bezeichnung «Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest». Er sagt, «eidgenössisch» töne anders als «schweizerisch». «Eidgenössisch» sei auch älter. Er vergleicht die Situation der Schweiz in der Welt mit den Herausforderungen des Schwingers, der sich im Kampf bewähren muss, und auch die Schweiz behaupte sich im Wettstreit der erfolgreichsten, kreativsten Länder ganz vorne. Er verweist weiter auf den Begriff «Genossenschaft», die für gleiche Rechte und Pflichten für alle, für die direkte Demokratie stehe. Und schliesslich gelingt es ihm sogar, auch den «Älpler» mit der Moderne zu verknüpfen. Der «Älpler» stehe für Freiheit, Leistung und Verantwortung. Und ja, grösser dürfe das Fest künftig durchaus werden. Es gelte nur, eine Lehre des Zürcher Staatsschreibers Gottfried Kellers zu beherzigen:

«Alles Grosse und Edle ist einfacher Art.»

Der Kern müsse gesund bleiben.

Es sind schöne Worte, die wunderbar zum Fest passen. Der einzige Störfaktor des Festaktes und eines Festes, das alle Dimensionen gesprengt hat, ist Gölä mit seinen lärmenden Gesangsversuchen. Er hat bei einem Eidgenössischen höchstens als voll zahlender Zuschauer etwas verloren.

Wenn die Zuger mit ihrem grandiosen Fest Gewinn machen sollten (was sie wohl werden), dann wird einem Sozialismus gehuldigt, der sogar Zugs Kultintellektuellen Josef Lang beschämt: Wird Geld verdient, geht ein Betrag in die Nachwuchskassen der Schwingklubs im Kanton. Üben ist ja in der Innerschweiz nötig, sonst gibt es nie einen zweiten König nach Harry Knüsel. Bleibt dann noch Geld, wird die Stundenentschädigung der rund 6000 Helfer von 8 auf 10 Franken angehoben. Und nur wenn dann noch etwas in der Festkasse ist, werden die gut 120 Mitglieder des OK bezahlt. Kein Innerschweizer König, aber wenigstens Geld und Geist in Zug.

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