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Kommentar

Eine grossartige Geschichte mit unschönem Ende: Die Analyse zum Eidgenössischen Schwingfest

Einzig die Krönung hat gefehlt: Während Pirmin Reichmuth bereits in den ersten zwei Gängen ausgebremst wurde, verlor Wicki erst im Schlussgang gegen Christian Stucki. Die Innerschweizer Durststrecke geht also weiter – doch ein Ende ist in Sicht.
Claudio Zanini
Claudio Zanini

Claudio Zanini

In den Köpfen der Innerschweizer sah der Handlungsverlauf dieses Schwingfests anders aus. Über dem Eidgenössischen lag die Sehnsucht der Region, zum zweiten Mal nach 1986 einen Schwingerkönig zu stellen. Vor 33 Jahren triumphierte der Zuger Harry Knüsel, seither mussten die Innerschweizer unten durch. Manchmal hatten sie Pech, wie der Schwyzer Geni Hasler, der 1995 im Schlussgang von einem zweifelhaften Kampfrichterurteil ausgebremst wurde. Oder 1989, als der gleiche Hasler «Erstgekrönter», aber eben nicht König wurde.

Am Heimfest 2019 in Zug sollte der nächste Titel her. Auch der König legte Hand an, damit es klappt. Harry Knüsel amtete als Botschafter des Anlasses, als Götti des Siegermunis, er erledigte mit seiner Firma sogar Tiefbauarbeiten auf dem Festgelände. Das Fundament für den Innerschweizer Triumph war gelegt. Doch das kann schnell ins Wanken geraten, wenn die Dynamiken eines Eidgenössischen zu spielen beginnen. Der Zuger Pirmin Reichmuth, einer der beiden Mitfavoriten, liess sich vom Druck verrückt machen und schied bereits am Samstag aus dem Rennen aus. Der Luzerner Joel Wicki blieb bis fast zuletzt standhaft. Im Schnelltempo erledigte er den ersten Tag mit vier Siegen. Am Sonntag stiess er bis in den Schlussgang vor, wo der Berner Christian Stucki wartete. Wicki verlor, noch in der ersten Minute. Ein dramatischer Schlusspunkt.

Sportlich hat die Krönung gefehlt. Ansonsten war vieles herausragend. Angefangen bei der Organisation. Gefühlt das halbe Land fiel über Zug her. Von rund 420'000 Besuchern war die Rede. Alle Hotelbetten des gesamten Kantons waren ausgebucht. Zug konnte die Menschenmassen schlucken. Und ohne die Klischees des friedfertigen Schwingpublikums zu bemühen, darf festgehalten werden: Der Grossanlass verlief tatsächlich störungsfrei. Ausser «Schürfungen, Prellungen und einzelnen Streitigkeiten» meldeten die Blaulichtorganisationen keine Zwischenfälle. Das Organisationskomitee setzte sich zum Ziel, dass 90 Prozent der Besucher mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Die Vorgabe konnte übertroffen werden. Nur 50 Prozent der verfügbaren Parkplätze seien belegt gewesen, meldete das OK.

Zug bot einen mehr als würdigen Rahmen, um den besten Schwinger im Land zu küren. Stucki ist selbstredend ein verdienter Sieger, er gewann nun alle wichtigen Titel in dieser Sportart. Die Erfahrung hat gesiegt. In Pratteln 2022 folgt für Wicki (22) und Reichmuth (23) die nächste Chance, die Geschichte der scheiternden Innerschweizer umzuschreiben.

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