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Innerschweizer Königsträume platzen jäh

Die Berner Schwinger geben auch am diesjährigen Eidgenössischen den Ton an. Sie gewinnen mehr Kränze als die Innerschweizer und stellen den Schwingerkönig. Ein Erklärungsversuch.
Jonas von Flüe
Joel Wicki zeigte eine herausragende Leistung in Zug, kommt in den Schlussgang und gewinnt zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere einen Kranz an einem Eidgenössischen Schwingfest. Zum Königstitel reichte es allerdings knapp nicht. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Joel Wicki zeigte eine herausragende Leistung in Zug, kommt in den Schlussgang und gewinnt zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere einen Kranz an einem Eidgenössischen Schwingfest. Zum Königstitel reichte es allerdings knapp nicht. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Am Ende des Eidgenössischen Schwingfestes in Zug wird Joel Wicki «Erstgekrönter», nachdem er den Schlussgang gegen Christian Stucki verloren hat. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)Am Ende des Eidgenössischen Schwingfestes in Zug wird Joel Wicki «Erstgekrönter», nachdem er den Schlussgang gegen Christian Stucki verloren hat. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Gewaltiger Jubel auf der Seite des Gegners: Christian Stucki veredelt sein ohnehin schon beeindruckendes Palmarès mit dem Schwingerkönig-Titel. Joel Wicki verliert im Schlussgang erstmals am Eidgenössischen in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Gewaltiger Jubel auf der Seite des Gegners: Christian Stucki veredelt sein ohnehin schon beeindruckendes Palmarès mit dem Schwingerkönig-Titel. Joel Wicki verliert im Schlussgang erstmals am Eidgenössischen in Zug. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Die Entscheidung: Christian Stucki wird mit diesem Zug Schwingerkönig, Wicki kann sich nicht mehr ausdrehen. Seine Mimik spricht Bände. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Die Entscheidung: Christian Stucki wird mit diesem Zug Schwingerkönig, Wicki kann sich nicht mehr ausdrehen. Seine Mimik spricht Bände. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Die Emotionen könnten unterschiedlicher nicht sein: Wicki (links) konsterniert, Stucki ballt die Faust zum Sieg. (Bild: Andy Mettler/swiss-image.ch, Zug, 25. August 2019)Die Emotionen könnten unterschiedlicher nicht sein: Wicki (links) konsterniert, Stucki ballt die Faust zum Sieg. (Bild: Andy Mettler/swiss-image.ch, Zug, 25. August 2019)
Es ist eine herbe Enttäuschung für den Ausnahme-Schwinger aus dem Entlebuch. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, 25. August 2019)Es ist eine herbe Enttäuschung für den Ausnahme-Schwinger aus dem Entlebuch. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, 25. August 2019)
Die beiden Top-Schwinger griffen schon am Morgen des zweiten Tages zusammen. Der 5. Gang endete gestellt. Dasselbe Resultat im Schlussgang hätte Wicki zum Titel gereicht. (Bild: Toto Marti/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Die beiden Top-Schwinger griffen schon am Morgen des zweiten Tages zusammen. Der 5. Gang endete gestellt. Dasselbe Resultat im Schlussgang hätte Wicki zum Titel gereicht. (Bild: Toto Marti/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Bis zum Schlussgang dominierte der Sörenberger fast nach Belieben. So stand er nach sieben Gängen alleine auf weiter Flur an der Spitze des Klassements. Sein Widersacher Stucki hatte 1.25 Punkte weniger auf dem Konto – ein ziemliches Polster im Schwingsport. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Bis zum Schlussgang dominierte der Sörenberger fast nach Belieben. So stand er nach sieben Gängen alleine auf weiter Flur an der Spitze des Klassements. Sein Widersacher Stucki hatte 1.25 Punkte weniger auf dem Konto – ein ziemliches Polster im Schwingsport. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Wicki war von Beginn weg hellwach und spritzig. Vor dem Schlussgang stand er in fünf von sieben Gängen weniger als eine Minute im Sägemehl. Das Aushängeschild des Entlebucher Schwingerverbands zog jeweils energisch und gewann meistens mit der Maximalnote. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Wicki war von Beginn weg hellwach und spritzig. Vor dem Schlussgang stand er in fünf von sieben Gängen weniger als eine Minute im Sägemehl. Das Aushängeschild des Entlebucher Schwingerverbands zog jeweils energisch und gewann meistens mit der Maximalnote. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Bereits am ersten Tag des Eidgenössischen zeigte Wicki, dass mit ihm dieses Jahr zu rechnen ist. Er bezwang Matthias Aeschbacher – immerhin achtfacher Kranzschwinger in dieser Saison und Mitfavorit auf den Königstitel – mit einem explosiven Kurzzug. Der Gang dauerte nur ein paar Sekunden. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Bereits am ersten Tag des Eidgenössischen zeigte Wicki, dass mit ihm dieses Jahr zu rechnen ist. Er bezwang Matthias Aeschbacher – immerhin achtfacher Kranzschwinger in dieser Saison und Mitfavorit auf den Königstitel – mit einem explosiven Kurzzug. Der Gang dauerte nur ein paar Sekunden. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Nächster Gang, nächster Berner, nächster Kurzzug: Auch der Eidgenosse Simon Anderegg hatte gegen den fokussierten Wicki keine Chance. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)Nächster Gang, nächster Berner, nächster Kurzzug: Auch der Eidgenosse Simon Anderegg hatte gegen den fokussierten Wicki keine Chance. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)
Auch im dritten Gang funktionierte der Kurz: Jonas Lengacher, der vorhin immerhin Benji von Ah bezwungen hatte, musste sich Wicki nach nur fünf Sekunden geschlagen geben. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)Auch im dritten Gang funktionierte der Kurz: Jonas Lengacher, der vorhin immerhin Benji von Ah bezwungen hatte, musste sich Wicki nach nur fünf Sekunden geschlagen geben. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 24. August 2019)
Vierter Gang, gleiches Bild: Domenic Schneider ging mit drei Siegen ins Duell gegen Joel Wicki. Doch auch er war dem Sennenschwinger nicht gewachsen und lag nach 12 Sekunden auf dem Rücken. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)Vierter Gang, gleiches Bild: Domenic Schneider ging mit drei Siegen ins Duell gegen Joel Wicki. Doch auch er war dem Sennenschwinger nicht gewachsen und lag nach 12 Sekunden auf dem Rücken. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 24. August 2019)
Ein fast perfekter erster Tag: Nur einen Viertelpunkt hatte Joel Wicki in den ersten vier Gängen abgegeben, sein Rücken blieb makellos sauber. (Bild: swiss-image.ch/Photo Andy Mettler, Zug, 25. August 2019)Ein fast perfekter erster Tag: Nur einen Viertelpunkt hatte Joel Wicki in den ersten vier Gängen abgegeben, sein Rücken blieb makellos sauber. (Bild: swiss-image.ch/Photo Andy Mettler, Zug, 25. August 2019)
Im fünften Gang des zweiten Tages des Eidgenössischen kam es dann zum ersten Duell der zwei Dominatoren: Christian Stucki, im roten Hemd, schaffte es dabei, Wicki einen Gestellten abzuringen. Es war ein Kampf auf Augenhöhe. (Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Im fünften Gang des zweiten Tages des Eidgenössischen kam es dann zum ersten Duell der zwei Dominatoren: Christian Stucki, im roten Hemd, schaffte es dabei, Wicki einen Gestellten abzuringen. Es war ein Kampf auf Augenhöhe. (Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Wicki musste dabei erstmals seine Defensivqualitäten beweisen. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)Wicki musste dabei erstmals seine Defensivqualitäten beweisen. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus, Zug, 25. August 2019)
Gegen Christian Stucki ist dies allerdings wenig überraschend. Auch der Berner gab am ersten Tag nur einen Viertelpunkt ab und bezwang im ersten Gang unter anderem den Chamer Top-Schwinger Pirmin Reichmuth. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Gegen Christian Stucki ist dies allerdings wenig überraschend. Auch der Berner gab am ersten Tag nur einen Viertelpunkt ab und bezwang im ersten Gang unter anderem den Chamer Top-Schwinger Pirmin Reichmuth. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Beide hielten sich mit dem Gestellten im Rennen um den Königstitel. Damals wussten sie allerdings natürlich noch nicht, dass sie im Schlussgang wieder aufeinandertreffen würden. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Beide hielten sich mit dem Gestellten im Rennen um den Königstitel. Damals wussten sie allerdings natürlich noch nicht, dass sie im Schlussgang wieder aufeinandertreffen würden. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Der Sörenberger liess sich vom Unentschieden gegen den Berner Riesen Stucki nicht beirren. Gegen Michael Bless gewann er wieder mit Kurz, wieder nach wenigen Sekunden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)Der Sörenberger liess sich vom Unentschieden gegen den Berner Riesen Stucki nicht beirren. Gegen Michael Bless gewann er wieder mit Kurz, wieder nach wenigen Sekunden. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Gegen Curdin Orlik bekundete Wicki dann etwas mehr Mühe. Orliks Bruder Armon stellte vorher mit dem Luzerner Sven Schurtenberger. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Gegen Curdin Orlik bekundete Wicki dann etwas mehr Mühe. Orliks Bruder Armon stellte vorher mit dem Luzerner Sven Schurtenberger. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Curdin Orlik zeigte einen mutigen Auftritt und zwang Wicki teilweise zu Verteidigungsarbeit. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Curdin Orlik zeigte einen mutigen Auftritt und zwang Wicki teilweise zu Verteidigungsarbeit. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Letztlich war der Wicki-Schnellzug jedoch auch für ihn nicht aufzuhalten und Curdin Orlik musste sich geschlagen geben. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)Letztlich war der Wicki-Schnellzug jedoch auch für ihn nicht aufzuhalten und Curdin Orlik musste sich geschlagen geben. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Zug, 25. August 2019)
Und dennoch reichte es Wicki am Schluss nicht für den Königstitel. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Und dennoch reichte es Wicki am Schluss nicht für den Königstitel. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Ahnte Joel Wicki damals schon, dass er bald einer der besten Schwinger des Landes werden würde? (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)Ahnte Joel Wicki damals schon, dass er bald einer der besten Schwinger des Landes werden würde? (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)
So richtig ging Wickis Stern 2015 auf: Mit damals 18 Jahren gewann der talentierte Sörenberger sein erstes Schwingfest am Schwarzsee. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)So richtig ging Wickis Stern 2015 auf: Mit damals 18 Jahren gewann der talentierte Sörenberger sein erstes Schwingfest am Schwarzsee. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)
Er gewann damals im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen Adrian Steinauer. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)Er gewann damals im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen Adrian Steinauer. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone, Plaffeien, 21. Juni 2015)
Doch Wickis Karriere war nicht nur rosig: Der Sörenberger wurde auch von Verletzungen geplagt. 2016 brach er im Kampf gegen Daniel Bösch auf der Schwägalp sogar das Wadenbein und musste für das anschliessende Eidgenössische Forfait geben. Auch im hier angebildeten Kampf gegen Sven Schurtenberger im Schlussgang auf der Rigi 2017 verletzte sich Wicki. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Rigi, 9. Juli 2017)Doch Wickis Karriere war nicht nur rosig: Der Sörenberger wurde auch von Verletzungen geplagt. 2016 brach er im Kampf gegen Daniel Bösch auf der Schwägalp sogar das Wadenbein und musste für das anschliessende Eidgenössische Forfait geben. Auch im hier angebildeten Kampf gegen Sven Schurtenberger im Schlussgang auf der Rigi 2017 verletzte sich Wicki. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Rigi, 9. Juli 2017)
Der Sörenberger liess sich allerdings nie unterkriegen, arbeite weiter hart an seiner Karriere. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)Der Sörenberger liess sich allerdings nie unterkriegen, arbeite weiter hart an seiner Karriere. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)
Im Kraftraum: Wicki zeigt sich 2015 in seinem Element. (Bild: Dominik Wunderli, Willisau, 8. April 2015)Im Kraftraum: Wicki zeigt sich 2015 in seinem Element. (Bild: Dominik Wunderli, Willisau, 8. April 2015)
Früh übt sich: Joel Wicki jubelt nach gewonnenem Schlussgang in der Kategorie Jahrgang 97 gegen Joel Strebel. (Bild: Dominik Wunderli, 26. August 2012)Früh übt sich: Joel Wicki jubelt nach gewonnenem Schlussgang in der Kategorie Jahrgang 97 gegen Joel Strebel. (Bild: Dominik Wunderli, 26. August 2012)
Der Sörenberger an der Arbeit. (Bild: Kurt Grüter)Der Sörenberger an der Arbeit. (Bild: Kurt Grüter)
Kuhglocken und Schwingerhosen im Hintergrund: Joel Wicki verschrieb sich schon früh dem Schwingsport. (Bild: Kurt Grüter)Kuhglocken und Schwingerhosen im Hintergrund: Joel Wicki verschrieb sich schon früh dem Schwingsport. (Bild: Kurt Grüter)
Fühlt sich in der Natur wohl: Joel Wicki einige Jahre später beim Fischen auf dem Rothorn beim Eissee in Sörenberg. (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)Fühlt sich in der Natur wohl: Joel Wicki einige Jahre später beim Fischen auf dem Rothorn beim Eissee in Sörenberg. (Bild: Eveline Beerkircher, Brunnen, 30. August 2014)
Wicki war nicht das erste Mal nahe dran, ein Schwingfest eidgenössischen Charakters zu gewinnen: Am Unspunnen 2017 griff er im Verlauf des Fests mit König Kilian Wenger zusammen. Dabei siegte Wicki – vermeintlich. Die Kampfrichter gaben das Resultat nicht und der Gang endete gestellt. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)Wicki war nicht das erste Mal nahe dran, ein Schwingfest eidgenössischen Charakters zu gewinnen: Am Unspunnen 2017 griff er im Verlauf des Fests mit König Kilian Wenger zusammen. Dabei siegte Wicki – vermeintlich. Die Kampfrichter gaben das Resultat nicht und der Gang endete gestellt. (Bild: Peter Schneider/Keystone, Interlaken, 27. August 2017)
Bitter für Wicki, denn viele hielten ihn an diesem Tag für den besten Schwinger. Das prestigeträchtige Unspunnen gewonnen hatte damals... Bitter für Wicki, denn viele hielten ihn an diesem Tag für den besten Schwinger. Das prestigeträchtige Unspunnen gewonnen hatte damals...
... Christian Stucki. (Bild: Peter Schneider/EPA, Interlaken, 27. August 2017)... Christian Stucki. (Bild: Peter Schneider/EPA, Interlaken, 27. August 2017)
Am Eidgenössischen in Zug war Wicki noch näher am Sieg dran. Doch wieder gewinnt der Berner im roten Schwingerhemd. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Am Eidgenössischen in Zug war Wicki noch näher am Sieg dran. Doch wieder gewinnt der Berner im roten Schwingerhemd. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
Trotzdem blickt Wicki einer vielversprechenden Karriere entgegen. Mit ihm ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Bleibt er verletzungsfrei, wird er nicht das letzt Mal um den Königstitel schwingen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)Trotzdem blickt Wicki einer vielversprechenden Karriere entgegen. Mit ihm ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Bleibt er verletzungsfrei, wird er nicht das letzt Mal um den Königstitel schwingen. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. August 2019)
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Nach Schlussgang-Niederlage gegen Christian Stucki: Joel Wicki ist Zentralschweizer «König der Herzen»

Alles war angerichtet für die grosse Feier. Die 56'500 Zuschauer, vor allem die Einheimischen unter ihnen, klatschten sich ihre Hände wund. Die grosse Delegation der Innerschweizer Schwinger platzierte sich geschlossen in ihren roten T-Shirts im Innern der Arena, um zu demonstrieren, dass sie gemeinsam hinter ihrem Königsanwärter stehen. Und dann war nach 40 Sekunden alles vorbei. Christian Stucki und nicht Joel Wicki heisst der Schwingerkönig von 2019. Ein Berner, wieder kein Innerschweizer.

Wicki, der Sörenberger, hatte zuvor in sieben Gängen alles richtig gemacht. Keine 90 Sekunden brauchte er am ersten Tag für seine vier Siege. 33 Jahre nach dem Titelgewinn von Harry Knüsel befand er sich in einer so aussichtsreichen Position, dass nur wenige gegen ihn gewettet hätten. Doch dann zog Koloss Stucki an und zerstörte die Innerschweizer Königsträume jäh. Jubel bei den Bernern, Schock bei den Innerschweizern. Wicki wird «nur» Erstgekrönter. «Er war der Mann des Tages, ja des Wochenendes. Es ist brutal, dass er nicht Schwingerkönig geworden ist», sagt der zweifache Eidgenosse Ueli Banz. Wicki selbst meinte: «Ich bin stolz, dass ich es soweit gebracht habe. Das ist eine riesige Geschichte für mich.»

Sichtbare Enttäuschung bei Joel Wicki nach dem verlorenen Schlussgang. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Sichtbare Enttäuschung bei Joel Wicki nach dem verlorenen Schlussgang. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Banz (36) muss es wissen. Als Entlebucher hat er Wickis Karriere genau verfolgt, als Experte ist er an zahlreichen Schwingfesten anzutreffen. Banz findet fast nur positive Worte, wenn er die Leistungen der Innerschweizer Schwinger analysiert. Lobend erwähnt er neben Wicki den starken Auftritt von Marcel Bieri, aber auch die überraschenden Kranzgewinne von Lutz Scheuber und Martin Zimmermann.

Doch es ist nun mal Tatsache, dass die Berner Schwinger in der Kranzstatistik wieder am besten abgeschnitten haben. Die Berner haben 15, die Innerschweizer 13 Kränze gewonnen. «Sie sind in der Breite besser aufgestellt als die Innerschweizer. Das haben sie an diesem Wochenende wieder gezeigt», meint Banz. Enttäuscht haben bei den Innerschweizern die Eidgenossen Andreas Ulrich, Erich Fankhauser, Philipp Gloggner und René Suppiger, der trotz seines Sieges über Samuel Giger ohne Kranz blieb. Für Reto Nötzli war der Wettkampf gar nach sechs Gängen beendet.

Reichmuth zerbricht am Druck, brilliert dennoch

Als potenzieller König wurde Pirmin Reichmuth gehandelt. Doch der Chamer stürzte schon früh. Er war bereits nach dem Anschwingen, den ersten beiden Gängen am Samstagmorgen, geschlagen. Um 11.26 Uhr sass er auf dem Rasen neben dem Sägemehlring und hätte den Film wohl am liebsten zurückgespult.

Im ersten Gang blieb er gegen den Kurz von Christian Stucki chancenlos. Eine einzelne Niederlage muss bei acht Gängen noch nicht das Ende bedeuten. Reichmuth aber blieb verkrampft und schaffte es nicht, sich auf das nächste Duell zu fokussieren. Später wird er sagen: «Ich habe nach dem ersten Gang zu viel studiert.» Im zweiten Gang liess er sich von Dominik Roth ein Unentschieden abringen. Den Schlussgang musste Reichmuth abschreiben.

Nachdem er den ersten Sieg landen konnte, sagte er: «Ich bin am Druck zerbrochen, ich war mit dem Kopf an Tausend Orten, aber nicht bei mir.» Verknorzt sei er gewesen, zu viele Gedanken seien durch den Kopf geschwirrt. Und er liess sich letztlich verrückt machen. Er sagte: «Vor dem ersten Gang habe ich mich eigentlich gut gefühlt. Aber in den letzten Tagen wurde ich beinahe wahnsinnig.» Nach den ersten beiden Gängen ist dann die ganze Last abgefallen.

Pirmin Reichmuth zwang im 8. Gang Kilian Wenger in die Knie. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Pirmin Reichmuth zwang im 8. Gang Kilian Wenger in die Knie. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Und siehe da: Reichmuth reihte sechs Siege aneinander, schwang am Sonntag endlich so, wie man es von ihm erwartet, und klassierte sich im hervorragenden 3. Rang. Egal, ob Matthias Aeschbacher oder Kilian Wenger - sie mussten gegen den 23-Jährigen diskussionslos unten durch. Nach dem Fest sagte er: «Es ist die grössere Kunst, aus so einem Loch zu finden als nur zu gewinnen. Ich bin wahnsinnig froh, dass das Fest so verlaufen ist.» Das Eidgenössische 2019 in Zug wird ihm nicht als grosse Enttäuschung, sondern wegen seiner grossen Aufholjagd in Erinnerung bleiben.

Schurtenberger ebnet Stucki den Weg

Erinnern wird man sich auch an den bärenstarken Sven Schurtenberger, der lange gar mit einer Schlussgang-Teilnahme liebäugeln durfte. Hätte er im 7. Gang gegen Armon Orlik gewonnen, wäre es zu einem reinen Innerschweizer Schlussgang gekommen. Doch der Buttisholzer agierte clever genug und riskierte nicht zu viel. «Ich wollte, dass ein Innerschweizer in den Schlussgang kommt», erklärte er. Schurtenberger band Orlik entscheidend zurück und ebnete paradoxerweise nicht nur seinem Teamkollegen Joel Wicki, sondern auch dem späteren Sieger Christian Stucki den Weg in den Schlussgang.

Dieser am Ende gestellte Gang zwischen Sven Schurtenberger und Armon Orlik beeinflusste den Ausgang des Festes. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Dieser am Ende gestellte Gang zwischen Sven Schurtenberger und Armon Orlik beeinflusste den Ausgang des Festes. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Der Schwingerkönig kommt nun also zum vierten Mal in Serie aus dem Kanton Bern. Doch die Innerschweizer Schwinger sind an diesem Eidgenössischen endlich als Einheit aufgetreten. Bereits am Samstagmorgen marschierten sie Schulter an Schulter in die Arena. «Einen so guten Zusammenhalt hatten wir während meiner Aktivzeit nie», sagt Ueli Banz lobend. Und mit Blick auf das nächste Eidgenössische fügt er an: «Dann wird wieder ein junges und hungriges Team aus der Innerschweiz antreten». Die Leader? Joel Wicki und Pirmin Reichmuth. «Ich werde meine Lehren aus diesem Fest ziehen und bekomme in drei Jahren wieder eine Chance», sagt Reichmuth. Die grosse Feier soll also nur verschoben sein.

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