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Esaf: Joel Wicki und Pirmin Reichmuth sind die Hoffnungsträger der ganzen Region

Die Karrieren von Joel Wicki und Pirmin Reichmuth starteten gleichzeitig. Nun soll einer der beiden Schwingerkönig werden.
Claudio Zanini
Aus Nachwuchsschwingern sind Königskandidaten geworden: Joel Wicki (links) und Pirmin Reichmuth. Bilder: Urs Flüeler/Keystone (Willisau, 2. Juni 2019)

Aus Nachwuchsschwingern sind Königskandidaten geworden: Joel Wicki (links) und Pirmin Reichmuth. Bilder: Urs Flüeler/Keystone (Willisau, 2. Juni 2019)

Als Joel Wicki der erste grosse Sieg gelang, bezwang er seinen Gegner im Schlussgang nach 51 Sekunden. Mit dem Kurz, seinem Paradeschwung, legte er den Aargauer Joel Strebel auf den Rücken. Es war am «Eidgenössischen» der Nachwuchsschwinger, 2012 in Hasle, im Entlebuch. Ein Heimspiel für Wicki, der im nahe gelegenen Sörenberg wohnt. Gefragt nach seinen zukünftigen Zielen und ob das «Eidgenössische» der Grossen im kommenden Jahr in Burgdorf eines davon sei, sagte der 15-Jährige: «Ich will nicht Dinge sagen, die dann vielleicht gar nicht eintreffen.»

In der Geschichte von Joel Wicki treffen viele Dinge ein. Ein Jahr später nahm er am «Eidgenössischen» in Burgdorf teil. Er war der jüngste von allen Teilnehmern, erst 16 Jahre alt. «Es geht für mich darum, wertvolle Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln», sagte er unserer Zeitung. Einmal einen Grossanlass miterleben, im besten Fall den Cut nach sechs Gängen überstehen. Er schaffte es, er bestritt sämtliche acht Gänge.

Dass solche Leistungen früh als normal angesehen werden, liegt an der hohen Kadenz in Wickis Karriere. 2014 gewinnt er auf der Rigi und dem Brünig den Kranz. An Bergfesten sind die Teilnehmerfelder kleiner und besser besetzt als an Kantonalfesten, dementsprechend schwierig ist ein Kranzgewinn. Auf der Rigi legt er zum ersten Mal einen Schwingerkönig aufs Kreuz: Arnold Forrer, König von 2001. Wicki gewinnt mit der Maximalnote, eine glatte Zehn. Die Schwingerzeitung «Schlussgang» schreibt bereits von einem «furiosen» 17-Jährigen.

Der Junge mit dem «Gewalts-Kurz»

Joel Wickis schwingerisches Vorbild war, zumindest in den Anfangsjahren, Ueli Banz. Das sagte er am Nachwuchsschwingertag in ein Mikrofon, mit kindlicher Bewunderung. Banz, 36, stammt vom selben Klub. Zweimal gewann er den eidgenössischen Kranz. Er lernte Wicki als kleinen Buben kennen. «Joel war schon bei den Jungschwingern sehr dominant. Doch man dachte zu dieser Zeit, mit seiner Postur würde es nicht für ganz nach vorne reichen. Rückblickend hat man ihn wohl etwas unterschätzt.»

Für einen Schwinger hat Wicki eine bescheidene Körpergrösse, er ist nur 1,83 gross. Das wird ihm oft als Schwäche ausgelegt, Ueli Banz sieht das anders. «Er hat dadurch kürzere Hebel. Wenn er zum Kurz ansetzt, muss er nicht lange anziehen, er hat den Gegner nahe bei sich.» Früher lebte Wicki von seinem «Gewalts-Kurz», wie es Banz ausdrückt. Mittlerweile ist er unberechenbarer geworden, auch Wyberhaken und innerer Haken sind «sehr gut», befindet Banz. «Und er hat eine ungeheure Grundkraft, das kann man nicht trainieren.» Sein Trainer Daniel Hüsler, ebenfalls ein ehemaliger Spitzenschwinger, spricht in diesem Zusammenhang von einem «gottgegebenen Talent». Man operiert mit Superlativen bei Wicki. Nicht erst seit gestern.

Joel Wicki ist 16 Monate jünger als Pirmin Reichmuth. Ihre Karrieren starteten gleichzeitig, 2013 mit den ersten Kranzgewinnen. Als Wicki 2014 auf der Rigi Forrer besiegte und den ersten Bergkranz holte, stieg Reichmuth verletzt in die Bahn Richtung Arth-Goldau. Im sechsten Gang riss das Kreuzband. Zwei weitere Kreuzbandrisse werden noch folgen. Eine Woche vor dem Unfall auf der Rigi erlebte Reichmuth den vermeintlichen Durchbruch. Als 18-Jähriger schaffte er es bis in den Schlussgang des Teilverbandsfests der Innerschweizer. Harry Knüsel, einziger Innerschweizer Schwingerkönig und wie Reichmuth dem Schwingklub Cham-Ennetsee angehörend, war damals schon ein Fan. Reichmuth dürfe stolz sein, sagte der König nach dem Fest. «Er hat jetzt schon mehr erreicht als viele seiner Altersgenossen.»

Eine dritte Verletzung macht die Mutter nicht mit

Die Schlussgang-Teilnahme am «Innerschweizerischen» 2014 blieb lange ein einsamer Höhepunkt. In der Saisonvorbereitung 2015 – Reichmuth war erst wiedergenesen – riss das Kreuzband nochmals. Er musste das ganze Jahr aussetzen. Seine Mutter hatte genug nach zwei Verletzungen. Eine dritte würde sie nicht mehr mitmachen, sagte sie. Von Reichmuth war zu lesen, dass er bei einer dritten Verletzung aufhören würde. Die Geister, die er rief, wurde er nicht mehr los. Anfang 2017 riss das Kreuzband erneut.

Ohne seine Krankenakte hätte Reichmuth wohl schon viele Titel gesammelt. Er ist gross gewachsen, schwingt auf beiden Seiten stark. Sticht ein Schwung auf die eine Seite nicht, versucht er es sogleich auf die andere. Armon Orlik, der Bündner Königskandidat, sagte nach dem Duell mit Reichmuth am «Innerschweizerischen» Anfang Juli in Flüelen: «Es ist fast unmöglich, sich auf ihn einzustellen.»

Als Reichmuth in dieser Saison richtig durchstartet, wird er in der Öffentlichkeit als Newcomer wahrgenommen, obschon er lange dabei ist. Am Zuger Kantonalfest Anfang Mai dieses Jahres feierte er seinen ersten Kranzfestsieg überhaupt. Das gut besetzte Urner Kantonale gewann er mit lauter Maximalnoten. Ende Juli siegte er hoch überlegen auf dem Brünig, bei der ersten Teilnahme. Im Eiltempo wurde er zum Mitfavoriten auf den Königstitel. Harry Knüsel ist überzeugt, einer der beiden Innerschweizer wird König, mit Vorteil Reichmuth. «Er muss nicht gewinnen», sagt Knüsel. «Aber er kann und darf.»

Wenn Reichmuth eine komplette Saison absolvieren kann, liegt viel drin. 2019 zum Beispiel, aber auch 2016. Als er 2016 in Estavayer den eidgenössischen Kranz gewann, schaute Joel Wicki am Fernsehen zu, verletzt. In der Vorsaison hatte er das Bergkranzfest am Schwarzsee gewonnen. Erst 18-jährig. Er ist immer noch der jüngste Schwarzsee-Sieger. Für Estavayer wäre mindestens der Kranzgewinn geplant gewesen. Es kam anders, er brach sich zwei Wochen vor dem grossen Fest auf der Schwägalp den Unterschenkel. Wütend war Wicki am Telefon, einen Tag danach. Man solle ihn endlich in Ruhe lassen, er rede nicht über die Verletzung. Für Wicki ging im August 2016, erst 19-jährig, die Welt unter. Der erste Tiefpunkt der jungen Karriere.

Schwächen bei Giger und Orlik

Vor zwei Wochen trafen sich sämtliche 85 Innerschweizer Schwinger, die in Zug am Start stehen, auf dem Festgelände. Sie besichtigten die Arena, Journalisten stellten letzte Fragen. Für 83 Schwinger war der Medientermin: langweilig. Für Wicki und Reichmuth eine Aneinanderreihung von Interviews. «Ich bin froh, wenn ich es langsam abhaken kann», sagte Wicki. «Es hängt an, sich andauernd fokussieren zu müssen», sagte Reichmuth. Es muss sich anfühlen, wie wenn man sich von Mai bis August auf eine Prüfung vorbereitet. Der Stand der Dinge wäre jeweils auf Titelseiten von Zeitungen nachzulesen. Zuerst wöchentlich, dann täglich. Und zusätzlich müsste man erwarten, dass 350000 Menschen die Prüfung live vor Ort miterleben möchten. Dass man einen solchen Test hinter sich bringen will, ist nachvollziehbar.

Ueli Banz, der am Wochenende unter anderem TV-Experte bei Tele 1 ist, sagt: «Mental sind Wicki, Reichmuth, Giger und Orlik auf dem gleichen Niveau.» Bei den Nordostschweizern Samuel Giger und Armon Orlik sieht er dennoch Schwächen. Giger bestritt 2019 am wenigsten Wettkämpfe des Quartetts, «ihm könnte die Sicherheit fehlen». Bei Orlik gibt es Fragezeichen zum Gesundheitszustand. «Sollte er mit Rückenbeschwerden starten, wird es ganz schwierig für ihn.» Die Ausgangslage ist aus Innerschweizer Sicht verlockend. Banz sagt: «Es ist alles angerichtet.» Am besten sagt man keine Dinge, die dann vielleicht gar nicht eintreffen.

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