Interview

EVZ-Captain Raphael Diaz: «Vor Geisterspielen schaudert mir jetzt schon»

Ein Saisonabbruch wäre für den wertvollsten Zuger Verteidiger undenkbar. Zudem hofft er, dass Playoff-Spiele vor leeren Zuschauerrängen verhindert werden können. 

Philipp Zurfluh
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Identifikationsfigur und Schlüsselspieler des EV Zug: Raphael Diaz.

Identifikationsfigur und Schlüsselspieler des EV Zug: Raphael Diaz.

Bild: Thomas Oswald/Freshfocus (Rapperswil, 26. November 2019)

Das Corona-Virus hat den Meisterschaftsbetrieb fest im Griff. Die Playoffs beginnen nicht vor dem 17. März. Beim EV Zug wird in diesen Tagen fleissig trainiert, auch ein Testspiel gegen die ZSC Lions steht auf dem Programm. Nach einer Trainingseinheit konnte sich unsere Zeitung mit der EVZ-Verteidiger Raphael Diaz (34) über die spezielle Situation unterhalten.

Die Playoffs müssen warten. Sind Spass und Freude in den Trainings die richtige Methode, um mit der momentanen Situation umzugehen?

Raphael Diaz: Das ist gefährlich. Spass und Freude sind gut und wichtig. Doch wenn nur diese Dinge im Vordergrund stehen, können wir den Schalter in den Playoffs nicht umlegen. Eine gute Balance ist zentral.

EV Zug testet gegen die ZSC Lions

(pz) Die Mannschaften der National League gehen unterschiedlich mit der verordneten Zwangspause um. Einige von ihnen bestreiten Trainingsspiele, so auch der EV Zug. Er wird am kommenden Freitag, 13. März, in der Bossard-Arena einen Ernstkampf simulieren. Gegner sind die ZSC Lions. Die Partie findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Auch Medienschaffende haben keinen Zutritt. Laut EVZ-Sportchef Reto Kläy beruht diese Massnahme auf Empfehlung des Schweizerischen Eishockeyverbandes.

Das Corona-Virus dominiert die Schlagzeilen. Jeden Tag werden neue Fälle bekannt. Wie gehen Sie damit um?

Respekt sollte man haben. Panik wäre das falsche Rezept. Bisweilen habe ich das Gefühl, dass das Corona-Virus zu stark aufgebauscht wird. Jammern hilft nichts. Wir müssen geduldig bleiben und hoffen, dass wir am 17. März mit den Playoffs beginnen können.

Hilft Ihnen Ihre langjährige Erfahrung, das Ganze etwas lockerer zu sehen?

Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Jeder muss selber mit der Ungewissheit umgehen, wie und ob es weitergeht.

Im schlimmsten Fall droht der Saisonabbruch…

Es muss Playoff-Spiele geben, sie gehören zum Inventar des Eishockeys. Sie sind das Grösste für einen Eishockeyspieler. Man sehnt sich die ganze Saison danach. Geisterspiele möchte ich unbedingt vermeiden, doch notfalls müssen wir auch ohne Publikum spielen. Davor schaudert mir jetzt schon.

Dass Ihr euch in der letzten Runde den Qualifikationssieg habt wegschnappen lassen, war eine Enttäuschung.

Wir hatten es in den eigenen Händen, konnten aber unser Potenzial nicht abrufen. Doch das gehört der Vergangenheit an. Wir richten den Blick nach vorne.

Sportchef Reto Kläy unterstellte der Mannschaft fehlende Emotionen. Hatte er recht?

Seine Kritik ist nicht unbegründet. Es waren Emotionen da, aber nicht über 60 Minuten. Die Emotionen hätten von uns kommen müssen. Bei Geisterspielen liegt es an uns, mit Checks Feuer ins Spiel zu bringen.

Wie stark hat Trainer Dan Tangnes das Team in der Kabine zusammengestaucht?

Es war sehr still. Wir waren enttäuscht über unsere Leistung.

Sie haben vier der letzten fünf Spiele verloren. Was läuft schief beim EV Zug?

Für mich überwiegen die positiven Dinge. Wir sind Zweiter geworden in einer ausgeglichenen Liga. Die Chancenauswertung hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Einige Spieler waren in den letzten Wochen deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben, wie beispielsweise Lino Martschini.

Es gibt in allen Sportarten Topstars, die eine schwierige Phase durchmachen. Das Schöne beim Eishockey: Bei einer Mannschaftssportart lastet die Verantwortung auf mehreren Schultern. Lino Martschini ist ein hervorragender Stürmer. Er versucht, immer etwas zu kreieren.

Wie können Sie Ihn in der Funktion als Teamleader unterstützen?

Ich bin kein Stürmer und hüte mich davor Lino Martschini Tipps zu geben, wie man ein Tor erzielt. Ich bin überzeugt, dass er im Training Selbstvertrauen für die Playoff-Spiele holt.

Stimmen monieren, die Defensive des EV Zug sei zu wenig breit aufgestellt. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Letzte Saison haben wir noch viel Lob bekommen. Diese Kritik höre ich zum ersten Mal. Wir spielen aggressives Hockey, die Verteidigung schaltet sich oft in der Offensive mit ein. Da kann es auch zu Fehlern kommen. Pessimismus ist jetzt fehl am Platz.

Beim Spielaufbau versuchen sie, den Puck möglichst lang in den eigenen Reihen zu behalten. Dadurch geraten Sie häufig unter Druck. Sind Sie genug variabel?

Bei unserer Spielweise muss man voll konzentriert sein. Es kann ab und zu mal passieren, dass ein Pass nicht ankommt oder man den Puck vertändelt. Wir werden aber deswegen nicht unser Spielsystem ändern.

Ist Playoff-Viertelfinal-Gegner Fribourg-Gottéron ein Wunschgegner?

Nein, das würde Fribourg nicht gerecht werden. Die Mannschaft hat sich die Playoff-Qualifikation mit einem starken Schlussspurt verdient. Dieses Team steht defensiv kompakt und hat mit Reto Berra einen Weltklasse-Goalie. Wir müssen offensiv flexibel spielen und ihnen unser Spiel aufzwingen.