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Wie der EVZ-Gegner aus München dank Dosen-Millionen Flügel bekam

Im Achtelfinal der Champions League tritt der EV Zug am Dienstag beim EHC Red Bull München an. Der deutsche Klub hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich – und kämpft um Aufmerksamkeit.
Sven Aregger
Spieler von Red Bull München jubeln beim 4:0-Sieg gegen Ingolstadt am letzten Sonntag. (Bild: Oliver Strisch/Imago (Ingolstadt, 4. November 2018))

Spieler von Red Bull München jubeln beim 4:0-Sieg gegen Ingolstadt am letzten Sonntag. (Bild: Oliver Strisch/Imago (Ingolstadt, 4. November 2018))

Am EHC Red Bull München gab es in den vergangenen Jahren kein Vorbeikommen. Der Klub dominierte die deutsche Eishockeyliga (DEL) praktisch nach Belieben, dreimal in Folge gewann er die Meisterschaft. Und dabei geht fast vergessen, dass er vor nicht allzu langer Zeit noch am Abgrund stand.

2010 stieg der EHC München in die höchste Liga auf, es war der erste sportliche Höhepunkt. Aber der Fortbestand stand auf der Schwebe, der von Münchner Privatleuten finanzierte Klub war stark verschuldet. Der Verkauf der Lizenz an ein zweitklassiges Team stand zur Debatte – bis der Retter aus Salzburg auftauchte. Der Getränkekonzern Red Bull, der 2000 schon beim EC Salzburg eingestiegen war, übernahm 2013 das Ruder. Er richtete den Klub neu aus und tätigte hohe Investitionen. Das Budget stieg von 4 auf geschätzte 14 Millionen Euro, und der erste Meistertitel liess nicht lange auf sich warten. Es ist eine erstaunliche Entwicklung für einen Verein, der erst 1998 von ehemaligen Profispielern gegründet wurde und zunächst nicht mehr als eine Hobbygruppierung sein sollte.

Heute ist der EHC ein professionelles Unternehmen, das Eishockey wie einen Event nordamerikanischer Prägung zelebriert – mit Lichtshows, Unterhaltungsspielen und Cheerleadern. Der rasante Aufstieg des Klubs wird von Missgunst und Skepsis begleitet. Wie es halt so ist, wenn plötzlich potente Investoren auftauchen und mit der grossen Kelle anrühren. München gilt als unbeliebtester Klub in Deutschland, der von den gegnerischen Fans gerne mit Schmähgesängen verhöhnt wird. Einer geht so: «Selbst in München kennt euch keine Sau.»

Bau einer neuen Arena ist geplant

Das ist nicht ganz falsch, der EHC hat auf dem Platz München einen schweren Stand. Im Schatten der traditionsreichen Fussballklubs Bayern und 1860 sowie den Bayern-Basketballern kämpft er stetig um Aufmerksamkeit. Abgesehen von den Playoffs braucht es immer wieder Rabattaktionen, um das rund 6100 Zuschauern fassende Olympia-Eissportzentrum wenigstens ansatzweise zu füllen. In dieser Saison kamen bislang durchschnittlich 4300 Fans zu den Heimspielen. Nur so zum Vergleich: Bei den Eisbären Berlin sind es 11700, bei Adler Mannheim mehr als 10300 Zuschauer. Dennoch plant Red Bull den Bau einer modernen Multifunktionsarena. Noch ist sich der Konzern mit der Stadt München nicht einig. Die Behörden wollen keine Konzerte zulassen, um die eigene Olympiahalle nicht zu konkurrenzieren.

EVZ-Trainer Tangnes erwartet hohe Intensität

Die Zuger sind bereits am Montag mit dem Bus nach München gereist, um sich optimal auf die Partie vorbereiten zu können. Trainer Dan Tangnes weiss, dass sich sein Team gegenüber dem Lausanne-Spiel am Samstag (1:4) deutlich steigern muss, wenn es bei Red Bull bestehen will. Er hat den Gegner auf Video studiert und kommt zum Schluss: «Diese Mannschaft spielt in jeder Zone mit hoher Intensität. Unser Puckmanagement wird sehr wichtig sein, wir müssen schnell und sauber agieren. Und wir dürfen uns nicht zu viele Strafen erlauben.» (ars)

Doch Red Bull lässt sich durch Kritik und Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen. Der Getränkehersteller denkt offenbar über den schnellen sportlichen Erfolg hinaus, sein Engagement in München ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Der Klub kann sich zwar teure einheimische und ausländische Profis leisten, er investiert aber auch in die Jugend und in den sportwissenschaftlichen Bereich. «Der EHC Red Bull München verfügt über eine moderne Leistungsdiagnostik und gut ausgebildete Trainer im Nachwuchsbereich. Er leistet hervorragende Arbeit», sagt der Deutsch-Kanadier Harold Kreis. Der ehemalige Headcoach des EV Zug trainiert seit dieser Saison die Düsseldorfer EG, für die er schon von 2008 bis 2010 gearbeitet hat. Kreis ist ein Kenner des deutschen Eishockeys, er war langjähriger Captain in Mannheim und bestritt fast 900 Partien in der höchsten Liga. «München legt Wert auf die Entwicklung von jungen Spielern», sagt er. Das kann der derzeit verletzte Zuger Stürmer Garrett Roe bestätigen. Der US-Amerikaner, der in der Saison 2014/15 bei den Süddeutschen gespielt hat, erinnert sich an einen gewissen Dominik Kahun, der in München zum Stammspieler reifte und nun seine NHL-Karriere bei den Chicago Blackhawks lanciert hat. Roe selber hat für seinen ehemaligen Arbeitgeber nur warme Worte übrig: «Ich mochte meine Zeit in München.»

Ähnlicher Spielstil wie der EVZ

Auch in dieser Saison sind die Münchner einer der Favoriten auf den Titel, es wäre der vierte hintereinander. Derzeit liegen sie auf dem 2. Tabellenrang, hinter Adler Mannheim. Kreis sagt, dass das Leistungsgefälle der Klubs in Deutschland grösser sei als in der Schweiz. «Es gibt technisch und läuferisch versierte Mannschaften, dazu gehört auch München. Dann gibt es aber auch Teams, die ziemlich defensiv agieren und kaum ein flüssiges Spiel zulassen.» Allgemein werde in der DEL mehr Wert auf die Taktik und Physik gelegt, dafür sei in der Schweiz das Tempo höher. Kreis glaubt: «Würde man die beiden Ligen kombinieren, wäre die Tabelle bunt gemischt.»

Münchens Headcoach Don Jackson hat das wohl beste Personal der Liga zur Verfügung. Der Amerikaner vertraut auf ein Spielsystem, das jenem von Zug ähnlich ist: Offensivdrang und aggressives Forechecking, das den Gegner permanent unter Druck setzt. Die Achtelfinal-Paarung in der Champions League verspricht damit Spannung. Zug tritt am Dienstagabend (20 Uhr) zuerst in München an, das Rückspiel findet am 20. November (19.45 Uhr) in der Bossard-Arena statt. Der EVZ will sich erstmals für die Viertelfinals qualifizieren. Derweil hat München mit Schweizer Klubs noch eine Rechnung offen: Im Vorjahr scheiterten die Deutschen in der ersten K.o.-Runde an Bern. EVZ-Center Roe, der noch Kontakte mit dem Coaching-Staff und Spielern von Red Bull pflegt, spricht von «einem harten Test». Und Kreis prophezeit: «Das werden ausgeglichene Begegnungen.»

Achtelfinals. Hinspiele. Dienstag, 18.00: Malmö – Bern. – 19.45: ZSC Lions – Kärpät Oulu. Lugano – Frölunda Indians. – 20.00: München – Zug (Sport 1).

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