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Kolumne

EVZ-Kolumne: Erst kommt das Fressen, dann die Moral

Der ehemalige Eishockey-Einzelrichter Reto Steinmann über den Wechsel von EVZ-Stürmer Viktor Stalberg.
Reto Steinmann
Reto Steinmann

Reto Steinmann

Auf die vergangene Saison verliess Viktor Stalberg die ganz grosse Bühne in Übersee und tauschte diese gegen Annehmlichkeiten und Vorzüge der hiesigen Liga. Der Schwede ist dekoriert mit 488 NHL-Partien (168 Skorerpunkte) und hat über zehn Millionen Dollar verdient. Er war nie nur Mitläufer in den Farben, die er trug. 2013 wurde er mit den Chicago Blackhawks Stanley-Cup-Sieger.

Wie viele der Dollarmillionäre, die in der Dämmerung ihrer Karriere noch etwas am Topf der Boomfränkli laben wollen, fabulierte auch Stalberg nach seinem Umzug in die Schweiz von den blauen Seen, den tollen Bergen und dem Privileg, während der Saison stets im eigenen Bett schlafen zu können. Der Berg ruft bei ihm aber bereits nicht mehr. Der Schwede folgt vielmehr dem Ruf der Petrodollars. Quasi durch die Hintertür betritt er das Pantheon der Grossen wieder; diesmal auf der anderen Seite der Erdkugel, in der KHL, die als zweitbeste Liga der Welt gilt. Avangard Omsk heisst sein neuer Arbeitgeber. Omsk in Sibirien ist die achtgrösste Stadt Russlands, aber die viertgrösste unter den russischen Wirtschaftsmetropolen, mit einer Maximaltemperatur von minus zehn Grad in den Wintermonaten (der einstige Ambri-Goalie Paul Jaks hatte sich dort 2004 kurzzeitig verdingt, wurde aber bereits nach neun Spielen von Heimweh geplagt und brach die Mission ab). Der Klub wird finanziert vom Ölunternehmen Gazprom.

Interessant ist der Zeitpunkt des Wechsels mitten in der Saison. Und damit einhergehend auch die Frage, wie die russische Idee dieses «unfriendly takeover» überhaupt entstanden ist. Während der Transfer von der Zuger Galerie im Spiel vom Dienstag gegen Fribourg-Gottéron (1:4) teilweise mit Missfallen quittiert wurde, bemühten sich die klugen Köpfe in der EVZ-Teppichetage um die richtige Tonlage und erklärten die Zustimmung zu diesem sehr speziell anmutenden, ja wohl beispiellosen Deal primär mit pekuniären Gründen; das Angebot aus Sibirien sei eben zu verlockend gewesen, um es ablehnen zu können. Natürlich verzichtet auch der EVZ nur ungern auf einen mutmasslich sechsstelligen Betrag, könnte sich das bei Bedarf aber mit Sicherheit leisten.

Der Hauptgrund, zuzulassen, dass in den grossen Augen des hünenhaften Schweden per sofort Dollarzeichen glimmen, dürfte indes ein anderer sein. Spieler, die unzufrieden sind, weil ihnen eine oft als «Traum» bezeich­nete berufliche Veränderung verweigert worden ist, gefährden die Stimmung im Teamgefüge in der Garderobe und daraus folgend die Wirkung auf dem Eis. Jeder Coach fürchtet sich vor solchen Feinstörungen in der Mannschaftsgeologie, denn daraus kann eine Eigendynamik entstehen, die sich ausserhalb seines Macht- und Einflussbereichs bewegt.

Stalberg selbst übte sich nach dem Freiburg-Spiel vor den Medien in standardisierten Floskeln, was den Wechsel betrifft, entschuldigte sich aber immerhin für seine schwache Vorstellung. Auf das Prinzip der Vertragstreue (Pacta sunt servanda), das im kirchlichen Recht der römisch-katholischen Kirche des Mittelalters entstanden ist, wurde er nicht angesprochen. Wäre Stalberg damit konfrontiert worden, hätte er vielleicht ­verwiesen auf den Satz «Erst kommt das Fressen, dann die Moral» aus der «Dreigroschenoper» von Bertold Brecht. Es stellt sich die Frage, ob Glaubwürdigkeit und Anstand gegenüber den Fans und dem Team nicht geböten, für die letzten zwei Spiele auf die Dienste des Schweden in den Zuger Farben zu verzichten.

Zur Person Reto Steinmann war von 2004 bis Ende Saison 2015/2016 Einzelrichter für Swiss Ice Hockey und praktiziert als Rechtsanwalt und Notar in Zug.

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