Oscar Lindberg sucht sein Abschlussglück

Nach dem Ausscheiden im Cup will der EV Zug in der Meisterschaft seine Siegesserie ausbauen. Helfen würde, wenn ein designierter Leader seine Ladehemmungen überwinden kann.

Yannick Ringger
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Der Schwede Oscar Lindberg, in Diensten der Zuger, blieb diese Saison noch blass. Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 22. November 2019)

Der Schwede Oscar Lindberg, in Diensten der Zuger, blieb diese Saison noch blass. Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 22. November 2019)

Der EVZ hat auf die laufende Saison nicht nur Hochkaräter mit Schweizer Pass, sondern auch Ausländer mit einem beachtlichen Leistungsausweis verpflichtet. Während Jan Kovar die hochgesteckten Erwartungen bisher erfüllt hat und den kongenialen Spielmacher für Grégory Hofmann mimt, blieben die beiden Schweden Erik Thorell und Oscar Lindberg bisher eher blass. Ersterer wurde Mitte Oktober von einem Velounfall gebremst und dürfte in ein paar Wochen in die Mannschaft zurückkehren. Letzterer weist nach 18 Meisterschaftspartien mit drei Toren und sechs Vorlagen eine magere offensive Ausbeute auf, liegt dafür mit bereits sieben Zweiminutenstrafen teamintern hinter David McIntyre an zweiter Stelle. Verdient der 28-Jährige also das Prädikat «Fehleinkauf»?

Obwohl die genannten Statistiken zu einer bejahenden Antwort verleiten mögen, scheint es zu früh, Lindberg als Transferflop zu bezeichnen. Die Saison ist noch jung, und gewisse Spieler brauchen länger, um in Fahrt zu kommen – vor allem dann, wenn sie nicht nur in einer neuen Mannschaft, sondern auch einer neuen Liga spielen, sich wieder an das grössere Eisfeld gewöhnen müssen und erst wenige Wochen vor Meisterschaftsstart an ihrem neuen Ort eingetroffen sind. Trotz dieser Faktoren konnte Lindberg in seinen ersten sechs Partien stets punkten. Seit dem 1. Oktober und 13 Partien wartet er freilich auf einen Treffer in der Meisterschaft. Sorgt sich der ehemalige NHL-Stürmer angesichts der mageren offensiven Ausbeute? «Ja, jeder Spieler will offensiv beitragen. Aber aktuell kreieren wir viele Chancen. Wenn wir so weitermachen, werden sie reinfallen», so der Schwede.

In der Tat schiesst er von allen Spielern in der Liga durchschnittlich am drittmeisten auf das gegnerische Tor – und das durchaus aus aussichtsreichen Positionen. Dass Lindberg zu diesen Chancen kommt, deutet darauf hin, dass er dem Spiel den Stempel aufdrücken kann. Momentan finden nur 4.35 Prozent seiner Schüsse den Weg ins gegnerische Tor, was weit unter dem Ligadurchschnitt von 9.17 Prozent liegt. Angesichts der Tatsache, dass Lindberg in seinen 252 NHL-Partien einen Schnitt von 10.4 Prozent aufweisen konnte, darf davon ausgegangen werden, dass er momentan über besonderes Abschlusspech verfügt. Von Pech will der zweimalige Weltmeister freilich nichts wissen. «Du erzwingst dein eigenes Glück. Es fängt damit an, vor das gegnerische Tor zu gehen und freiliegende Pucks zu provo­zieren.»

Defensiv stets verlässlich

Ob Lindberg und seine Linienpartner Carl Klingberg und David McIntyre in den nächsten Partien mehr Abschlussglück haben werden, wird sich weisen. Unbestritten ist, dass die Formkurve der Nummer 19 zuletzt nach oben gezeigt hat. So konnte er seinen Beitrag leisten, dass die Zuger defensiv wieder stabiler auftreten. Wenn Lindberg auf dem Eis stand, erhielt der EVZ bei numerischem Gleichstand nur in zwei der letzten zehn Meisterschaftspartien mehr Gegentreffer als er selber erzielte. Besonders eindrücklich zeigte der Schwede seine Qualitäten als Zwei-Weg-Center, der seine defensiven Pflichten erfüllt, letzte Woche gegen die ZSC Lions, als er den Liga-Topskorer und Ex-Zuger Garrett Roe weitgehend in Schach halten konnte. Coach Tangnes erklärte nach der Partie, dass er Lindberg so oft wie möglich gegen Roe spielen lassen wollte. «Er ist ein wichtiger Teil unserer Mannschaft – defensiv und im Bullykreis. Am besten spielt er gegen starke Teams, wenn die Spiele eng und umkämpft sind.» Die Worte des Coaches mögen wie eine Ankündigung im Hinblick auf die entscheidende Phase der Saison klingen. Um sich für diese eine gute Ausgangslage zu verschaffen und eine Erfolgsserie zu starten, ist es von Vorteil, wenn Lindbergs Knoten bald platzt.