EVZ-Profi Carl Klingberg gibt Comeback in der Swiss League

Elf Wochen nach seinem Horror-Unfall gibt Carl Klingberg am Freitag das Comeback. Er spielt mit dem Farmteam EVZ Academy in der Swiss League gegen die GCK Lions (19.45, Eishalle KEK, Küsnacht).

Sascha Fey
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Zugs Carl Klingberg. (Bild Alexandra Wey/Keystone (Bern, 15. April 2017))

Zugs Carl Klingberg. (Bild Alexandra Wey/Keystone (Bern, 15. April 2017))

Es sind Bilder, die einen zusammenzucken lassen, als Klingberg am 30. November des vergangenen Jahres kopfvoran in die Bande stürzt und auf einer Bahre vom Eis transportiert wird. Der Schwede kann sich noch genau an den Unfall erinnern. Zunächst hatte er Angst. Er hörte ein Knacken. Die Schmerzen hielten sich jedoch in Grenzen, sodass er rasch realisierte, dass er einigermassen «okay» war. «Um ehrlich zu sein, war ich nicht allzu besorgt», blickt Klingberg zurück. Die Verletzung stellte sich als Bänderverletzung im Nackenbereich heraus. Er hatte also Glück im Unglück, hätte er doch durchaus gelähmt sein können.

Klingberg trug während sechs Wochen eine Halskrause.

«Der erste Monat war hart, da ich praktisch nichts tun durfte. Ich lag aber nicht nur im Bett, sondern ging spazieren, traf mich mit anderen. Insofern war es nicht das Ende der Welt.»

 Positiv war für ihn ausserdem, dass er drei Wochen in seiner Heimat verbringen durfte, um Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen. Danach fing er mit dem Training an.

«Ich bin immer noch der gleiche Spieler»

Mittlerweile ist Klingberg gemäss eigener Aussage wieder zu 100 Prozent fit. Er sei noch etwas steif, aber wenn er sich gut aufwärme, spüre er nichts, habe er keine Schmerzen mehr. Seit drei Wochen ist er wieder auf dem Eis. «Es fühlt sich gut an im Training.» Nun geht es für ihn darum, sich wieder an die speziellen Situationen im Spiel zu gewöhnen, dass alles wieder natürlich wird und er auf dem Eis nicht zu viel nachdenken muss. Denn dafür fehlt auf diesem Niveau schlichtweg die Zeit. Mentale Folgen hat der Unfall keine: «Ich bin immer noch der gleiche Spieler.»

Letzte Chance für die EVZ-Academy

Die EVZ Academy kämpft heute Abend um die letzte Chance auf die Playoffteilnahme in der Swiss League. Ob das gelingt, hat aus Vereinssicht nur einen geringen Einfluss auf die Beurteilung der Saison.
Raphael Biermayr

Das Ziel von Klingberg ist, zum Playoff-Start am 9. März wieder ganz der Alte zu sein. Bis zum Unfall hatte er in der laufenden Meisterschaft in 22 Partien sieben Tore und neun Assists erzielt. Ob ihm das gelingt, «weiss ich ehrlich gesagt nicht. Ich werde mein Bestes geben und schauen, wie weit mich das bringt», so der kräftige Flügelstürmer. Schliesslich war er zuvor «nie länger als vier, fünf Wochen verletzt.»

Gerücht um Klingberg

Die Trainer um Headcoach Dan Tangnes entschieden am Donnerstag, Klingberg am Freitag noch nicht in der National League im Heimspiel gegen die SCL Tigers einzusetzen, in dem Stammtorhüter Tobias Stephen sein Comeback gibt. Stattdessen spielt er in der Swiss League in der kapitalen Partie gegen die GCK Lions. Verliert die EVZ Academy, ist der Playoff-Zug abgefahren. Klingberg brauche Matches, insofern sei dieses Spiel optimal für ihn, sagt Tangnes. Der Norweger befindet sich derzeit in der komfortablen Situation, fünf gesunde ausländische Stürmer zur Verfügung zu haben - der ursprünglich für das Farmteam geholte Pontus Widerström nicht eingerechnet. «Jeder muss sich seinen Platz verdienen», so Tangnes. Er stellte aber klar, dass Klingberg seine Chance in der National League erhalten werde.

Der 2016 zum EV Zug gestossene Skandinavier befindet sich im letzten Vertragsjahr mit den Zentralschweizern. Ein schwedisches Online-Portal berichtete, dass es ihn zurück in die Heimat ziehe, und zwar zu Champions-League-Sieger Frölunda Göteborg. «Das ist ein Gerücht. Ich weiss nichts davon», erklärt EVZ-Sportchef Reto Kläy. Gespräche über dessen Zukunft gab es allerdings noch keine. «Es bestand noch kein Handlungsbedarf, darüber zu reden. Er soll erst ganz gesund werden und dann schauen wir, wie es sich entwickelt.» Kläy geht aber davon aus, dass sich an Klingbergs Aussage, gerne in Zug zu bleiben, nichts geändert hat. Der Leader bekundet jedenfalls durchaus Interesse an einer Verlängerung.

So oder so hat Klingberg noch Grosses vor, der Cupsieg soll für den EVZ nicht der einzige Titel in dieser Saison sein. Dieser Triumph sei für die Organisation und die ganze Stadt grossartig gewesen. «Wir sind aber noch nicht zufrieden, wollen auch die Liga gewinnen.»