EVZ: Zuger Genugtuung und Asse im Ärmel

Aus dem erstmaligen Einzug in die Viertelfinals der Champions League kann der EVZ neuen Mut schöpfen.

Sven Aregger
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Die Zuger Spieler werden nach dem Sieg gegen Tappara von den Fans gefeiert. Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 19.November 2019)

Die Zuger Spieler werden nach dem Sieg gegen Tappara von den Fans gefeiert. Bild: 
Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 19.November 2019)

Nach dem Zuger 3:1-Sieg am Dienstag im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den finnischen Klub Tappara Tampere erschienen die beiden Trainer zu einer kurzen Medienkonferenz im Bauch der Bossard-Arena. Tappara-Coach Jukka Rautakorpi hatte merklich Unlust auf diese Veranstaltung, er sagte einige Sätze und verabschiedete sich, während sein Gegenüber Dan Tangnes noch Fragen der Journalisten beantwortete. Beim EVZ-Trainer war die Laune besser, er sagte: «Wir sind stolz, dass wir in die nächste Runde einziehen. Das ist ein guter Tag für die Organisation.»

Der EV Zug steht erstmals in den Viertelfinals der Champions League, wo er Anfang Dezember auf den tschechischen Klub Mountfield Hradec Kralove treffen wird. Damit haben die Zentralschweizer ein Teilziel erreicht, doch das soll es nicht gewesen sein. Die Ambitionen sind hoch, Zug strebt nach dem Titel. Der Vorstoss unter die besten acht ist für den EVZ aber schon mal mit einer gewissen Genugtuung verbunden – nach sportlich diffizilen Wochen, in denen Zugs einzige Konstante die Unbeständigkeit war. Dabei ist es gegen Tappara nicht allein das Resultat, sondern auch der Auftritt an sich, aus dem die Zuger neuen Mut schöpfen können für die kommenden Aufgaben in Meisterschaft, Cup und Champions League.

Gibt es eine Rückkehr aus Nordamerika?

Wie schon am Samstag beim 2:1-Erfolg in Biel traten die Zentralschweizer als Mannschaft geschlossen auf, sie beschränkten Fehler im Defensivverhalten auf ein Minimum. Tangnes bilanzierte: «Wir spielten dicht und gewährten dem Gegner nicht viele Chancen. Hoffentlich können wir darauf aufbauen.» So gesehen war es vielleicht der bisher wichtigste Saisonsieg der Zuger. Ein Sieg, aus dem sie gestärkt hervorgehen können. Sportchef Reto Kläy sagte: «Es geht darum, Konstanz in unser Spiel zu bringen. Dieser Erfolg ist gut für unser Selbstvertrauen.»

Der Job des Managers Kläy geht aber über die laufende Saison hin­aus, er muss sich auch mit der Zukunft befassen, konkret: mit der Kaderplanung für die nächste Saison. Fix ist bisher die Verpflichtung des Verteidigers Claudio Cadonau von den SCL Tigers. Demgegenüber stehen die Abgänge der Verteidiger Johann Morant (ZSC Lions), Thomas Thiry (Bern) und Miro Zryd (vermutlich Bern) fest. Kläy sagte: «Wir haben noch zwei, drei Asse im Ärmel.» Er wird also noch aktiv werden auf dem Transfermarkt, aber nicht unbedingt in der Schweiz. Mit Interesse verfolgt er das Geschehen in Nordamerika, wo mehrere Spieler mit EVZ-Vergangenheit tätig sind. Einer davon ist der Center Calvin Thürkauf, der 2016 von der NHL-Franchise Columbus Blue Jackets gedraftet wurde und im Farmteam Cleveland Monsters in der American Hockey League (AHL) spielt. Am Saisonende läuft sein Einstiegsvertrag aus. Findet Columbus keine Verwendung für den 22-Jährigen, könnte eine Rückkehr in die Schweiz zum Thema werden. Eine interessante Personalie ist für Kläy auch der Verteidiger Tobias Geisser, der mit Zug in der National League den Durchbruch geschafft hat. Die Washington Capitals sicherten sich 2017 die Rechte am 20-jährigen Obwaldner, bei den Hershey Bears in der AHL hat er in seiner zweiten Saison aber einen schweren Stand. Kläy sagte: «Es kann sich lohnen, Geduld zu haben und die Entwicklungen abzuwarten. Es gibt viele mögliche Kombinationen, darunter auch das Szenario mit einem ausländischen Verteidiger.» Fortsetzung folgt.