EVZ-Sportchef Reto Kläy sagt: «Vielleicht brauchen wir das Messer am Hals»

Nach den beiden Spielen am Wochenende hat der EV Zug die Hälfte der Qualifikation absolviert. Trotz durchzogener Leistungen steht er nach Verlustpunkten auf dem dritten Tabellenrang.

Sven Aregger
Hören
Drucken
Teilen
Nach dreiwöchiger Verletzungspause gibt EVZ-Torhüter Leonardo Genoni am Wochenende sein Comeback.

Nach dreiwöchiger Verletzungspause gibt EVZ-Torhüter Leonardo Genoni am Wochenende sein Comeback. 

Roger MÜller, Freshfocus

Mit dem Heimspiel am Samstag gegen die SCL Tigers und der Partie am Sonntag in Ambri schliesst der EV Zug die erste Hälfte der Qualifikation ab. Wohl noch nie zuvor stand der Klub so stark im Fokus wie in der laufenden Saison. Das hat insbesondere mit den prominenten Neuzuzügen Grégory Hofmann und Leonardo Genoni zu tun. Stürmer Hofmann macht da weiter, wo er vergangene Saison in Lugano aufgehört hat: Er schiesst Tore. Mit 16 Treffern führt er die Torschützenliste in der National League an. Torhüter Genoni hingegen, der fünffache Meister mit Bern und Davos, hat noch nicht sein gewohntes Level erreicht. Nach einer dreiwöchigen Pause wegen Adduktorenproblemen wird er am Wochenende eines der beiden Spiele bestreiten. Zuletzt wurde er vom jungen Luca Hollenstein hervorragend vertreten.

Verstärkung aus Übersee

Genoni und Hofmann stehen sinnbildlich für ein Zuger Team, das in der Offensive fraglos über grosse Qualitäten verfügt, aber defensiv in der ersten Quali-Phase nicht über alle Zweifel erhaben war. Allgemein fehlt es dem aktuellen Tabellensechsten an Beständigkeit. Noch hat er nicht jene unwiderstehliche Dynamik entwickelt, die im ersten Jahr unter Trainer Dan Tangnes die Hockey-Schweiz begeistert und den EVZ bis in den Playoff-Final geführt hatte. Verletzungsbedingte Ausfälle von Stammkräften erschwerten die Aufgabe für die Zuger zusätzlich. Zur Verstärkung der Abwehr kehrt Tobias Geisser (20) leihweise bis Ende Saison aus Nordamerika zurück. Das EVZ-Eigengewächs unterschrieb 2018 einen Einstiegsvertrag bei der NHL-Franchise Washington Capitals, in seinem zweiten Jahr im Farmteam Hershey Bears (American Hockey League) kam er zuletzt aber nur spärlich zum Einsatz. Offen ist, ob er bereits am Dienstag in der Champions League zur Verfügung stehen wird. Kommt eine Leihe über die Saison hinaus in Frage? Sportchef Reto Kläy sagt: «Das liegt leider nicht in unseren Händen, weil Tobias bei Washington unter Vertrag steht. Es hängt von vielen Faktoren ab, auch von seiner Entwicklung.»

Bemerkenswert ist: Trotz durchzogener Leistungen steht Zug nach Verlustpunkten auf dem dritten Tabellenrang. Für Kläy ist die Rangierung ein Indiz dafür, dass die Liga nochmals ausgeglichener geworden ist. «Viele Leute glauben immer noch, dass es in der National League eine Klassentrennung gibt. Aber jedes Spiel ist ein Kampf. Wenn wir unsere PS nicht aufs Eis bringen, werden wir sofort bestraft.» So ist es dem EVZ bisher nicht gelungen, regelmässig über 60 Minuten stabil zu bleiben. «Wir geraten zu oft in Stresssituationen, die uns in gewissen Spielphasen aus dem Konzept bringen», sagt Kläy. «Positiv ist, dass wir auf Rückschläge meist gut reagieren können. Vielleicht brauchen wir das Messer am Hals.»