Der Präsident des EV Zug will nahe an der Mannschaft sein

Hans-Peter Strebel ist Präsident des EV Zug, ein Visionär und ein vielbeschäftigter Mann. Er äussert sich zu fünf Stichworten.

Sven Aregger
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Hans-Peter Strebel in seinen Büroräumlichkeiten in Luzern. Bild: Dominik Wunderli (17. April 2019)

Hans-Peter Strebel in seinen Büroräumlichkeiten in Luzern. Bild: Dominik Wunderli (17. April 2019)

Nach zweiwöchiger Pause nimmt der EV Zug den Meisterschaftsbetrieb wieder auf, er empfängt heute den wiedererstarkten HC Davos. Derweil laufen die Arbeiten am Spitzensportzentrum On Your Marks (OYM) in Cham auf Hochtouren, im März ist die Eröffnung. EVZ-Präsident Hans-Peter Strebel, der das Zentrum für 100 Millionen Franken als Privatmann realisiert, hat derzeit alle Hände voll zu tun. Er spricht über sein Herzensprojekt, den Zuger Saisonstart, Erwartungen und Visionen.

OYM

«Ende Jahr ist der Bau mehr oder weniger abgeschlossen. Im April beginnt der Betrieb. Das Schweizer A-Nationalteam wird sich im OYM auf die Heim-WM vorbereiten, ebenso die U18-Nationalmannschaft auf die WM in den USA. Der EV Zug zügelt mit seinen vier Leistungsteams nach den Playoffs ins Zentrum. Wir arbeiten derzeit intensiv an unseren Kernkompetenzen Athletik, Ernährung, Gesundheitsmanagement und Forschung. Die Ernährungswissenschafter definieren zum Beispiel, welche Bestandteile das Essen für die Athleten vor und nach sportlichen Betätigungen haben muss, zwei Diätköche werden ihre Vorgaben präzise umsetzen. In der Athletik werden die wissenschaftlichen Tests vorbereitet. Sie ermöglichen individualisierte Inputs fürs Training, damit jeder Athlet bestmöglich seine persönlichen Leistungsziele erreichen kann. Auch die Zusammenarbeit mit Verbänden rückt voran, sei es im Volleyball, Basketball oder Handball. Grosses Interesse bekunden zudem Einzelsportler, etwa aus dem Skibereich und Schwingen. Die Athleten können sich sportartenübergreifend austauschen, was sehr inspirierend sein kann. Im OYM gibt es auch ein Auditorium für kulturelle Anlässe. Dabei können die Künstler den Sportlern vermitteln, wie intensiv sie für Höchstleistungen arbeiten müssen. Da gibt es ja durchaus Parallelen. Die Verletzungsprävention hat ebenfalls einen hohen Stellenwert. Es sind Chiropraktiker und Physiotherapeuten vor Ort. Insgesamt werden wir 50 bis 60 Mitarbeiter beschäftigen.»

Saisonstart

«Noch läuft nicht alles optimal. Wir sind uns bewusst, dass es viele andere gute Mannschaften gibt, das macht den Reiz des Schweizer Eishockeys aus. Es wäre schlecht für unser Produkt, wenn nur ein Team dominieren würde. Entscheidend ist, dass eine Mannschaft sich weiterentwickelt, dass sie in den Playoffs für den Wettbewerb bereit ist. In der Qualifikation muss die Belastung der einzelnen Spieler auf einem vernünftigen Mass bleiben, davon kann man im Saisonfinish profitieren. Wenn die Mannschaft harmoniert und zielstrebig spielt, ist sie erfolgreich. Das ist ein Prozess. Ich bin von der Qualität des Teams überzeugt und mache mir keine Sorgen. In der Vereinsführung neigen wir sowieso nicht zur Hektik, es gibt keine Schnellschüsse. Diese Unternehmenskultur ist extrem wichtig für die ganze Organisation, sie schafft Vertrauen. Als leidenschaftlicher Fan freue ich mich wahnsinnig über Siege und leide mit der Mannschaft, wenn sie verliert. Ich habe stets ein offenes Ohr und unterhalte mich oft mit den Spielern. Ich könnte die Fäden nicht nur in einem Büroraum ziehen, ich will nahe am Team sein, an seinen Freuden und Sorgen teilhaben. An meinem 70. Geburtstag durfte ich mit der Mannschaft einen Spieltag verbringen. Sie wollte sogar, dass ich zum Warm-up mit aufs Eis komme, ich lehnte dankend ab. (lacht) Ich bin Präsident einer Organisation, die hervorragende Arbeit in der Entwicklung von jungen Spielern leistet. Vor ein paar Wochen haben wir vom Verband eine Auszeichnung erhalten – als bester Ausbildungsklub der Schweiz. Es ist schön, wenn unsere Bemühungen anerkannt werden. Nachwuchsspieler in den Profibereich zu integrieren, ist ein zentrales Anliegen des Klubs.»

Erwartungshaltung

«Die medial überschwänglichen Erwartungen sind eine schlechte Botschaft für die Mannschaft. Gerade die jungen Spieler lesen permanent, wie gut sie sind. Sie glauben dann, alles gehe von alleine. Das ist ein Trugschluss. Kämpft nur einer nicht mit vollem Einsatz, zieht er von seinen Mitspielern Energie ab, was dann zu einem schlechten Ergebnis führt. Natürlich hat auch die Organisation hohe Ansprüche, wir streben Titel an und tun alles dafür. Das ist ein Signal an die Spieler, sie sollen wissen, was die Organisation möchte. Das OYM wird uns helfen, unsere Ziele zu realisieren. Ich stehe nach wie vor hinter meiner Aussage vom vergangenen Jahr, dass Zug in Zukunft eine Macht sein wird.»

Neuzugänge

«Sie sind noch nicht da, wo sie stehen können. Aber ihr Spirit und ihr Ehrgeiz beeindrucken mich. Sie sind auch selbstkritisch und arbeiten täglich daran, sich zu verbessern. Die jungen Spieler können an ihnen wachsen. Die statistischen Werte von Torhüter Leonardo Genoni könnten natürlich besser sein. Aber ich bin mir sicher, dass auch er etwas Anlaufzeit braucht, um sein ganzes Können zu zeigen. Wenn es dann darauf ankommt, bringt man den Puck nur schwer an ihm vorbei. Leo ist ein intelligenter Mann und weiss ganz genau, zu welchen Leistungen er fähig ist. Alle unsere Neuzugänge werden noch eine tragende Rolle spielen.»

Zukunftspläne

«In meinem Leben sind viele verrückte Sachen passiert, die mit Visionen und harter Arbeit verbunden waren. Momentan habe ich aber kaum Zeit für Träume, ich bin mit dem EVZ und dem OYM ausgelastet. Die Arbeit macht mir nach wie vor grossen Spass. Dennoch befasse ich mich mit der Zukunft, sonst wäre ich kein guter Entscheidungsträger. Eines Tages wird Sohn Matthias mein Erbe antreten. Er ist Co-Chefarzt am Kantonsspital Nidwalden und schon jetzt mit einem 20-Prozent-Pensum im OYM tätig. Im nächsten Jahr wird er in den EVZ-Verwaltungsrat eintreten und auch dort hinter die Kulissen sehen. Das verschafft mir eine gewisse Ruhe.»