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EVZ-Torhüter Genoni: «Ich will Teil von etwas Grossem sein»

Der neue EVZ-Goalie Leonardo Genoni nimmt Stellung zu 15 Stichworten.
Sven Aregger
Meister-Goalie Leonardo Genoni ist der neue Rückhalt des EV Zug. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 5. August 2019)

Meister-Goalie Leonardo Genoni ist der neue Rückhalt des EV Zug. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 5. August 2019)

Ein Freitag im August, Leonardo Genoni (32) erscheint in T-Shirt und Jeans im Restaurant am Zugersee. Zwei Buben erkennen ihn und bitten um Fotos. Der neue EVZ-Torhüter posiert mit den Kindern, bevor er sich setzt und ein Mineralwasser bestellt. Dann konzentriert er sich auf das Gespräch, das sich um 15 Stichworte dreht.

Goalie

«Er ist exponiert, mit seiner Ausrüstung und dem Maskenhelm unterscheidet er sich von den Feldspielern und zieht automatisch die Blicke auf sich. Das ist meine Traumposition. Schon mit 5 oder 6 Jahren habe ich in der Hockeyschule als Torhüter geschnuppert, es hat mir gleich gefallen und mich seither nicht mehr losgelassen. Ich stehe jeden Morgen auf und gehe aufs Eis, und es macht mir immer noch Spass. Im Hockey ist der Goalie sehr wichtig, aber ich würde ihn nicht über einen anderen Spieler stellen. Unsere Aufgabe ist es, die Fehler der Vorderleute auszubügeln und ihnen Sicherheit zu vermitteln. Ein guter Goalie kann motivieren, er gibt dem Team ein gutes Gefühl, bleibt unaufgeregt und hilft seinen Kollegen, auch wenn er nicht stark am Spiel beteiligt ist. Zwischen einem guten und einem sehr guten Goalie sind die Unterschiede klein, die Abwehrquoten bewegen sich innerhalb von wenigen Prozenten. Ich bewundere auch die Torhüter in anderen Sportarten – im Feldhockey zum Beispiel, im Handball oder Fussball. Die Fussballgoalies stehen in einem grossen Tor, aber sie wehren auch Schüsse ab, die eigentlich unhaltbar scheinen. Das ist faszinierend.»

Heim-WM 2020

«Sie bietet eine grosse Chance für das Schweizer Eishockey, das sich in den letzten zehn Jahren enorm weiterentwickelt hat und mittlerweile viel Ansehen und Medienpräsenz geniesst. Wenn es uns gelingt, ein Hockeyfest aufzuziehen, wird die Begeisterung noch zunehmen. Ich will mir unbedingt einen Platz im Team sichern. An den letzten drei Weltmeisterschaften habe ich Hochs und Tiefs erlebt. Die Heim-WM ist eine neue Gelegenheit, sich auf hohem Niveau zu präsentieren. Die Schweiz kann in einem einzelnen Spiel jeden Gegner schlagen, aber auch gegen jeden verlieren, obschon wir zuletzt gegen die schlechter klassierten Nationen nie zittern mussten. Im Frühling sind wir im WM-Viertelfinal äusserst knapp gegen Kanada ausgeschieden, aber nüchtern gesehen haben wir an diesem Turnier vier Spiele gewonnen und vier verloren. Wir waren nicht so gut, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es muss noch immer alles zusammenpassen, damit wir eine grosse Hockeynation schlagen können. Es braucht den absoluten Willen zum Sieg. Der Traum von einer Medaille an der Heim-WM ist vorhanden. Aber ich weiss, der Weg ist lang, und es verträgt kaum Nachlässigkeiten.»

Arno Del Curto

«Arno hat mir die Chance gegeben, dass ich mich in der NLA etablieren konnte. Er hat mir und Reto Berra, zwei jungen Goalies, das Vertrauen geschenkt. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Sein Mut, mit jungen Torhütern zu arbeiten, war jahrelang sein Erfolgsrezept. Das Modell ist bis heute einzigartig in der Schweiz. Ich habe neun wunderbare Jahre in Davos erlebt. Nach meinem Wechsel zu Bern haben wir den Kontakt etwas verloren. Ich kann deshalb nicht beurteilen, ob Arno als Trainer ins Hockey zurückkehren wird.»

NHL

«Die beste Liga der Welt. Letztes Jahr habe ich mit Bern gegen die New Jersey Devils gespielt, es war eine eindrückliche Erfahrung. Die Torhüter in der NHL sind aussergewöhnlich. Im vergangenen Sommer hat Nashville-Goalie Pekka Rinne eine Woche lang in Bern trainiert. Und gegen Boston-Keeper Tuukka Rask habe ich an der U18-WM gespielt, er hat ungefähr die gleiche Grösse wie ich. Ich bewundere diese Goalies, wie sie mit den Augen arbeiten, jeder Scheibe nachgehen und fast keine Tore kassieren. Zu Beginn meiner Profikarriere sind Wechsel nach Nordamerika noch eine Ausnahme gewesen. Später haben mir die Einsätze auf internationaler Ebene gefehlt, um mich zeigen zu können. Ich spielte nie in der NHL, aber ich trauere dem nicht nach. In der Schweiz habe ich genug Herausforderungen und Ziele.»

Jonas Hiller

«Ein guter Freund und eine grosse Persönlichkeit. Wir hatten in Davos den gleichen Mentor, Marcel Kull. Ich war beeindruckt, wie Jonas nach dem Wechsel in die NHL sein Spiel perfektionieren konnte. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz hat er nahtlos daran angeknüpft. Nun hat er den Rücktritt auf 2020 bekanntgegeben. Er wird mit Biel topmotiviert in seine letzte Saison gehen.»

Hörgeräte

«In meiner Zeit bei den GCK Lions habe ich einen Schlag gegen den Kopf erhalten, vier Monate bin ich wegen einer Gehirnerschütterung ausgefallen. Ich habe auf beiden Ohren nicht mehr normal gehört, auch ein Tinnitus hat mir zu schaffen gemacht. Aber ich habe mich damit arrangiert und fast zehn Jahre lang nichts dagegen unternommen. Heute bereue ich das. Ich hätte nicht gedacht, dass die Hörgeräte mir so stark helfen würden. Ich habe plötzlich wieder das Zwitschern der Vögel und das Rascheln von Zeitungen wahrgenommen. Durch die Hörgeräte habe ich viel Lebensqualität zurückgewonnen.»

Giulien (7), Emilia (5) und Gianni (2)

«Ich bin ein Familienmensch und geniesse die Zeit mit meinen Kindern. Als Hockeyspieler ist man abends oft unterwegs. Aber dafür kann ich am Nachmittag mit den Kleinen zu Hause spielen. Giulien ist nun in der Schule, es ist schön, die Kinder aufwachsen zu sehen.»

1998 (erster und bisher einziger EVZ-Meistertitel)

«Hmm, Fussball-WM in Frankreich ... (schmunzelt) Ich weiss, worauf Sie hinaus wollen. Der Meistertitel ist für den EV Zug natürlich ein Ziel. Seit der Eröffnung der Bossard-Arena 2010 hat sich die Organisation enorm weiterentwickelt, das Potenzial und der Wille sind vorhanden. Aber ob wir Favorit sind? Damit können vielleicht die Medien etwas anfangen, wir Spieler sicher nicht. Und man darf nicht vergessen: Es gibt noch elf andere Mannschaften, die ebenfalls erfolgreich sein wollen. Aber es ist schon so: Ich will in Zug Teil von etwas Grossem sein. Ich bin sehr ehrgeizig und ich verlange viel von mir. Von den hohen Erwartungen im Umfeld lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Mit Druck muss man umgehen können – gerade als Goalie, der nach einem Fehler meistens ein Gegentor kassiert.»

Zuger Kirschtorte

«Drei Berner Fans haben mir letzte Saison, als der Wechsel zum EVZ bekannt wurde, eine Zuger Kirschtorte mit fast einem Meter Durchmesser geschenkt. Sie hatte viel Alkohol drin. (lacht) Nein, sie hat mir geschmeckt. Es wird nicht meine letzte Kirschtorte gewesen sein.»

Luca Hollenstein (zweiter EVZ-Goalie)

«Ich bin beeindruckt von seiner Qualität. Er ist erst 19-jährig und spielt schon ein sehr gutes Hockey, unsere Spielweise ist ähnlich. Ich habe ihn an einem Grillfest kennen gelernt und sofort gedacht: Das ist der junge Leo. Luca ist ein sehr überlegter Mensch, er steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Ich mag seine Einstellung zum Hockey und zum Leben. Ich kann ihm Tipps geben, aber ich erwarte das Gleiche auch von ihm. Es ist ja nicht so, dass ich alles kann und alles weiss. Wir funktionieren nur zusammen.»

Älterwerden

«Ich fühle mich nicht alt und habe auch keine Schmerzen. Da ich keine Checks einstecken muss, nützt sich mein Körper nicht so schnell ab wie bei einem Feldspieler. In all meinem Profijahren haben sich die Trainingsmethoden stark gewandelt. Als ich bei den GCK Lions begonnen habe, hat es die ersten Videoanalysen gegeben. Heutzutage wird das ganze Training aufgenommen. Ich glaube, ich kann mich noch immer verbessern. Ich beobachte andere Goalies und sehe Details, die ich in meinem Spiel integrieren will.»

AC Milan

«Als Bub war ich ein Fan des Klubs. Kürzlich bei meinem Umzug habe ich ein altes Trikot gefunden, da sind Erinnerungen an die glorreichen Zeiten in den 1990er-Jahren wachgeworden. Meine Brüder haben Juventus Turin die Daumen gedrückt, sie hatten in den vergangenen Jahren deutlich mehr Grund zur Freude als ich.»

Politik

«Ich will in unserer gut funktionierenden Demokratie mitbestimmen und gehe deshalb wählen. Das Weltgeschehen verfolge ich intensiv, ich interessiere mich für Hintergründe. Aber es wäre nicht gescheit, wenn ich hier meine politischen Standpunkte ausbreiten würde.»

Trikotnummer 30

«Ich muss Sie enttäuschen, sie hat keine spezielle Bedeutung. Im Nationalteam ist sie früher die höchste wählbare Nummer gewesen. Für die Goalies sind nur die 1, 5, 25 und 30 in Frage gekommen. Ich habe mich für die 30 entschieden, die später auch in den Klubs immer verfügbar gewesen ist. Für mich ist nicht die Zahl auf dem Rücken wichtig, sondern was vorne auf dem Leibchen steht.»

Schwingfest

«Ich stamme aus Kilchberg, dort gibt es ja den Kilchberger Schwinget, sozusagen die Olympischen Spiele des Schwingens. Ich habe mich schon einige Male mit Christian Schuler unterhalten und bin überzeugt, dass er am Eidgenössischen weit vorne klassiert sein wird. Aber wenn ich wetten müsste, würde ich auf einen Berner setzen – vielleicht auch deshalb, weil sie momentan im Tief sind. Christian Stucki wird König.» (Das Gespräch fand kurz vor dem Eidgenössischen statt, Schwingerkönig wurde bekanntlich ... der Berner Christian Stucki).

Der Zürcher Leonardo Genoni gilt als bester Goalie der Schweiz. Er wurde bisher viermal Schweizer Meister, 2011 und 2015 mit Davos sowie 2017 und 2019 mit Bern. Beim EV Zug hat er einen Fünfjahresvertrag unterschrieben.

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