EVZ-Verteidiger Alatalo sagt: «Die guten Tage liegen noch vor uns»

Der EV Zug will in der Champions League um den Titel spielen. Bereits im Achtelfinal wartet eine happige Aufgabe.

Sven Aregger
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Duell in der Gruppenphase: Zugs Yannick-Lennart Albrecht (vorne) behauptet sich gegen Hämeenlinnas Niklas Friman. Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 31. August 2019)

Duell in der Gruppenphase: Zugs Yannick-Lennart Albrecht (vorne) behauptet sich gegen Hämeenlinnas Niklas Friman. Bild: Claudio Thoma/Freshfocus (Zug, 31. August 2019)

Der EVZ-Verteidiger Santeri Alatalo erinnert sich gut an jenen Spätsommertag 2015, als Tappara Tampere dem EV Zug eine Lektion erteilte. Die Finnen fegten das Heimteam in der Gruppenphase der Champions League mit 7:0 vom Eis, Schweizer Zeitungen schrieben von einem «Debakel». Und Alatalo sagt heute: «Es war blamabel.» Seit dieser denkwürdigen Zuger Niederlage sind über vier Jahre vergangen. Und nun treffen die beiden Mannschaften erneut aufeinander, diesmal im Achtelfinal der Champions League. Der EVZ tritt am Dienstag (18 Uhr) zunächst in Tampere an. Natürlich lassen sich die Mannschaften von damals nicht mehr miteinander vergleichen. So hat gerade der EV Zug eine grosse Metamorphose durchlebt, er ist mittlerweile ein ernsthafter Titelkandidat in der National League und hat in diesem Frühjahr erstmals den Schweizer Cup gewonnen. Aber international haben die Zuger noch keine grossen Stricke zerrissen, obschon sie ein Stammgast in der Champions League sind. Spätestens nach der ersten K.o-Runde war Schluss. Das Gleiche lässt sich auch über Tappara sagen, und es versteht sich von selbst, dass beide Teams diesen Missstand korrigieren wollen.

Bachofner und Morant fehlen dem EVZ länger

Tappara Tampere ist der einzige verbliebene Vertreter aus dem Weltmeister-Land. Gleichwohl muss sich Zug auf eine schwierige Aufgabe einstellen, auf einen «harten Brocken», wie Sportchef Reto Kläy sagt. Der 17-fache finnische Meister dominiert gegenwärtig die heimische Liiga, er hat nur eines der 19 Meisterschaftsspiele nach 60 Minuten verloren. In der Gruppe A der Champions League klassierte er sich hinter dem EHC Biel auf dem zweiten Rang. Die Bilanz gegen die Seeländer ist ausgeglichen, beide Klubs gewannen ihre Heimspiele jeweils mit 1:0. «Tappara ist eine der besten Mannschaften in Europa, noch besser als Hämeenlinna», sagt Alatalo, der Finne mit Schweizer Lizenz, der in Tampere geboren ist und unter dem heutigen Tappara-Trainer Jukka Rautakorpi bei Hämeenlinna die ersten Erfahrungen im Profi-Eishockey sammeln konnte. Alatalo sagt: «Jukka Rautakorpi hat die Leistungskultur von Hämeenlinna nach Tampere mitgenommen. Er verlangt viel von seinen Spielern.»

Der EVZ, der in diesem Herbst unter anderem auf Alatalos Stammverein Hämeenlinna traf, gewann die Gruppe B souverän. Nur in zwei Spielen musste er sich geschlagen gegeben, beide Male erst nach Penaltyschiessen. Er kann die K.o-Phase mit Selbstvertrauen angehen – auch wenn die Vorbereitung nicht optimal verlief. Da sieben Spieler mit ihren Nationalteams unterwegs waren, konnten die Zentralschweizer nur dezimiert trainieren. Der Stürmer Jérôme Bachofner, der wegen einer Handverletzung vorzeitig aus dem Camp der Schweizer Nationalmannschaft abreiste, muss operiert werden und fällt rund drei Monate aus. Auch der Verteidiger Johann Morant (Knieprellung) fehlt vier bis sechs Wochen. «Wir haben in der Nationalmannschaftspause an spezifischen Details gearbeitet, für die ansonsten weniger Zeit bleibt», erzählt Alatalo. «Ausserdem bekamen wir ein paar freie Tage. Es tat gut, mal den Kopf zu lüften und auch Leute ausserhalb des EV Zug zu treffen. Seit August haben wir Spieler uns ja fast täglich gesehen, etwas Abstand kann da manchmal nicht schaden.» Trainer Dan Tangnes sagt: «Im Training ging es auch darum, Spass zu haben.»

Halbfinal war für Schweizer bisher immer Endstation

Neben Zug und Biel stehen auch Bern und Lausanne in den Achtelfinals, nur Ambri musste sich bereits nach den Gruppenspielen verabschieden. In der vergangenen Saison, als sich sämtliche vier Schweizer Vertreter für die K.o.-Phase qualifizierten, überstand kein Team aus der National League die erste Runde. Seit der Wiederbelebung der Champions League im Jahr 2014 ging die Trophäe ausschliesslich an skandinavische Mannschaften, viermal nach Schweden, einmal nach Finnland. Das Höchste der Gefühle für Schweizer Teams war bisher der Einzug in den Halbfinal (Davos 2015 und Fribourg 2016). Die Schweizer haben mit dem Wettbewerb also noch eine Rechnung offen, zumal eine erfolgreiche Kampagne der Popularität des Formats in hiesigen Gefilden zweifellos zuträglich wäre.  

Der EV Zug jedenfalls hat sich für die laufende Saison hohe Ziele gesetzt, dazu gehört der Gewinn der Champions League. Auch angesichts des durchzogenen Starts in der Meisterschaft sagt Santeri Alatalo: «Wir haben unsere besten Spiele noch nicht gezeigt. Die guten Tage liegen noch vor uns.» Ein Denkzettel wie 2015 gegen Tappara Tampere soll sich schliesslich nicht wiederholen.

Champions League Achtelfinals mit Schweizer Beteiligung. Hinspiele. Heute, 18.00: Tappara Tampere – Zug. Pilsen – Lausanne. – 19.30: Augsburger Panther – Biel. – 19.45: Bern – Lulea.