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Der perfekte Sieg für Zug – geht die Reise bis nach China?

Dramatischer geht nicht. Zug holt in Bern gegen den Meister ein 0:3 auf und gewinnt nach Penaltys 5:4. Der Haudegen Josh Holden (41) hat mit einer Premiere grossen Anteil am Sieg.
Klaus Zaugg aus Bern
Zuger verabschieden sich mit einem Sieg gegen den Meister in die Nationalmannschaftspause. Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 2. November 2019)

Zuger verabschieden sich mit einem Sieg gegen den Meister in die Nationalmannschaftspause. Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 2. November 2019)

Der SCB lebt noch. Leidenschaft, Mut, Fleiss und Wille sind ungebrochen. Die Reaktion auf die Niederlage vom Vorabend (0:5 in Lausanne) ist heftig. Nach 2 Minuten und 33 Sekunden steht es schon 2:0. Dan Tangnes nimmt ein Time-Out, um seine durcheinandergeratene Schar zu ordnen. Es nützt nichts. Nach 10 Minuten und 25 Sekunden führt der Meister 3:0. Wellen der Begeisterung brausen durch Europas grössten Hockeytempel. 3:0 im eigenen Stadion! Mit dem grossen taktischen Feldherren Kari Jalonen an der Bande! Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Hat jemand Krise gesagt?

Kultstürmer Tristan Scherwey hatte nach dem 0:5 am Vorabend in Lausanne vor laufenden TV-Kameras gefordert, nun müsse man den Finger aus dem A…nehmen. Wahrlich, so ist es nun geschehen. Zug ist der perfekte Gegner, um aus der Krise zu kommen. Die Motivation gegen den Finalgegner ist maximal und die Berner haben keine Angst vor einer Mannschaft, die sie in drei Jahren zweimal im Final gebodigt haben.

Der Sieg hat mehrere Väter

Doch am Ende gewinnt Zug 5:4 nach Penaltys. Um das Unfassbare begreiflich zu machen, hier die zwei wichtigsten Stationen auf dem Weg zum Sieg: In der 26. Minute die Chance für den SCB, im Powerplay von 3:1 auf 4:1 zu erhöhen. Nach Ablauf der Strafe von Jesse Zgraggen steht es nur noch 3:2. In der 34. Minute rumpelt Johann Morant SCB-Topskorer Mark Arcobello in die Bande und wird in die Kabine geschickt. Die Chance, auf 4:2 zu erhöhen. Nach Ablauf der Fünfminutenstrafe steht es 3:3.

Das zweite Drittel bringt mit der Aufholjagd vom 1:3 zum 3:3 mit zwei Zuger Treffern in Unterzahl die Wende. Also ist in der ersten Pause in der Kabine der Zuger etwas passiert. Trainer Dan Tangnes erzählt: «Eigentlich sagt Josh Holden während den Pausen fast nie etwas. Aber nach dem ersten Drittel hat er in der Kabine das Wort ergriffen. Er hat so viel Erfahrung, er hat so oft in Bern gespielt und weiss, wie sich ein Spieler in dieser Situation fühlt.» Josh Holden habe die Spieler aufgerüttelt und ihnen wieder Mut gemacht. Nicht durch Kritik. Sondern durch einen leidenschaftlichen Appell, Verantwortung zu übernehmen und die Fehler nicht beim Mitspieler zu suchen. Dieser starke Auftritt in der ersten Pause war sozusagen eine Premiere für den eingebürgerten Kanadier. Obwohl es ja bereits seine zweite Saison an der Bande ist. Dan Tangnes sagt: «Ich kann mich nicht erinnern, dass er schon einmal so das Wort ergriffen hat.»

Der Sieg hat natürlich mehrere Väter. Einer ist Carl Klingberg. Mit dem ersten Treffer zum 1:3 nur 43 Sekunden nach dem 0:3 hält er die Zuger im Spiel und verhindert den Zusammenbruch. Mit dem zweiten Tor zum 3:3 in Unterzahl gibt er ihnen den Glauben an den Sieg zurück. Im Penaltyschiessen verwertete er gleich den ersten Versuch. Trainer Dan Tangnes lobte die Führungsqualitäten und die Konstanz des schwedischen Stürmers, der jetzt einen Punkt pro Spiel erzielt hat. «Er ist ein Leader. Nicht nur auf dem Eis, auch in der Kabine. Er bestimmt, welche Musik gespielt wird…» Carl Klingberg ist Zugs Kabinen-DJ.

Und trotz einer Fangquote von leidglich 86,21 Prozent ist auch Leonardo Genoni einer der Väter des Sieges. Er stoppt drei der vier Penaltyversuche der Berner, Niklas Schlegel nur einen der vier der Zuger. Es ist in diesem Spiel offensichtlich: Die Zuger glauben, dass sie einen grossen Torhüter haben. Obwohl es «nur» ein gewöhnlicher Leonardo Genoni ist. Das hilft. Das macht Mut. Den Bernern fehlt dieser Glaube.

Etwas Unordnung in der Werkzeugkiste

5:4 nach Penaltys. Es ist trotz aller spielerischen und taktischen Unzulänglichkeiten ein perfekter Sieg. Ein Triumph auswärts gegen den Meister beruhigt die Gemüter in schwierigen Zeiten. Und dieses Spiel hat gezeigt, dass die Zuger eigentlich alles haben, um eine Meisterschaft zu gewinnen. Oder wie es die Nordamerikaner sinngemäss sagen: Alle Werkzeuge sind vorhanden, nun müssen sie in der Werkzeugkiste richtig eingeordnet werden. Zurzeit herrscht schon noch etwas Unordnung in der Zuger Hockey-Werkzeugkiste.

Dan Tangnes ist nicht unglücklich darüber, dass seine Mannschaft in der ersten Saisonphase ihrer Favoritenrolle noch nicht ganz gerecht geworden ist. «Wir lernen in schwierigen Zeiten mehr und wir müssen lernen, mit den hohen Erwartungen im Umfeld umzugehen.» Er spricht sogar von unrealistischen Erwartungen, hält kurz inne und korrigiert: Von seiner Mannschaft den Gewinn der Meisterschaft zu erwarten, sei nicht unrealistisch.

Die 50 Qualifikationspartien nützen, um die Feinabstimmung zu finden und Ordnung in der Werkzeugkiste zu schaffen. Aber auch, um als Mannschaft zusammenzuwachsen. Dan Tangnes sagt, es gelte, schwierige Zeiten durchzustehen und sich wenn nötig gemeinsam «bis nach China durchzukämpfen.» Nun, grad bis China muss es nicht sein. Eine Reise bis in den Playoff-Final tut es auch.

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