Auf einer Mission mit ehrlicher Arbeit

Analyse zum EV Zug

Andreas Ineichen, Sportchef
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Der EVZ zeigt sich derzeit von seiner besten Seite: Die Spieler bedanken sich nach dem 5:1-Sieg gegen Lausanne bei den Fans. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 9. Dezember 2016))

Der EVZ zeigt sich derzeit von seiner besten Seite: Die Spieler bedanken sich nach dem 5:1-Sieg gegen Lausanne bei den Fans. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 9. Dezember 2016))

Der SC Bern und die ZSC Lions? Na klar, dominieren die finanzkräftigen Branchenleader die Qualifikation. Der eine ist Titelverteidiger, der andere Qualifikationssieger der letzten drei Saisons. Und mittendrin im Kampf um die Tabellenspitze? Der EV Zug. Keine Überraschung, vielleicht. Der Klub war ja schon in den letzten beiden Spielzeiten ganz vorne dabei, um danach jeweils in der ersten Runde der Playoffs auszuscheiden. Kein Grund also, um die Hierarchie im Schweizer Eis­hockey neu festzulegen?

Wahrscheinlich schon. Und doch kann sich das Momentum des ersten Aussenseiters einstellen. Weil dieser EV Zug schon in den letzten Wochen und Monaten Playoff-Eishockey gespielt hat. Weil er einen Plan hat und eine Mannschaft, in der sich alle Spieler einem grossen Ziel zu unterordnen scheinen. Sie wollen sich in der Saison des 50-jährigen Vereinsbestehens von ihrer besten Seite zeigen und die letzten drei Saisons vergessen machen, die wohl kein Spass für all jene waren, die den EVZ im Herzen tragen. Ein Team, eine Mission.

Dieses Bonmot ist allerdings bekannt und umso schneller dahergeredet. Was überzeugt bei diesem EV Zug letztlich?

Er spielt seit Saisonbeginn weit über dem Limit, das man erwarten durfte. Warum? Er hat das letztlich erfolglose Spektakel, das durch die Person des Ausnahmekönners Pierre-Marc Bouchard verbürgt war, durch bodenständige, ehrliche Arbeit ersetzt. Und durch ein System, das den Fähigkeiten der Einzelspieler entspricht. Mit der Konsequenz, dass die Zuger nicht mehr vorne in der Hitliste der besten Punktejäger brillieren. Dafür punkten sie dort, wo sich Meisterteams zu positionieren wissen: Alle Egos verstehen sich, einem gemeinsamen Ziel zu unterwerfen. Der Erfolg steht über allem und jedem.

Woran lässt sich das ablesen? Zug steht für unerbittliche Defensivarbeit. Damit er sich zu einem Gegentor verleiten lässt, muss der Konkurrent sein bestes Hockey auspacken. 9 der 22 Siege, die der EVZ bis zum Jahreswechsel errungen hat, fuhr er mit einem Rückstand oder einem Remis vor Beginn des letzten Drittels ein.

Im umgekehrten Fall hat er nur drei von nunmehr zehn Niederlagen hinnehmen müssen, wenn die Zuger in das letzte Drittel mit einem Vorsprung oder einem Unentschieden stiegen. Dazu kommt, dass die Zuger, getreu ihrer Solidarität, das beste Unterzahlspiel der gesamten Liga stellen. «Meine Spieler glauben an ein gutes Ende, und das setzt Kräfte frei», erklärt sich Trainer Harold Kreis die aktuelle Performance mit zwei Siegen, die sich jeweils in den letzten beiden Dritteln realisieren liessen.

Das Aber existiert auch. Natürlich, bei dieser Ausgangslage. EVZ-Ausländer, die nicht brillieren mit einer Vielzahl an Toren und Assists – dazu die grösste Schwäche dieses EVZ: Er münzt die wenigsten Überzahlgelegenheiten in einen Torerfolg um, in der ganzen Liga, notabene.

Der EV Zug braucht dringend Unterstützung. In der Person eines fünften Ausländers. Dieser muss Center sein, vor allem aber auch produktiv, und er muss wissen, wie Überzahlspiel perfekt funktioniert. Zudem: Er darf sich nicht als Primadonna aufführen. Weil es eine sensible Chemie ist, die den EVZ hält und trägt. «Wir sind auf einer Mission», sagte jüngst Reto Suri, der 2013 mit der Schweiz WM-Silber gewonnen hatte.

Bis Mitte Januar. So lange will sich Sportchef Reto Kläy Zeit lassen, um den passenden Ausländer zu engagieren. Er weiss, dass er in der Bringschuld steht. Seine grosse Aufgabe. Seine Verantwortung.

Andreas Ineichen, Sportchef

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch