Aus und vorbei – 11 Fragen und Antworten zum abrupten Ende der EVZ-Saison

Der EV Zug muss nach dem Saison-Abbruch die Titel-Hoffnungen begraben. Elf wichtige Fragen und Antworten zum «Schwarzen Tag im Schweizer Eishockey».

Philipp Zurfluh
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Geisterkulisse: Im letzten Heimspiel der diesjährigen Saison spielte der EVZ gegen die SCL Tigers.

Geisterkulisse: Im letzten Heimspiel der diesjährigen Saison spielte der EVZ gegen die SCL Tigers.

Bild: Urs Flüeler/Keystone, 28. Februar 2020

Wie reagiert der EV Zug auf den Entscheid, die Saison 2019/20 abzubrechen?

«Ich bin masslos enttäuscht, dass wir unseren Titel-Traum nicht weiter verfolgen können», erklärt Trainer Dan Tangnes. «Bis vor wenigen Tagen war ich mir zu 100 Prozent sicher, dass wir am Dienstag gegen Fribourg in die Playoffs starten.» Der Notstand im Tessin habe schlagartig alles auf den Kopf gestellt. Captain Raphael Diaz kann es noch nicht richtig fassen: «Es fühlt sich wie in einem schlechten Traum an, wie in einem falschen Film. Ich muss das nun verarbeiten. Natürlich respektieren wir den Entscheid. Die Gesundheit geht vor.» Er habe sich in den letzten Tag mental auf Geisterspiele vorbereitet. Der 34-Jährige kann der Situation aber auch etwas Positives abgewinnen: «Nun kann ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.» Auch CEO Patrick Lengwiler ist niedergeschlagen und meint: «Es ist ein schwarzer Tag für den Eishockey-Sport und schwer zu akzeptieren. Es tut mir vor allem leid für unsere Fans.» Doch aufgrund der aktuellen Geschehnisse rund um das Corona-Virus sei der Sport zur Nebensache geworden. «Viele Menschen müssen um ihr Leben fürchten», so Lengwiler.

EVZ-Trainer Dan Tangnes.

EVZ-Trainer Dan Tangnes.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus, Zürich, 29. Februar 2020 

Wie geht es beim EV Zug weiter?

Der Trainingsbetrieb wird komplett eingestellt. Laut Sportchef Reto Kläy sollen die ausländischen Spieler möglichst rasch in ihre Heimat flüchten können, wenn möglich heute oder morgen. Bei den Spielern handelt es sich um Jan Kovar, Andreas Martinsen, Carl Klingberg und Oscar Lindberg. «Man weiss nicht, wann die Grenzen geschlossen werden», sagt der Sportchef. In einigen Ländern wurden die Einreisebestimmungen massiv verschärft. Der Schwede Carl Klingberg wird sich zeitnah mit seiner Familie auf den Weg nach Schweden machen – mit dem Auto. «Ich nehme lieber das Auto als ins Flugzeug zu steigen», sagt der Stürmer. Verteidiger Jesse Zgraggen, der in Kanada aufgewachsen ist, aber eine Schweizer Lizenz besitzt, möchte möglichst bald nach Kanada zu seiner Familie reisen. «Ich halte nach einer guten Flugverbindung Ausschau», erklärt der 26-Jährige.

Wann beginnt der EV Zug mit dem Sommertraining?

«Die Spieler müssen sich in den nächsten Tagen zur Verfügung halten. Wir werden intern kommunizieren, wie es weitergeht», sagt Reto Kläy. Wann das Sommertraining startet, ist unklar.

Welche finanzielle Folgen hat der Saison-Abbruch?

«Es ist ein herber Schlag für die ganze EVZ-Organisation», sagt Patrick Lengwiler und ergänzt: «Wir rechnen mit einem Verlust von rund einer Million Franken. Wir haben aber in den vergangenen Jahren eine gute finanzielle Basis geschaffen, damit wir auch ein sportlich schwächeres Jahr gut verkraften können. Nun werden die finanziellen Mittel für eine aussergewöhnliche Massnahme eingesetzt. Der Saison-Abbruch wird uns aber nicht aus der Bahn werfen.» Laut Lengwiler müssen diverse Veranstaltungen und Versammlungen abgesagt werden, die in naher Zukunft noch stattfinden würden. «Wir müssen schauen, wo wir Einsparungen machen können», sagt der CEO.

EVZ-CEO Patrick Lengwiler.

EVZ-CEO Patrick Lengwiler.

Bild: Boris Bürgisser, Zug, 3. September 2019

Erhalten die Saisonkartenbesitzer Geld zurück?

Das ist laut dem CEO nicht vorgesehen. «Ich bin überzeugt, dass unsere Fans und Sponsoren für diesen Entscheid viel Verständnis aufbringen werden.»

Erwartet der EV Zug finanzielle Forderungen von Sponsoren?

«Wir werden uns in nächster Zeit mit unseren Partnern zusammensetzen und Gespräche führen», sagt Patrick Lengwiler. Er geht nicht davon aus, dass die Sponsoren Geld zurück verlangen. 

Müssen die Spieler auf Prämien verzichten?

Laut Patrick Lengwiler wären beim EV Zug nur im Fall einer Halbfinal-Qualifikation Prämien ausbezahlt worden.

Bleibt Oscar Lindberg dem EV Zug nächste Saison erhalten?

Der Vertrag des schwedischen Stürmers läuft Ende Saison aus. Der EV Zug und Lindberg haben jeweils eine Option, den auslaufenden Vertrag zu verlängern. «Es ist noch nichts entschieden. Wir werden einen Weg finden, um eine Entscheidung zu treffen. Momentan hat das keine Priorität», erklärt Sportchef Reto Kläy. Der schwedische Mannschaftskollege Carl Klingberg macht den EVZ-Fans Hoffnung, dass Lindberg den Zentralschweizern erhalten bleibt. «Er fühlt sich mit seiner Familie sehr wohl in Zug, ich bin optimistisch», so Klingberg.

Wird die Meisterschaft bei den anderen Teams der EVZ-Organisation fortgesetzt?

Nein. Der Saison-Abbruch gilt nicht nur für die National- und Swiss League. Er betrifft alle  Leistungsklassen, inklusive Junioren und Amateursport.

Lebt die Hoffnung, dass vom 8. bis 24. Mai die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz stattfinden wird?

Beim EV Zug können sich die Schweizer Internationalen Leonardo Genoni, Raphael Diaz, Grégory Hofmann und Lino Martschini sowie die Ausländer Andreas Martinsen, Carl Klingberg, Oscar Lindberg und Jan Kovar berechtigte Hoffnungen auf ein WM-Aufgebot machen. Doch die Austragung steht auf der Kippe. Der Schwede Carl Klingberg hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Aber: «Die Gesundheit der Bevölkerung hat ganz klar Priorität. Aus Sicht eines Sportlers ist die WM etwas Einmaliges. Wir können nicht anders als abwarten.»

Werden die ZSC Lions nun zum Schweizer Meister erkoren?

Sämtliche Entscheidungen betreffend Schweizer Meister sowie Auf- und Absteiger werden noch gefällt. Dies geschieht am Freitagmorgen im Rahmen der ausserordentlichen Ligaversammlung. Es wäre das erste Mal seit 1940, dass es keinen Schweizer Meister geben gibt. Ebenfalls ist unklar, ob die National League nächste Saison auf 13 oder 14 Teams aufgestockt wird. Von den vier Halbfinalisten der Swiss-League-Playoffs kommen mit Kloten und Visp zwei Klubs für einen Aufstieg in Frage.

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