BEHANDELT: Kraftakt von EVZ-Physiotherapeut Stefan Lampert für die grosse Show

Die Betreuung der Spieler wird immer professioneller. EVZ-Physiotherapeut Stefan Lampert bringt die Athleten «auf Flughöhe».

Sven Aregger
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Stefan Lampert im Geräteraum der Bossard-Arena.

Stefan Lampert im Geräteraum der Bossard-Arena.

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Stefan Lampert drückt einige Tasten auf dem Laptop. Der Computer ist mit einer Beinpresse verbunden, einem Gerät für Kraft- und Schnelligkeitstraining. Als das Programm läuft, kann Nolan Diem loslegen. Der EVZ-Stürmer trotzt mit den Beinen den Kräften der Maschine. Auf einem Monitor kann er in Kurvendarstellungen sehen, wie gut ihm das gelingt. Während sich Diem abmüht, erscheint der verletzte Verteidiger Santeri Alatalo im Trainingsraum und fragt Lampert nach dem nächsten Termin für die Reha.

Es ist ein gewöhnlicher Morgen in der Bossard-Arena, und Lampert sagt: «Die Zuschauer sehen nur die Show auf dem Eis. Was hinter den Kulissen passiert, wissen sie nicht.» Der 39-jährige Lampert weiss es. Der Bündner ist seit 2005 Physiotherapeut beim EV Zug und leitet das Team, dem zwei weitere Physiotherapeuten angehören. Das Team ist Bestandteil des klubeigenen Medical Staff. «Wir stellen sicher, dass die Spieler auf die Flughöhe kommen, um mit den Trainern weiterarbeiten zu können», sagt Lampert. «Gerade die Vorsaison ist sehr intensiv. Im Sommertraining wird die körperliche Belastung auf dem Eis simuliert.» Das heisst: In dieser Zeit legen die Spieler die Basis für die lange Saison.

Tiefe Freundschaften haben keinen Platz

Im Schweizer Eishockey hat eine Professionalisierung stattgefunden, die auch den gesamten Trainingsbetrieb umfasst. Zum Zuger Medical Staff gehören neben den drei Physiotherapeuten auch drei Ärzte und zwei Masseure. Nach Bedarf werden Osteopathen, Ernährungsberater und Mentaltrainer hinzugezogen. «Wir sind im ständigen Austausch, auch mit den Trainern und Funktionären», sagt Lampert. «Nur wenn dieses Zusammenspiel funktioniert, können die Athleten das Optimum ihrer Leistungsfähigkeit erreichen.»

Hüftprobleme, ramponierte Fussgelenke, Arm- und Kopfverletzungen sind häufig im Eishockey. Lampert und sein Team mobilisieren Gelenke, fixieren Tapes, arbeiten mit den Spielern an den Geräten. Ein Physiotherapeut steht immer auch an Partien in der National League im Einsatz, um angeschlagenen oder verletzten Spielern sofort helfen zu können.

Lampert spricht viel mit den Athleten. «Ich habe ein Gespür für ihre Befindlichkeiten», sagt er. Ist er also auch ein «Seelen-Doktor»? Er verneint vehement. «Zu grosse emotionale Nähe ist ein No-Go. Ich will alle Spieler gleich behandeln.» Lampert wahrt daher eine professionelle Distanz. Da bleibt kaum Platz für tiefe Freundschaften. Dennoch sorgt er sich um das Wohl des Teams. «Am besten ist immer, wenn alle Spieler gesund und so richtig heiss auf das nächste Spiel sind. In solchen Momenten entsteht in der Garderobe eine ganz besondere Atmosphäre. Dann ‹riglet› es 60 Minuten lang auf dem Eis.»

Stefan Lampert weiss dann auch: Er und die Leute vom Medical Staff haben für die grosse Show alles richtig gemacht.