Dario Simion – Klick im Kopf

Dario Simion (24) hat sich in Davos nicht mehr rundum glücklich gefühlt. Mit einem Mentaltrainer versucht er nun, seine Karriere beim EVZ neu zu lancieren.

Sven Aregger
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Dario Simion in der Bossard-Arena, seiner neuen Umgebung. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. August 2018))

Dario Simion in der Bossard-Arena, seiner neuen Umgebung. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. August 2018))

Dario Simion musste nicht lange überlegen. Als der Tessiner das Angebot vom EV Zug erhielt, hat er sofort gewusst: «Das ist eine gute Lösung, diese Mannschaft kann Meister werden.» Dass der Transfer im Frühling zu Stande kam, hat Simion womöglich einem anderen Tessiner zu verdanken: Stürmer Inti Pestoni, der bei den ZSC Lions keine Rolle mehr spielte, unterschrieb einen Einjahresvertrag in Davos. Fast gleichzeitig löste der HCD den Kontrakt mit dem 24-jährigen Simion auf und erteilte ihm damit die Freigabe für den Wechsel nach Zug. Simion sagt: «Alles ging sehr schnell.»

Der Flügel war im Bündnerland schon länger nicht mehr richtig glücklich. Die vergangene Saison war die schwierigste seiner Karriere. Von Anfang an kam er nicht auf Touren, der harzige Start verunsicherte ihn. «Ich habe mich vielleicht selber zu stark unter Druck gesetzt, ich war blockiert», sagt er. Dazu muss man wissen, dass Simion ein Familienmensch ist. Im Bergort Davos fühlte er sich oft einsam, abgeschnitten von seinem geliebten Umfeld. Die Eltern und der Bruder leben im Maggiatal, die Schwester in Zürich. In Zug ist er nun wieder näher bei seinen Liebsten. Er sagt: «Ich bin vom Klub gut aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl hier. Diese Luftveränderung habe ich gebraucht.»

Täglich zwei bis drei Stunden an der Gitarre

Dario Simion stammt aus dem Nachwuchs des HC Ambri-Piotta, früh galt er als Talent. Nach seinem Wechsel zum Kantonsrivalen Lugano debütierte er mit 16 Jahren in der National League. Und bereits in seiner ersten Saison in Davos durfte er 2015 den Meistertitel feiern. Es gibt Karrieren, die weitaus ungünstiger verlaufen.

Der Rechtshänder Simion ist ein schneller, robuster Stürmer mit einer guten Schusstechnik und kann auf beiden Flügelseiten eingesetzt werden. Doch zuletzt konnte er sein Potenzial nicht mehr ausschöpfen, man könnte es als Stagnation bezeichnen. Simion wusste, dass er etwas verändern musste und dass es allein mit dem Transfer in die Zentralschweiz nicht getan ist.

Seit diesem Sommer arbeitet der sensible junge Mann mit dem Tessiner Mentaltrainer Giorgio Valsecchi. Er absolviert einen Kurs mit zwölf Modulen und macht täglich seine Übungen. «Es geht darum, das Selbstvertrauen zu stärken und positiv zu denken. Das Mentaltraining tut mir gut», sagt Simion. Positiven Einfluss hat auch Musik auf ihn. In seiner Kindheit spielte er Posaune, nun nimmt er Gitarrenunterricht – und das durchaus mit Ehrgeiz: Zwei bis drei Stunden übt er pro Tag.

Nicht mehr Mitläufer, sondern Leader

Wenn Simion etwas macht, dann richtig.Das gilt auch fürs Eishockey, die neue Saison könnte so etwas wie der Schlüsselmoment in seiner Karriere sein. InZug will er den endgültigen Durchbruch schaffen, sich vom Mitläufer zum Leader entwickeln, Verantwortung für die Mannschaft übernehmen.

Auch für die Schweizer Nationalmannschaft hat er sich hohe Ziele gesetzt, er will 2019 zum WM-Kader gehören. Im Sommer nahm er am Prospect Camp teil, dabei hatte er auch ein Gespräch mit Trainer Patrick Fischer. «Er hat mir gesagt, dass ich alle Fähigkeiten mitbringe. Es müsse nur noch klick im Kopf machen», erzählt Dario Simion. Es ist wohl genau das,was er nun braucht, um seiner Karriere neuen Schub zu verleihen.