Der EV Zug beendet Biels Horrorfilm

Der EV Zug verliert in Biel 5:6 nach Verlängerung. Die Berner siegen erstmals seit dem 1. Dezember.

René Barmettler aus Biel
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Es lief die Verlängerung, Zugs Dario Simion sass noch für fünf Sekunden auf der Strafbank. In diesem Moment sah Biel-Verteidiger Yannick Rathgeb seinen Schuss zum 6:5 im Netz zappeln. Der Treffer hielt auch dem Videostudium der Schiedsrichter und einer Abseits-Überprüfung stand.

Im Bieler Matchprogramm wurde der derzeit verletzte Biel-Stürmer Michael Hügli befragt, ob er Komödien oder Horrorfilme lieber mag. «Komödien, ich mag keine Horrorfilme.» Das ist nachvollziehbar, denn die Bieler spielten selber in einem mit. Seit dem letzten Sieg am 1. Dezember gegen Rapperswil siegten sie bis am Freitagabend nie mehr. Bei diesem Aufeinandertreffen wurden gleich drei Serien beendet: Für den EHC Biel war es der erste Sieg nach acht Meisterschaftsniederlagen in Folge; der EV Zug verlor erstmals wieder nach vier Erfolgen in fremden Stadien; im vierten Aufeinandertreffen zwischen den beiden Kontrahenten siegte erstmals das Team, das zuhause antreten durfte.

Der EV Zug strotzte zu Beginn der Partie vor Selbstvertrauen, setzte das Heimteam sofort unter Druck. Das Startdrittel gehörte spielerisch den Zentralschweizern, doch Biel profitierte von Unzulänglichkeiten in der Zuger Abwehr. Und so fielen unüblich viele Treffer, sechs an der Zahl – 3:3. Die ersten beiden Tore für den EVZ erzielte der Tscheche Jan Kovar, beide wurden durch gute Vorarbeit von Grégory Hofmann ermöglicht. Beim zweiten Gegentor sah Biel-Goalie Jonas Hiller nicht gut aus, auch beim dritten Gegentreffer durch Lino Martschini liess er sich am nahen Pfosten erwischen. Doch die Seeländer hatte auf jeden Rückschlag eine Antwort parat: Toni Rajala lief durch die EVZ-Abwehr, Jason Fuchs schob zum 1:1 ein (8.). Das 2:2 erzielte David Ullström mit einem sehenswerten Rückhand-Tor (10.). Der Ausgleich zum 3:3 fiel in Überzahl, Anton Gustafsson lenkte eine Hereingabe von Fuchs unhaltbar für EVZ-Schlussmann Leonardo Genoni ab (19.).

Zug vergibt zahlreiche Chancen im zweiten Drittel

Nicht ganz überraschend erwies sich die Zuger Abwehr als Achillesferse: Sie war dünn besetzt, weil Chefstratege Raphael Diaz auch diesmal fehlte. Und auch die Absenz von Routinier Dominik Schlumpf wegen einer Sperre machte sich bemerkbar. Doch weil Zug im zweiten Spielabschnitt sein Heil in der Offensive suchte, blieb Genoni nahezu unbehelligt. Und als das Tor zum 4:3 für die Berner Seeländer fiel, nahm EVZ-Trainer Dan Tangnes eine Coaches Challenge, liess eine Offsideposition überprüfen. Und siehe da: Das Coaching Team erhielt Recht. Und so endete das Drittel 0:0, mehr als schmeichelhaft für die Bieler. Die Zuger vergaben reihenweise Topchancen. Oscar Lindberg traf in Überzahl die Latte, weiter scheiterten Erik Thorell (29./33.), Martschini (33.) und Hofmann (35.).

Im Schlussabschnitt ging Biel innert 21 Sekunden durch Mike Künzle und Peter Schneider 5:3 in Führung (45.). Zugs Antwort: Grégory Hofmann zum 4:5 (51.) und Lindberg in Unterzahl zum 5:5 (58.).

Es wurde ruhig im Bieler Publikum: Doch diesmal endete die Vorstellung mit einem Happy End für die Seeländer. Zug bekommt heute Abend in Zug die Gelegenheit zur Revanche.

Biel - Zug 6:5 (3:3, 0:0, 2:2, 1:0) n.V.

5761 Zuschauer. - SR Stricker/Tscherrig, Kaderli/Progin. - Tore: 4. Kovar (Hofmann) 0:1. 8. Fuchs (Rajala) 1:1. 10. (9:00) Kovar (Klingberg, Hofmann) 1:2. 10. (9:37) Ullström (Kreis/Ausschlüsse Riat; Alatalo) 2:2. 15. Martschini 2:3. 19. Gustafsson (Fuchs/Ausschluss Langenegger) 3:3. 45. (44:20) Künzle (Ullström, Rathgeb/Ausschluss Senteler) 4:3. 45. (44:41) Schneider (Riat) 5:3. 51. Hofmann (Kovar, Senteler/Ausschluss Gustafsson) 5:4. 58. Lindberg (Alatalo/Ausschluss Thiry!) 5:5. 64. Rathgeb (Ausschluss Simion) 6:5. - Strafen: 4mal 2 plus 10 Minuten (Riat) gegen Biel, 5mal 2 Minuten gegen Zug. - PostFinance-Topskorer: Rajala; Hofmann.

Biel: Hiller; Moser, Kreis; Rathgeb, Forster; Fey, Salmela; Sataric; Fuchs, Ullström, Rajala; Brunner, Gustafsson, Künzle; Riat, Neuenschwander, Schneider; Kohler, Tanner, Tschantré; Wüest.

Zug: Genoni; Morant, Geisser; Wüthrich, Alatalo; Thiry, Zryd; Stadler; Klingberg, Kovar, Hofmann; Martschini, Lindberg, Thorell; Simion, Senteler, Zehnder; Langenegger, Albrecht, Leuenberger.

Bemerkungen: Biel ohne Cunti, Ulmer, Lüthi, Hügli und Pouliot, Zug ohne Bachofner, Diaz, Schnyder, Zgraggen (alle verletzt) und Schlumpf (gesperrt). Lattenschuss Lindberg (23.). Timeout Biel (62.).