Der EV Zug und seine wertvollen Niederlagen

Sportreporter Nicola Berger über die Talfahrt des EV Zug

Drucken
Teilen
EVZ-Trainer Harold Kreis, setzt auf Seriosität, Systemtreue und Disziplin. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

EVZ-Trainer Harold Kreis, setzt auf Seriosität, Systemtreue und Disziplin. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Sechs von acht Partien hat der EV Zug zuletzt verloren, seit Anfang Dezember befindet sich der Klub auf Talfahrt. Der Abschwung ist fraglos problematisch, der Vorsprung auf das neuntplatzierte Ambri beträgt nur noch sechs Punkte, doch das Team hat sich mit einem exzellenten Herbst ein Polster erarbeitet, von dem es nun zehrt.

Lange Zeit bewegte sich der EVZ ja im Gleichschritt mit den übermächtigen ZSC Lions, darum fragt man sich, wie es sein kann, dass diese Equipe aus dem Tritt geraten ist. Ist jetzt alles schlecht, was noch vor sechs Wochen gut war? Nein. Aber im EVZ hat eine gewisse Wohlstandsverwahrlosung Einzug gehalten. Erfolg kann diese Wirkung haben: dass sich Genügsamkeit ausbreitet und man nachlässt. Das ist tückisch, weil der Grat des Erfolgs in dieser Liga – sie ist ausgeglichen wie selten zuvor – schmal ist und es sich sofort rächt, wenn auch nur einige wenige Prozente fehlen, sei es physisch punkto Einsatz oder in der Konzentration. Der Sportchef Reto Kläy sagt: «So wie wir in den letzten Wochen gespielt haben, reicht es einfach nicht.»

Was sich unversöhnlich anhört, ist für den EVZ vor allem eines: eine wertvolle Erkenntnis. Denn im und um den Verein reift die Einsicht, dass diese Mannschaft nicht gut genug ist, um auch mit angezogener Handbremse erfolgreich zu spielen. Die negativen Ergebnisse der letzten Wochen sind darum vor allem Wasser auf die Mühlen von Harold Kreis, dem strengen Zuger Trainer, der bei jeder Gelegenheit auf Seriosität, Systemtreue und Disziplin pocht und es nun wieder leichter haben dürfte, diese Botschaften in den Köpfen der Spieler zu verankern.

Denn im Zuger Kollektiv lässt sich ja kein Mannschaftsteil ausklammern, wenn man nach den Gründen für die aktuelle Baisse forscht. Der Torhüter Tobias Stephan erreichte zuletzt nicht mehr sein gewohntes Rendement, die Abwehr wirkte fahrig, und selbst das so zuverlässige Topverteidigerpaar Ramholt/Grossmann liess teilweise die Stabilität vermissen. In der Offensive derweil ist der EVZ nach wie vor zu stark von seinen beiden ersten Linien abhängig; die Produktivität der Blöcke drei und vier ist, sagen wir, überschaubar.

Es wird auch die Aufgabe des Trainers sein, dieses Manko bis zum Beginn der Playoffs von Anfang März auszubügeln. Hilfreich wäre es, wenn beispielsweise der bisher enttäuschende Flügelstürmer Dario Bürgler seine Bestform wiederfinden würde. Dafür gibt es Hoffnung: Dem Schwyzer gelang am Sonntag in Lausanne eine ansprechende Leistung, und er war in seiner Karriere in der zweiten Saisonhälfte stets produktiver als zu Beginn. Am Wochenende dürfte Bürgler abermals die Chance erhalten, neben den Offensivkünstlern Bouchard und Immonen aufzulaufen: Dominic Lammer, bisher ein Fixpunkt in dieser Formation, fällt mit einer Hirnerschütterung für mindestens eine Woche aus.

Die Doppelrunde gegen Ambri: Sie ist für Bürgler eine weitere Gelegenheit, den bisher hinterlassenen, zwiespältigen Eindruck zu revidieren. Und nach den Enttäuschungen der letzten fünf Wochen gilt für seine Teamkollegen das Gleiche.