Der EV Zug wird Qualifikationssieger

Am Freitag (19.45) beginnt die National League. Der EV Zug ist gleich im Startspiel zu Gast bei Ambri-Piotta. Die Prognose für die Quali-Phase.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
EVZ-Stürmer Reto Suri schiesst aufs gegnerische Tor: hoffentlich auch diese Saison sehr oft. (Bild: Philipp Schmidli (Zug, 11. August 2018))

EVZ-Stürmer Reto Suri schiesst aufs gegnerische Tor: hoffentlich auch diese Saison sehr oft. (Bild: Philipp Schmidli (Zug, 11. August 2018))

Zug Qualifikationssieger? Warum nicht? Die Differenz zwischen den Grossen und den Kleinen ist zwar grösser geworden. Aber die Ausgeglichenheit zwischen den Spitzenteams – und Zug ist ein Spitzenteam – ist so gross wie noch nie.

1. EV Zug (Vorjahr 2.)

Nach vier Jahren «Armee-Turnprogramm-Taktik» unter dem stockkonservativen Harold Kreis belebt der neue Trainer Dan Tangnes mit Jugendstil Geist und Körper. In dieser letzten Saison ohne Erwartungsdruck (der Titel wird erst nach der Ankunft von Leonardo Genoni erwartet) haben die Zuger mit einer nominell besseren Mannschaft als im Vorjahr die Chance, die Vorjahresklassierung zu verbessern und leichtfüssig zum Qualifikationssieg zu stürmen.

2. SC Bern (1.)

Im Herbst wird Kari Jalonens perfekt abgestimmte Hockeymaschine die Liga erst einmal überrollen. In Bern ist Hockey «Staatsreligion», in jedem Spiel wird ein Sieg verlangt, die Besten werden forciert und der Energieaufwand ist von Anfang an zu hoch. Zu viele wichtige Spieler sind 30 oder älter (Arcobello, Gerber, Rüfenacht, Abbott, Krueger, Blum, Bieber, Mursak). Sie werden ab Januar schwere Beine haben und von Zug überholt.

3. ZSC Lions (7.)

Der Meister hat kräftig nachgerüstet (unter anderen Denis Hollenstein und Simon Bodenmann) und die Ausländer sind noch besser (Roman Cervenka ist einer der besten der Liga) als letzte Saison. Das Luxus-Problem ist ein Übermass an Talent, das zu taktischer Liederlichkeit verführt. Die Zürcher haben wahrlich eine grosse Mannschaft. Aber wer fragt, ob Serge Aubin der grosse Trainer sei, den eine grosse Mannschaft braucht, ist kein Schelm.

4. Fribourg-Gottéron (5.)

Wenn der Zuzug von Titanen und Nationalspielern wie Reto Berra, Philippe Furrer, Noah Schneeberger, Lukas Lhotak und Samuel Walser nicht zur einer Verbesserung der letztjährigen Klassierung führt, dann muss Trainer Mark French trotz Vertrag bis 2021 gefeuert werden. Aber Reto Berra sollte konstant hexen wie bei der Silber-WM von 2013 und der beste Torhüter der Klubgeschichte sein – sonst hat Gottéron ein Problem.

5. Biel (3.)

Biels Aktien waren im letzten Frühjahr nach der besten Saison seit dem Wiederaufstieg (2008) mit dem Halbfinal zu hoch bewertet. Noch fehlt die Kadertiefe eines Spitzenteams, und die Abhängigkeit von zerbrechlichen Titanen wie Jonas Hiller (36), Beat Forster (35), Robbie Earl (33) und Damien Brunner (32) ist gross. Sage mir, ob Brunner skort und mit dem freundlichen Trainer in Frieden lebt, und ich sage dir, wie es um Biel steht.

6. Lausanne (10.)

Nach einer weiteren Transfer-Offensive (Robin Grossmann, Ronalds Kenins, Christoph Bertschy) hat Lausanne inzwischen bei weitem genug Talent für einen Platz unter den «Top 4» und die Halbfinals. Die alles entscheidende Frage ist allerdings, ob es dem Trainer-Zauberlehrling Ville Peltonen (er hat sein Handwerk bei Kari Jalonen gelernt) gelingen wird, dauerhaft Ordnung in den welschen Larifari-Betrieb zu bringen.

7. HC Lugano (4.)

Bescheidenheit, Leidenschaft und – natürlich – Talent haben Lugano im letzten Frühjahr bis ins 7. Finalspiel gebracht. Aber schon Doug Shedden musste erfahren, dass in Lugano ein Final in der Folgesaison nicht vor einer Entlassung schützt. Greg Ireland wird es nicht gelingen, den «Finalgeist 2018» in der Kabine und den Zusammenhalt des Teams zu bewahren und wird noch vor Weihnachten im Zentrum einer Trainer-Polemik stehen.

8. Langnau Tigers (9.)

Ein brisante Mischung, gepfefferter als Tiger-Käse: Einerseits das beste defensive Schachspiel der Liga und ein Kollektiv, das immer wichtiger ist als der wichtigste Spieler. Andererseits die Flucht nach vorne mit fünf ausländischen Stürmern. Aber einer muss halt immer zuschauen, und wenn es Rückkehrer Chris DiDomenico ist, dann ist der Friede in der Kabine gefährdet und jede Playoff-Hoffnung ruiniert.

9. HC Davos (6.)

Arno Del Curto hat seit dem Amtsantritt im Sommer 1996 die Playoffs noch nie verpasst. Aber nun hat er erneut so viele Spieler verloren (Walser, Schneeberger, Simion, Kindschi, Jörg, Sciaroni), dass er mit der jüngsten Mannschaft der Liga erstmals um die Playoff-Teilnahme bangt. Kein Wunder, hat er auch die Nerven verloren und ohne Not einen NHL-Torhüter verpflichtet. Aber Anders Lindbäck alleine bringt den HCD nicht in die Playoffs.

10. Servette (8.)

Chris McSorley ist nach einem Jahr Verbannung als Sportchef ohne Kompetenz von den neuen Besitzern zurück an die Bande geholt worden und steht vor seiner 18. Saison als Cheftrainer. Sein bewährtes, simpel gestricktes, uriges Rumpelhockey wird uns gut unterhalten, reicht aber nach einer Budgetreduktion nicht mehr für die Playoffs. Zu wenig Talent, zu wenig gutes ausländisches Personal, und mit Robert Mayer steht ein wackliger Goalie im Tor.

11. HC Ambri-Piotta (11.)

Trainer Luca Cereda wird uns mit gut abgestimmten Lauf- und Tempohockey erneut begeistern und bis zur Spengler-Cup-Pause um den letzten Playoff-Platz kämpfen. Doch der Verlust von Leitwolf und WM-Silberheld Michael Fora (nach Nordamerika) kann bei aller Leidenschaft nicht kompensiert werden. Die Füsse werden Ambri im neuen Jahr immerhin zum Ligaerhalt, aber nicht in die Playoff-Ränge tragen.

12. Rapperswil (Aufsteiger)

Letzte Saison hat der Aufsteiger im Cup die NLA-Titanen Zug (5:1), Lugano (3:0) und Davos (7:2) vom Eis gefegt. Aber eine Cup-Party ist etwas anderes als eine kräftezehrende Qualifikation vom September bis im Februar. Der offensive Schmetterlingsstil reicht mit einer leicht verstärken NLB-Mannschaft nur zu einem herbstlichen Zwischenhoch. Hoffentlich lässt sich Verteidigungsminister Timo Helbling nicht provozieren.

National League. 1. Runde. Freitag, 19.45: Ambri-Piotta – Zug. SCL Tigers – Rapperswil-Jona Lakers. Biel – Genève-Servette. Fribourg-Gottéron – Lausanne. Lugano – Davos. ZSC Lions – Bern.

Die fünf wichtigsten Regeländerungen

1. Der Torhüter darf unbedrängt die Scheibe nicht mehr blockieren. Er muss sie sofort spielen.
2. Ein Tor mit dem Schlittschuh zählt nicht mehr, wenn der Spieler den Schlittschuh so dreht und positioniert, dass der Puck ins Tor gelenkt wird – bisher war nur eine Bewegung des Schlittschuhs Richtung Puck (Kickbewegung) verboten.
3. Neu muss nicht mehr der gefoulte Spieler den Penalty ausführen.
4. Am meisten Diskussionen dürfte jedoch die Bestrafung der sogenannten Late Hits geben: Der Check ist nur noch erlaubt, um einen Spieler vom Puck zu trennen. «Einschüchterungschecks», wenn die Scheibe weg ist, sind nicht mehr erlaubt.
5. Fällt ein Spieler bei einem Konter über den Stock seines Gegenspielers, der den Puck weggewischt hat, gibt es neu eine Zwei-Minuten-Strafe. (kza)