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Der Frühlingsputz im EV Zug: Eine Checkliste

Eishockey-Reporter Nicola Berger über mögliche Folgen einer verpatzten EVZ-Saison
Ist gefordert: EVZ-Sportchef Jakub Horak. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Ist gefordert: EVZ-Sportchef Jakub Horak. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Seit Samstagabend steht fest: Das Playoff findet erstmals seit elf Jahren ohne den EV Zug statt. Eine Schande, schreien die empörten Fans und verärgerten Sponsoren, und man kann es ihnen nicht verdenken. Doch mit dem EVZ dürfte morgen auch der SC Bern in die Relegationsrunde verbannt werden. Der Absturz des Meisters zeigt: In dieser Liga ist niemand vor bösen Überraschungen gefeit.

Die Frage ist, welche Konsequenzen man im EVZ aus dieser verunglückten Kampagne zieht. Wer sich rund um den Klub umhört, der kommt zum Schluss, dass die Tage von Trainer Doug Shedden und Sportchef Jakub Horak gezählt sind.

Kommt es tatsächlich zum grossen Frühlingsputz? Und: Wie sinnvoll wäre das?

Es ist leicht, sich jetzt auf Shedden einzuschiessen, der Kanadier gibt gerade ein dankbares Opfer ab. Am Eishockeylehrer scheiden sich in Zug ja seit längerem die Geister, was nur normal ist; es sind Szenen einer Ehe, die im sechsten Jahr zu bröckeln begonnen hat. Es wird gemäkelt über Taktik, ungenutzte Time-outs, dysfunktionale Special Teams. Der Coach hat zudem seinen Teil zur gleich im Multipack verfehlten Ausländerselektion beigetragen, und er hat im letzten Herbst kein Rezept gefunden, um die schlingernde «MS Zug» wieder auf Kurs zu bringen. Dazu kommen natürliche Abnützungserscheinungen im Umgang mit der Mannschaft – sechs Jahre sind eine lange Zeit.

Aber man muss vorsichtig sein. Es ist ein beliebter Reflex in Krisenzeiten, nur noch das Schlechte sehen zu wollen. Shedden hat den EVZ fünf Mal in den Halbfinal geführt, was allen Unkenrufen zum Trotz eine nicht zu unterschätzende Leistung ist, er hat Damien Brunner sowie Rafael Diaz in die NHL gebracht – und er hat einen bis 2015 gültigen Vertrag. Im Konstrukt des EVZ ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor, denn wenig ärgert den kostenbewussten Präsidenten Roland Staerkle so sehr, wie wenn er jemanden bezahlen muss, der nicht mehr für ihn arbeitet. Ein vorzeitiger Abgang von Shedden und seinem Assistenten Waltteri Immonen dürfte gegen eine halbe Million Franken kosten.

Dennoch: Sollte bei der Klubführung um CEO Patrick Lengwiler die Gewissheit gereift sein, dass Doug Shedden nicht mehr der richtige Coach ist, sie täten gut daran, den früheren NHL-Profi gleich nach der Saison zu beurlauben und nicht zu warten, bis im nächsten Herbst die ersten Niederlagen folgen. In der Evaluation müssen Lengwiler und Co. auch berücksichtigen, ob überhaupt ein geeigneter Nachfolgekandidat bereitsteht. Die prominentesten Eishockeylehrer ohne Anstellung sind die altgedienten Larry Huras und Harold Kreis. Letzterer hat den gleichen Agenten wie Shedden und wäre im Februar beinahe SCB-Trainer geworden.

Egal mit welchem Coach der EVZ in die neue Saison steigen wird: Dank der qualitativen Aufwertung des Kaders (Stephan, Grossmann, Bürgler) müsste die Rückkehr ins Playoff gelingen.

Ob Jakub Horak diese Entwicklung noch als EVZ-Angestellter erleben wird, darf bezweifelt werden – unabhängig davon, welches Schicksal Shedden erfährt. Bevor Horak im Frühling 2012 als Sportchef verpflichtet wurde, arbeitete der ehemalige Meisterspieler des EVZ bei einer Privatbank, und so ganz ist dem Familienvater die Transition vom planbaren Bürojob zur ruhelosen Managerstelle mit Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit nie gelungen.

Horak hat sich in den letzten Monaten nicht aus der Verantwortung gestohlen, nie versteckt, das muss man ihm anrechnen. Aber ihm fehlt das Profil und vielleicht auch der Antrieb, um jener umtriebige Macher zu sein, den der EVZ auf dieser Position benötigt.

Es hat eine gewisse Ironie, dass Horak ausgerechnet darüber stolpern könnte. Denn als man ihn holte, wurden im Klubumfeld rasch Stimmen laut, dass sich CEO Lengwiler bei der Auswahl seines Nachfolgers mit Absicht für einen Kandidaten entschied, den er bei Bedarf steuern kann.

Zu einem gewissen Grad mag das stimmen, aber die andere Wahrheit ist, dass Horak und Shedden sich nicht gerade mit Ruhm bekleckerten, wenn man sie autonom arbeiten liess. Bei der Ausländersuche war das so, und im Herbst 2012 stellte sich Horak bei den Verhandlungen mit den Lockoutspielern Diaz und Brunner derart ungeschickt an, dass das Duo kurz davor war, sich einem anderen Klub anzuschliessen – ehe Lengwiler seinem Sportchef in letzter Sekunde aus der Patsche half.

Sollte Horak gehen müssen– und danach sieht es aus –, dürfte er durch einen stärkeren Kandidaten ersetzt werden. Ob sich Patrick Lengwiler an seinen alten Wunschkandidaten erinnert? Schon vor zwei Jahren wollte er Jürg Schawalder holen, handelte sich damals jedoch eine Absage ein, weil der Techniker noch in Kloten gebunden war.

Die andere Option ist, dass sich der Verein im sportlichen Bereich neu organisiert, vielleicht eine Transferkommission gründet – und in den Scoutingbereich investiert.

Es gibt im EVZ aktuell viele offene Fragen. Wer sich für die Antworten interessiert, wird sich mindestens bis zum 22. März gedulden müssen. Dann bestreiten die Zuger aller Voraussicht nach ihr finales Saisonspiel. Für einige Protagonisten dürfte es gleichbedeutend mit der Derniere im EVZ sein.

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