Der grosse Abend von Sandro Zurkirchen: Der EV Zug scheitert am Lugano-Goalie

In einer intensiven Partie verpasst Lugano den Zugern einen Dämpfer und gewinnt mit 2:1. Die Tessiner sind nicht das bessere, aber effizientere Team.

Philipp Zurfluh
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Sicherer Rückhalt: Luganos Torhüter Sandro Zurkirchen macht den Zugern das Leben schwer.

Sicherer Rückhalt: Luganos Torhüter Sandro Zurkirchen macht den Zugern das Leben schwer.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 24. Januar 2020)

Was für eine Parade von Lugano-Torhüter Sandro Zurkirchen eine Minute vor Spielende. Ex-Luganesi Dario Simion hatte nur noch das leere Tor vor sich, doch die Fanghand des Goalies schnappte zu. Er sicherte damit seiner Mannschaft den 2:1-Auswärtssieg in der Bossard-Arena. «Es war ein grosser Kampf. Es brauchte viel harte Arbeit und das nötige Glück», meinte der Goalie, der früher über viele Jahre beim EV Zug unter Vertrag stand. Dort nahm auch seine Karriere als Eishockeyprofi ihren Anfang. «Wir haben solidarisch und mit viel Leidenschaft gespielt. Jeder hat sich für den Sieg aufgeopfert.»

Bei den Bianconeri läuft es derzeit rund. Sie setzten mit dem Sieg ein weiteres Ausrufezeichen. Sie haben vier der letzten fünf Auswärtspartien gewonnen, dies gegen Mannschaften wie ZSC Lions, Genf-Servette oder Bern – und nun auch Zug. Laut Zurkirchen sei das Team vor Weihnachten mental blockiert gewesen. «Mit dem neuen Trainer haben wir an vielen Schrauben gedreht und an Details gefeilt. Doch wir sind noch lange nicht am Ziel», betonte der 29-Jährige. Nach dem ungenügenden Saisonstart hatte Lugano im Dezember Serge Pelletier als Cheftrainer verpflichtet. Ihm assistieren Rob Cooksen und EVZ-Legende Paul DiPietro.

Wieder ein Gegentreffer in Unterzahl

Der Schweiz-Kanadier verfolgte das erste Drittel von der Medientribüne aus. «Wir müssen defensiv solider werden, so können wir nicht gewinnen», monierte er mit ernster Miene nach den ersten 20 Minuten. Dabei hätte DiPietro durchaus gelassener den Gang hinunter in die Katakomben antreten können. Die Bianconeri führten zu diesem Zeitpunkt mit 1:0 dank eines Powerplay-Treffers von Jani Lajunen. Dieser traf in Manier eines Baseballspielers. Bei der Gästeführung machte sich die Schwäche des Zuger Boxplays bemerkbar. Der EV Zug kassiert in Unterzahl die zweitmeisten Gegentreffer aller Teams in der National League.

Nach dem ersten Drittel hätte das Resultat aber durchaus andersrum lauten können. Obwohl Lugano mehr Torschüsse verzeichnete, waren die Torchancen der Zuger gefährlicher. Die Mannschaften geizten an diesem Abend nicht mit Offensivaktionen – auf Los ging es los. Yannick Zehnder hätte den Spielverlauf gleich zu Beginn in ganz andere Bahnen lenken können. Nach einem Abwehrbock des 40-jährigen Verteidigers Julien Vauclair hatte er die erste Topchance auf dem Stock. Zurkirchen konnte gerade noch seinen Beinschoner ausfahren und parierte stark. Auf der anderen Seite nutzten die Luganesi fast einen fatalen Abspielfehler von Santeri Alatalo aus. Der Ex-Zuger Dominic Lammer traf nur den Pfosten. Verschnaufpausen gab es keine.

Treffer von Morant brachte Hoffnung zurück

Ein auffälliges Spiel machte der Ex-Zuger Dominic Lammer und setzte seine Sturmpartner immer wieder mit klugen Pässen in Szene. So auch in der 23. Minuten, als er alle Zeit der Welt hatte und auf Raffaele Sannitz auflegte, der eiskalt einnetzte. Immer wieder brannte es vor dem Lugano-Tor. Doch die Zuger fanden schlicht keine spielerischen Mittel, um das Tor von Sandro Zurkirchen zu knacken. Er glänzte mit unzähligen Paraden und brachte das Zuger Publikum zur Verzweiflung. Der EV Zug startete furios ins Schlussdrittel. Nach 28 Sekunden schlug es hinter Zurkirchen ein. Torschütze war Johann Morant. Durch den Anschlusstreffer hatten nicht nur die Spieler Lunte gerochen. Das Publikum peitschte den Tabellenführer nach vorne, Lugano verteidigte leidenschaftlich, diszipliniert und letztlich erfolgreich. Nur ein einziges Mal mussten die Gäste in Unterzahl spielen.

Zug – Lugano 1:2 (0:1, 0:1, 1:0)
6650 Zuschauer. – SR Lemelin/Salonen, Obwegeser/Schlegel. – Tore: 17. Lajunen (Bertaggia/Ausschluss Diaz) 0:1. 23. Sannitz (Lammer, Loeffel) 0:2. 41. (40:27) Morant (Lindberg) 1:2. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Zug, 1-mal 2 Minuten gegen Lugano.
Zug: Genoni; Schlumpf, Geisser; Diaz, Morant; Thiry, Alatalo; Stadler; Klingberg, Kovar, Hofmann; Martschini, Lindberg, Thorell; Simion, Senteler, Bachofner; Leuenberger, Albrecht, Zehnder.
Lugano: Zurkirchen; Postma, Wellinger; Chiesa, Riva; Loeffel, Vauclair; Jecker; Walker, Lajunen, Suri; Klasen, McIntyre, Bertaggia; Fazzini, Sannitz, Lammer; Zangger, Romanenghi, Jörg.
Bemerkungen: Zug ohne Schnyder (verletzt) sowie Zgraggen und Zryd (überzählig), Lugano ohne Bürgler (verletzt), Chorney (überzähliger Ausländer). – Latte: 9. Lammer. – 58:48 Timeout Zug, von 57:55 bis 59:16 sowie ab 59:20 ohne Torhüter.