EVZ-Goalie Leonardo Genoni über die wettkampffreie Zeit: «Der Hausarrest ist ein Warnschuss für alle»

Nach 16 Tagen ohne Ernstkampf greift der EV Zug am Dienstagabend auswärts gegen den EHC Biel wieder ins Geschehen ein. Leonardo Genoni appelliert, im Umgang mit dem Coronavirus Verantwortung zu zeigen.

Philipp Zurfluh
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93 Prozent Abwehrquote: An EVZ-Goalie Leonardo Genoni ist schwer vorbeizukommen.

93 Prozent Abwehrquote: An EVZ-Goalie Leonardo Genoni ist schwer vorbeizukommen.

Alexandra Wey/ Keystone (Zürich, 22. Oktober 2020)

Kaum eine Woche geht vorbei, ohne dass wegen neuer Coronafälle ganze Mannschaften in Quarantäne gesetzt werden, Spiele verschoben, was folglich den Meisterschaftsbetrieb auf den Kopf stellt. Während beispielsweise die ZSC Lions bereits 11 Partien hinter sich haben, stand der HC Davos lediglich fünf Mal auf dem Eis.

Das Coronavirus macht auch vor dem EV Zug keinen Halt. Weil ein nicht genanntes Mitglied der Mannschaft positiv auf Covid-19 getestet wurde, musste das Team sowie Betreuer am 30. Oktober für einige Tage in häusliche Quarantäne. Die Spiele gegen Langnau und Ambri wurden verschoben. Wann sie nachgeholt werden, ist noch nicht fixiert. Nach ein paar Tagen Hausarrest, Abklärungen mit dem Kantonsarzt und durchgeführten Covid-19-Tests kam dann die Entwarnung. Keine weiteren Fälle sind dazugekommen. Fast alle haben seit Mittwoch den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen.

«Es war wohl der bestmögliche Zeitpunkt, um in Quarantäne zu gehen», versucht EVZ-Goalie Leonardo Genoni dem Umstand etwas Positives abzugewinnen. Was er damit meint: Vergangene Woche hätte der Deutschland-Cup in Krefeld über die Bühne gehen sollen. Das Turnier ist jeweils die erste Gelegenheit zur Standortbestimmung für die Schweizer Nationalmannschaft. Doch der Verband war der Meinung, dass man es in der momentanen Situation rund um Covid-19 nicht verantworten kann, Spieler aus allen Regionen des Landes zusammenzuziehen und internationale Turniere zu bestreiten.

Ein Appell an die Mitspieler

Allen Hygiene- und Schutzmassnahmen zum Trotz war es laut Genoni nur eine Frage der Zeit, bis das Coronavirus auch bei den Zugern Einzug hält. «Noch im Frühling hat man kaum jemand im persönlichen Umfeld gekannt, der vom Virus betroffen war. Heute ist die Situation ganz anders.» Der dreifache Familienvater hat seine Kontakte auf ein Minimum reduziert.

«Ich möchte nicht derjenige sein, der Schuld ist, wenn es zu einer Zwangspause kommt.»

Der 33-jährige Routinier appelliert an alle Spieler, im Umgang mit Corona genügend Sensibilität und Verantwortung an den Tag zu legen. Der fünffache Meistergoalie hofft, dass die Verordnung der Quarantäne auch seinen Mannschaftskollegen die Augen geöffnet hat. «Der Hausarrest ist ein Warnschuss für alle.»

Genoni hat die Quarantänezeit genutzt, um Zeit mit der Familie zu verbringen, aufzuräumen und nicht zuletzt: Sich mit Trainingsübungen fit halten. «Es ist ein spezielles Gefühl, das Haus während mehrerer Tage nicht verlassen zu dürfen», so Genoni. «Aber jeder muss einen Beitrag leisten, ich nehme diese Verantwortung sehr ernst.»

«Mit positiver Energie infiziert»

Gleiches Schicksal wie den Zugern hat auch den heutigen Gegner EHC Biel ereilt. Nach mehrtägiger Quarantäne haben die Seeländer am Freitag das Training aufgenommen. Durch die beiden Spektakelsiege gegen die ZSC Lions (6:3 und 8:2) sei der EV Zug «mit positiver Energie infiziert worden», so Genoni. «Es ging ein Ruck durch die Mannschaft. Endlich haben wir auch offensiv gezeigt, was wir können.» Gegen Biel sei es wichtig, den Spielrhythmus zu finden. «Wenn wir das Potenzial ausschöpfen, wird es für alle Mannschaften schwierig, gegen uns Punkte zu holen», sagt Zugs Rückhalt.