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Die legendäre Nachtschwärmerei des EV Zug in Tampere

Sportchef Andreas Ineichen erinnert sich an eine aussergewöhnliche Matchvorbereitung
unknown (Bild: andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch)

unknown (Bild: andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch)

Es war in den ersten Tagen des Jahres 1999, gut neun Monate nach dem ersten und bisher einzigen Meistertitel in der Geschichte des EV Zug, als das Rückspiel der Zwischenrunde nach überstandener Gruppenphase in der damaligen «European Hockey League» in Tampere anstand. Gegen Ilves. In Finnland. Wir waren alle im gleichen Hotel untergebracht, die Spieler, die Trainer, die Vereinsfunktionäre und die Handvoll Journalisten.

Als ich die Vorschau-Geschichte für das Spiel am nächsten Tag an die Redaktion der «Neuen Luzerner Zeitung» übermittelt hatte, war die Zeit, wo man in den Restaurants der Stadt noch ein Abendessen kriegte, schon vorüber. Aber für ein Bierchen reichte es noch. Also ging ich in die kalte Nacht hinaus. Im letzten Jahrtausend war Tampere kein Ort, wo nachts der Bär tanzte, also musste ich bloss eines von vielleicht noch fünf beleuchteten und angeschriebenen Häusern finden, um auf meine Berufskollegen zu treffen. Sie sassen unweit des Hotels in einer Beiz mit kleinem, integriertem Casino.

Die Uhr zeigte schon einige Minuten nach Mitternacht an, und als die Diskussion darüber, dass der EVZ nach dem 3:5 im Hinspiel eine Woche zuvor kaum mehr Chancen auf ein Weiterkommen hatte, schon einige Mal gewälzt worden war, schien der Abend ein unspektakuläres Ende zu nehmen. Meine Kollegen und ich waren gerade im Begriff zu zahlen, als die Eingangstüre mit einem lauten Knall gegen die Wand prallte, und fast alle EVZ-Spieler, angeführt von Captain André Rötheli, den Laden stürmten. Sofort war Partystimmung, das Bier floss in Strömen, es rockte und rollte.

Gegen drei Uhr machte ich mich mit zwei Spielern und einem Journalisten-Kollegen vom Acker, und als ich mich nach wenigen Stunden Schlaf aus den Federn hob und mit knurrendem Magen den Frühstücksraum anvisierte, lief ich Fredy Egli in die Arme. Dem legendären Präsidenten des EV Zug. «Na, Bürschchen», schnaubte er mit rotem Kopf, «mit wem warst du gestern im Ausgang? Ich will alle Namen und Details wissen.»

Ich begriff auf der Stelle, dass ich die Klappe zu halten hatte, weil ich sonst bei der Mannschaft nie mehr etwas zu bestellen gehabt hätte. In einer vermutlich erbärmlichen Schauspiel-Einlage gab ich von mir, dass ich keine Ahnung hätte, worauf er hinaus wolle. Eglis Zorn konnte ich mit dieser Notlüge nun wirklich nicht besänftigen, und er drohte mir Konsequenzen, falls ich meinen Mund nicht aufmachen sollte. Aber ich entgegnete ihm abermals, dass ich ihm beim besten Willen nicht weiterhelfen könne. Irgendwann gab es Egli auf bei mir, weil ihm noch ein weiterer Journalisten-Kollege begegnete, den er noch nicht in die Mangel genommen hatte. Den Glücklichen gehört die Welt.

Über den Latrinenweg erfuhr ich später, dass Kevin Todd und Colin Muller gegen sechs Uhr morgens als Letzte im Hotel erschienen sein sollen – und in weiblicher Begleitung. Nur drei Stunden danach begann das Aufwärmtraining, und als Sean Simpson, EVZ-Meistertrainer 1998 und viele Jahre später Silberschmied der Schweizer Nationalmannschaft, wohl mit Grausen erkennen musste, dass zumindest zwei seiner Schützlinge nicht in der Lage waren, rückwärts Schlittschuh zu laufen, platzte auch ihm endgültig der Kragen. Der Mannschaft wurden erhebliche Konsequenzen angedroht, wenn der Betriebsausflug nach Tampere in einer Blamage enden sollte.

Das tat er aber nicht. Nach zwei Dritteln in dem von gut 5000 Zuschauern besuchten Hakametsä-Stadion zu Tampere führte der EV Zug 3:2. Zwei Tore zu dieser zwischenzeitlichen Führung hatte Kevin Todd beigetragen, ausgerechnet er, der auch in nüchternem Zustand wahrlich kein Torjäger war. Schliesslich mündete das Spiel in den letzten 20 Minuten noch in eine 3:6-Niederlage, die das Aus in diesem Wettbewerb bedeutete, auch wegen einer höchst umstrittenen Spieldauer-Disziplinarstrafe des finnischen Headschiedsrichters Slapke gegen einen Zuger Verteidiger. Der akzeptable Auftritt der Zuger besänftigte den Zorn von Präsident und Trainer und liess sie von Konsequenzen für die legendäre Nachtschwärmerei absehen.

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