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Die Mission soll nicht durch Geld gelingen, sondern durch Geist

Marco Morosoli zur Gegenwart und Zukunft des EV Zug.
Marco Morosoli
Seit dem Einzug in die Bossard-Arena wächst der EVZ immer weiter. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. April 2017))

Seit dem Einzug in die Bossard-Arena wächst der EVZ immer weiter. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. April 2017))

Das Jubiläumsjahr 2017 ist ohne einen Kater zu Ende gegangen. Der EVZ hat seit dem Einzug in die Bossard-­Arena im Jahre 2010 in der Schweizer Eishockeylandschaft einen Sprung nach vorne gemacht. Die Honigtöpfe mögen nicht so prall gefüllt sein wie diejenigen des SC Bern oder der ZSC Lions. Dass Geld alleine nicht genügt, hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Da behält der Klub auch die Nerven, eine längere Nieder­lagenserie wie Ende Oktober 2017 auszusitzen. Früher wäre der Trainer ein Thema gewesen, oder die Klubführung hätte irgendwo einen Ersatzausländer ausgegraben, der dann die in ihn gesetzten Erwartungen eh nicht hätte erfüllen können. Für verletzte Kaderspieler sind junge Kräfte aus dem EVZ-­Academy-Team nachgerückt. Genauso, wie sich das die Klub­führung um den umsichtigen EVZ-Präsidenten Hans-Peter Strebel gewünscht hat.

Vor ein paar Monaten konnte kaum einer in der Bossard-Arena mit Namen wie Tobias Geisser, Thomas Thiry und Yannick Zehnder etwas anfangen. Heute gehören die jungen Talente schon beinahe selbstverständlich aufs Zuger Matchblatt. Die Konkurrenz um die begehrten Plätze ist dadurch grösser geworden. Sie könnte noch grösser sein, aber ein Anfang ist gemacht. Das Lamentieren über ­mangelnde Eiszeit hilft in diesem Modell eher nicht weiter. Vielmehr ist permanente Leistungsbereitschaft des spielenden Personals Pflicht. Das Spielfenster, das den ­Nachwuchsleuten gewährt wird, müssen sie so gut wie möglich nutzen, um sich für weitere Einsätze aufzudrängen.

Das wird ab und an Ent­täuschungen absetzen, aber die Aufnahme in das Academy-Team ist nicht mit dem Eintrittsticket für einen Platz im Himmel der National League zu verwechseln. Dafür braucht es harte Arbeit auf einem konstanten Level. Dabei kann es passieren, dass einer der jungen Kräfte nicht die Geduld hat, auf seine Chance zu warten und in der Fremde sein Glück versucht. Auch das hilft indirekt dem EVZ, da ja für solche Klubwechsel Ausbildungs­prämien abfallen.

Die Klubführung sollte aber auch den Mut haben, Akteure auf der Lohnliste des Fanionteams, welche die Leistung über längere Zeit nicht bringen, loszuwerden. Der Profisport ist keine Wohlfühloase.

Einige Fans haben nicht verstehen können, dass der EVZ auch mit dem Academy-Team sich weiter punktuell durch auswärtige Akteure verstärkt. So gesehen machen die Transfers von Mirco Zryd, Jesse Zgraggen und Jan-Lennart Albrecht durchaus Sinn. Es soll das Bestreben sein, sukzessive die Verstärkungen aus dem Academy-Umfeld einzubauen. Das muss mit Bedacht und nicht im Hauruck-Verfahren vollzogen werden.

Der EVZ ist nicht nur auf dem Eis drauf und dran, eine konstant ernst zu nehmende Grösse zu werden. Auch neben dem Eis verfügt die EVZ-Organisation über ein solides Fundament. Die Finanzen sind in Ordnung. Die Zuschauer kommen – die Halle ist des Öfteren ausverkauft. Vergessen sind die Zeiten zu Beginn der Nullerjahre, als manchmal noch knapp 3000 Zuschauer in der Hertihalle froren und einen EVZ in den Niederungen der NLA spielen sahen. Nicht ändern lässt sich der Umstand, dass alles damit steht oder fällt, wie weit der EVZ im Titelrennen kommt.

Allerdings dürfte ein allfälliger Absturz nicht ins Bodenlose führen. Da hat der EVZ einige Fangnetze gespannt. Gut ist auch, dass der EVZ nicht alleine von einem einzigen Sponsor abhängt. Wohl könnte der EVZ-Verwaltungsratspräsident Strebel locker den einen oder anderen grossen Fisch finan­zieren, doch er hält sich ­finanziell heraus respektive investiert in die Zukunft: mit der EVZ Academy sowie dem Sportkomplex in Cham. Es muss im Profibereich mit dem Geld gearbeitet werden, das da ist – und mit Geist. Das schafft ein gutes Gefühl und ist nicht überall in der Schweizer Eis­hockeyszene so. Das EVZ-­Unternehmen ist solide aufgebaut und kann auch den einen oder anderen Sturm der Zukunft aufhalten. Der Umsatz hat die 30-Millionen-Franken-Grenze geknackt. Rückschläge sind selten und dienen dem Lernen: Das unrentable Restaurant Kreuz in Oberwil wird nicht von der Gastro-Abteilung des Klubs weitergeführt. Bei der Verpflegung während der Spiele kann sich der EVZ noch steigern. Nicht selten ärgern sich Zuschauer darüber, dass sie für Getränke und Esswaren fast die halbe Drittelspause anstehen müssen – das sollte nicht sein.

Ob und wann all die Be­mühungen des EVZ den zweiten Meistertitel bringen werden, ist offen. Aber wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. In diesem Sinne gilt der Grundsatz: Immer weiter! Die Begeisterung im Jubiläumsjahr 2017 nach der ersten Finalqualifikation seit 19 Jahren zeigte: Zug ist eine Eishockeystadt – sie soll es noch lange bleiben.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

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