Die Zuger überfahren Schlusslicht Rapperswil-Jona Lakers

Weil die ZSC Lions patzen, baut der EV Zug dank eines 4:1-Heimsieges die Tabellenführung aus. Die St. Galler sind mit vier Gegentoren noch gut bedient. Oscar Lindberg trifft für den Leader doppelt.

Philipp Zurfluh
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Handfeste Meinungsverschiedenheit: Zugs Yannick Zehnder (links) und Rapperswils Cédric Hächler geraten aneinander.

Handfeste Meinungsverschiedenheit: Zugs Yannick Zehnder (links) und Rapperswils Cédric Hächler geraten aneinander.

Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 31. Januar 2020)

Um eine im Vorfeld oft gestellte Frage gleich zu beantworten: Der vor kurzem vom EV Zug verpflichtete norwegische Nationalspieler Andreas Martinsen stand nicht auf dem Matchblatt. Er ist am Mittwoch in Zug eingetroffen und hat zweimal mit seinen neuen Teamkollegen trainiert. Das 29-jährige Kraftpaket verfolgte stattdessen die Partie auf der Medientribüne. «Ich hatte eine lange Reise und brauche noch etwas Angewöhnungszeit», meinte der gross gewachsene Stürmer. «Ich freue mich aber sehr, bald mein erstes Spiel für Zug zu bestreiten.»

Gestern waren die offensiven Fähigkeiten von Andreas Martinsen nicht von Nöten. Der Tabellenleader war über 60 Minuten die klar bessere Mannschaft und kann seinen Vorsprung auf die ZSC Lions auf fünf Punkte ausbauen. Die über 30 Punkte grosse Differenz zwischen dem EV Zug und den Rapperswil-Jona Lakers war die meiste Zeit auch auf dem Eisfeld zu sehen. Die Gäste waren mit den wendigen und schnellen Zuger Stürmern teilweise heillos überfordert. Die Auswärtsbilanz der St. Galler ist unterirdisch: Es war die 18. Niederlage in den vergangenen 21 Spielen.

Goalie Luca Hollenstein erhält Vorzug

Obwohl am Donnerstagabend der Stammgoalie der Lakers, Melvin Nyffeler, beim 3:2-Sieg nach Penaltyschiessen gegen Ambri 45 Schüsse parierte und eine Fangquote von über 95 Prozent vorweisen konnte, stand Ersatzmann Noël Bader zwischen den Pfosten. Dieser wurde bei der EVZ Academy ausgebildet, spielte auch in der laufenden Saison auf Leihbasis bereits für das Farmteam. Dass Noël Bader zum besten Spieler seines Teams gekürt wurde, sagt viel über die Harmlosigkeit der Gäste aus. Auch bei den Zugern gab es eine Rochade auf der Goalie-Position. Luca Hollenstein erhielt den Vorzug vor Leonardo Genoni.

Es waren zehn Sekunden gespielt, als der Zuger Topskorer Grégory Hofmann seine Torflaute hätte beenden können, doch sein Schuss war zu unpräzis. Dem furios in die Saison gestarteten Ausnahmestürmer mangelt es in den letzten Wochen an Abschlussglück. Seit acht Spielen wartet der 27-Jährige auf einen Torerfolg. Für ihn sprangen andere Spieler in die Bresche. Wie schon einen Tag zuvor im Spiel gegen Davos reüssierte Oscar Lindberg. Er brachte Zug in der 11. Minute in Führung. Die Gäste zeigten zu Beginn des zweiten Drittels ein anderes Gesicht. Sie kamen mit deutlich mehr Offensivdrang aus der Kabine. Der EV Zug hätte sich über einen Gegentreffer nicht beklagen dürfen. Ungewohnt passiv agierten die Zuger. Just in dieser Phase erwischte Johann Morant Lakers-Goalie Noël Bader in der nahen Ecke. Danach hatte Cheftrainer Jeff Tomlinson genug gesehen und versuchte, sein Team wachzurütteln – erfolglos. Das Schlusslicht blieb blass.

Schwede Oscar Lindberg trifft doppelt

In der Bossard-Arena kochten erstmals nach 45 Minuten die Emotionen richtig hoch. Yannick Zehnder und Cedric Hächler deckten sich gegenseitig mit Faustschlägen ein – mit klarem Punktsieg für den Zuger. Dieser Boxkampf läutete die Schlussphase ein. Die Lakers forcierten ihre letzten Kraftreserven, Jurai Simek brachte mit seinem Anschlusstor nochmals Spannung in die Partie und verhinderte einen Shutout von Luca Hollenstein, der mit 28 parierten Schüssen zum besten Zuger Spieler ausgezeichnet wurde. Mit Doppeltorschütze Oscar Lindberg und Carl Klingberg erhöhten zwei Schweden auf 4:1. Gäste-Goalie Noël Bader verhinderte eine höhere Niederlage.

«Ich bin zufrieden, aber wir müssen vor dem gegnerischen Tor noch kaltblütiger sein», meinte EVZ-Trainer Dan Tangnes nach dem Spiel. Die Zuger bestreiten ihren nächsten Ernstkampf am 11. Februar zu Hause gegen Lausanne. Dann wird Neuzugang Andreas Martinsen zum Handkuss kommen. «Er kann in unserem Spiel zu einem entscheidenden Faktor werden», sagte Dan Tangnes.

Zug – Rapperswil-Jona Lakers 4:1 (1:0, 1:0, 2:1)
6919 Zuschauer. – SR Tscherrig/Mollard, Obwegeser/Gnemmi. Tore: 11. Lindberg (Simion, Alatalo/Ausschluss Rowe) 1:0. 28. Morant (Leuenberger) 2:0. 50. Simek (Profico, Cervenka/Ausschluss Diaz) 2:1. 52. Lindberg (Martschini) 3:1. 56. Klingberg (Thiry) 4:1.

Strafen: 2-mal 2 plus 5 Minuten (Zehnder) plus Spieldauer (Zehnder) gegen Zug, 3-mal 2 plus 5 Minuten (Hächler) plus Spieldauer (Hächler) gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

Zug: Hollenstein; Alatalo, Zgraggen; Diaz, Morant; Schlumpf, Geisser; Thiry, Stadler; Klingberg, Kovar, Hofmann; Martschini, Lindberg, Thorell; Simion, Senteler, Bachofner; Leuenberger, Albrecht, Zehnder.

Rapperswil-Jona Lakers: Bader; Vukovic, Schmuckli; Profico, Schneeberger; Hächler, Maier; Gurtner; Mosimann, Ness, Schlagenhauf; Clark, Rowe, Cervenka; Kristo, Dünner, Simek; Eggenberger, Wetter, Casutt; Forrer.